Erinnerungen

Bonnaris-Mineralbrunnen

Nicht nur in der Region sprudelt es kräftig, auch Bonn hatte einmal seine eigene Quelle. Daran werden sich vielleicht noch ältere Bürger erinnern: Bonnaris hieß das Wasser, das 1925 bis 1970 an der Immenburgstraße sprudelte.

Bevor es floss, verdiente sich der Entdecker der Quelle mit Schnaps und Likör seinen Lebensunterhalt. Hermann Josef Liessem stellte zunächst ab 1915 an der Drususstraße eine Art Limonade her. Anfang der 20er Jahre kaufte Liessem das Haus Nummer zehn an der Dorotheenstraße, wo er fortan Schnaps und Likör in allen Variationen und Geschmacksrichtungen brannte.

Mit der Wünschelrute in der Hand soll er Mitte der 20er Jahre das Grundstück an der Immenburgstraße abgegangen sein. Bohrungen trafen tatsächlich auf eine Quelle. Liessem kaufte das Grundstück und ließ sich seine Rechte am staatlich geprüften und als Heilquelle anerkannten Wasser sichern. Nicht nur die Bonner stillten damit ihren Durst. Das Mineralwasser gab es auch in vielen Kantinen der großen Industrieanlagen im Ruhrgebiet. Sogar nach Holland exportierte Liessem sein Wasser, und per Schiff soll es auch nach Indonesien gegangen sein. 1939 übernahmen seine Söhne Georg und Philipp den Getränkebetrieb.

Der Bonnaris Mineralbrunnen förderte in den ersten Kriegsjahren noch ungehindert, später kam das Geschäft zum Erliegen. Nach Kriegsende mussten die Brüder praktisch von vorne anfangen: Ihr Fuhrpark war zerstört und ein Großteil ihrer Produktionsmaschinen demontiert worden.

Doch Not macht bekanntlich erfinderisch: Bei den Rennen am Nürburgring entdeckten sie einen neuen Markt für ihre Limonaden und Wasser. Mit kleinen Lastwagen, gefüllt mit auf Eis gelagerten Flaschen, fuhren sie dort hin und verkauften ihre Getränke an die Zuschauer, erinnert sich die Enkelin des Betriebsgründers, Christa von Düsterlho. Auch der Absatz ins Ruhrgebiet klappte wieder. Dennoch, ab 1965 ging es bergab. Starke Konkurrenz, ein unglückliches Management und veraltete Anlagen zwangen laut Enkelin zum Verkauf des Grundstücks. Da der neue Eigentümer die Quelle nicht benötigte, verschwand sie unter Beton.

Doris Pfaff (Bonner General-Anzeiger)

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