Orte in Bonn-Castell

Am Römerkastell

Römerkastell
Die ehemalige Hauptschule ist heute eine Gesamtschule.

Das Gebäude der GHS Am Römerkastell in der Graurheindorfer Straße 80 wurde am 21. April 1903 eingeweiht, nachdem die Bonner Stadtverordnetenversammlung am 1.3.1901 beschlossen hatte, wegen der wachsenden Schülerzahlen im Bonner Norden ein neues Schulgebäude zu errichten.

Nach der Einführung des 9. Pflichtschuljahres faßte man die 7. bis 9. Schuljahre benachbarter Schulen zu sogenannten Mittelpunktschulen zusammen, um reine Jahrgangsklassen bilden zu können. Beide Nordschulen (für Jungen und für Mädchen) wurden Mittelpunktschulen, von denen es insgesamt zwölf in Bonn gab. …

Mit Beginn des Schuljahres 1968/69 wurden schließlich alle Volksschulen des Landes aufgelöst und in Grundschulen (1. bis 4. Schuljahr) und Hauptschulen (5. bis 9. Schuljahr) gegliedert. Die ehemalige Mädchenschule wurde „Gemeinschaftshauptschule“, die ehemalige Jungenschule wurde „Grundschule“. Die neugebildete Hauptschule erhielt den Namen „GHS An der Rheindorfer Straße“. 1969 erhielt sie den Namen „Käthe-Kollwitz-Schule“. Die insgesamt 316 Schülerinnen und Schüler wurden zunächst in reinen Mädchen- und Jungenklassen, ab 1974 in gemischten Klassen koedukativ unterrichtet.

Wegen rückläufiger Schülerzahlen wurden durch Ratsbeschluß vom 30.3.1976 die drei innerstädtischen Hauptschulen zu zweien zusammengefaßt, nämlich zur „Hofgartenschule“ und zur „Käthe-Kollwitz-Schule“… . Seit Januar 1977 trägt die „Käthe-Kollwitz-Schule“ den bis heute gültigen Namen „GHS Am Römerkastell“. …

Auf dem Eckgrundstück Graurheindorfer Straße/Augustusring, das für den Bau einer Turnhalle reserviert ist, errichtete die Stadt Bonn 1980/81 einen Bolzplatz mit zwei Kleinfußballtoren, die nicht nur den Schülern der GHS Am Römerkastell, sondern auch den Kindern des Ortsteils Gelegenheit zum Ballspiel geben soll. In einer kleinen Feierstunde wurde der Bolzplatz am 8.6.1984 eingeweiht.

Um den Bolzplatz herum wurde in den darauffolgenden Jahren in mühevoller Arbeit von engagierten Lehrern und Schülern ein fast 2000 qm großer Schulgarten angelegt und mit ihm im Jahre 1986 der 1. Preis beim Umweltschutzwettbewerb der Stadt Bonn gewonnen. Im Rahmen des „Umwelttages“ am 5.6.1989 besuchten der damalige Umweltminister Töpfer und der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Daniels den Schulgarten.

Infolge weiter abnehmender Schülerzahlen beschloß der Rat der Stadt Bonn, die Hauptschule „Am Hofgarten“ aufzulösen. Mit Beginn des Schuljahres 1986/87 wurde sie für ein Jahr Dependance der GHS Am Römerkastell, ehe sie dann vollständig geschlossen wurde. Seitdem ist die GHS Am Römerkastell die allein noch verbliebene Gemeinschaftshauptschule im Bereich der Bonner Innenstadt. (…)

Man erwarb von der städtischen Armenverwaltung zu einem Kaufpreis von 47.300 Mark das historisch bedeutsame Grundstück, das zum Gebäude des ehemaligen befestigten Römerlagers (lat. castellum) gehörte. Ein Denkmal am Eingang zur Schule, das aus Steinen der Grundmauer des ehemaligen Römerlagers errichtet wurde, erinnert uns noch heute daran.

Weil zu Beginn dieses Jahrhunderts in der Regel der Unterricht für Jungen und Mädchen getrennt durchgeführt wurde, war es nur selbstverständlich, daß auch diese Schule als eine „Nordschule Mädchen“ und eine „Nordschule Jungen“ mit jeweils separaten Schulhöfen und Eingängen gebaut wurde. Die Inschriften über den Eingängen bezeugen es heute noch.

Wegen der großzügigen Bauweise und Ausstattung genoß die Nordschule bald den Ruf der „modernsten Volksschule weit und breit": Fenster, die viel Licht und Luft in die ca. 60 qm großen Klassenräume einließen, pflegeleichte Bodenbeläge aus Linoleum und freundlichen Fliesen, die „gut eingerichtete Schulküche“, die „wohlausgestattete Turnhalle“, ein Schulbad mit Brausezellen und eine eingebaute Luftheizung mit einem wunderschön gekachelten Kamin im Erdgeschoß.

Die beiden Weltkriege brachten zwischen 1914 und 1945 „scharfe Einschnitte in das Schulleben“. Nachdem gleich zu Beginn des 1. Weltkrieges militärische Dienststellen das Haus für etwa fünf Wochen belegt hatten, mußte der Unterricht auch während der folgenden Kriegsjahre teilweise oder ganz ausfallen. Häufig wurden die Jungen und Mädchen auch für Zählungen von Vorräten oder andere Hilfsdienste eingesetzt. Während des 2. Weltkrieges mußte der Unterricht wegen möglicher Luftangriffe immer wieder unterbrochen werden, doch blieb das Gebäude vor größerem Schaden weitgehend bewahrt. Erst durch wechselnde Besatzungstruppen im Frühjahr und Sommer 1945 wurde das Gebäude im Inneren Stark beschädigt und teilweise zerstört.

Nach Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten konnte am 4.10.1945 der Unterricht wieder aufgenommen werden. …

Gerhard Junker, Therese Pretterer, in: Bonn-Nord - Die Wiege Bonns. Bonn 1997, S. 101ff.

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