Erinnerungen

Bonner Fahnenfabrik

Bonner Fahnenfabrik
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Wenn es in der Bonner Fahnenfabrik (BoFa) GmbH um die Herstellung von Einzelstücken geht, hat sich seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1866 durch Josef Meyer gar nicht so viel verändert.

Nach wie vor muss der Stoff per Hand auf die riesigen Tische aufgespannt und es müssen die Konturen von Emblemen, Wappen oder Ähnlichem mit Schablonen gesetzt und schließlich mit spezieller Stofffarbe ausgemalt werden. Und das kann je nach Produktionsgröße ein wenig dauern.

So liegt derzeit eine fast 16 Quadratmeter große Flagge zur Bemalung aus. Die benötigten Utensilien liegen auf einem Tischchen nebenan: Verschiedene Plastikgefäße mit Farben und Pinseln, Kleberollen und Stiften. Nur die Kaffeemaschine verrät in dieser Arbeitsecke, dass die Entwicklung seit der Gründung nicht stehen geblieben ist.

Ganz anders mutet die Szenerie in der alten Fabrikhalle an der Römerstraße an, wenn es um die Serienherstellung von Fahnen und Flaggen geht. Ein Drucker allein bedient eine der vier großen Fahnendruckmaschinen. Der Stoff wird automatisch in die computergesteuerte Siebdruckmaschine gezogen, wo die entsprechenden Farben aufgetragen werden.

Pro Stunde und Druckstraße können hier heute bis zu 800 Meter Stoff bedruckt werden. Eine Menge, die von den ersten Druckern in dem Familienbetrieb, dessen Gesellschafterin heute in der fünften Generation Annemarie Hebermehl, geborene Meyer, ist, kaum vorstellbar war. Entsprechend weniger Mitarbeiter sind heute in der Produktion nötig, weil neben dem Druckverfahren auch beim Nähen und Trocknen der Fahnen Maschinen zum Einsatz kommen. In Spitzenzeiten waren über 400 Menschen in der BoFa beschäftigt, heute sind es nur noch 110.

Bofa

Wie auf dem Foto, das in den 50er Jahren entstand, zu sehen ist, waren früher Frauen im Beruf als Druckerinnen nicht ungewöhnlich, was nicht nur durch die Nachkriegszeit bedingt war. Vielleicht lag es auch an dem besonderen Feingefühl, das der Umgang mit Stoff und Farbe verlangte, oder auch daran, dass Muskelkraft im Vergleich zu heute weniger erforderlich war.

Anders als die heutigen großen Alurahmen waren die Rahmen früher aus Holz und kleiner und damit wesentlich leichter zu heben. Zu zweit arbeiteten sie, wenn Wappen aufgedruckt werden mussten, so wie auf dem Foto zu sehen ist bei der Herstellung einer Bundesdienstflagge. Vorsichtig musste das Holzrakel auf jene Stelle des Stoffes aufgesetzt werden, die Farbe in den Siebrahmen gefüllt und schließlich durch gleichmäßiges Hin- und Herziehen aufgedruckt werden.

Im Prinzip hat sich dieses Verfahren nicht geändert: Bevor der Stoff bedruckt wird, muss das Drucksieb hergestellt werden. Dazu wird eine feine Gaze in den Rahmen eingespannt und an jenen Stellen mit einer Emulsion behandelt, die nach Belichtung während des Bedruckens farbundurchlässig sind. Natürlich geschieht dies heute alles maschinell, lediglich die Metallrahmen müssen von Hand eingesetzt werden, was eben kräftige Arme erfordert.

Geändert haben sich seit der Gründung der Bonner Fahnenfabrik vor 130 Jahren vor allem aber die Produkte. Natürlich gibt es weiterhin Bestellungen durch Burgherren oder Aufträge für Wappen einzelner Städte. Hauptbestandteil der jährlich zwei Millionen Quadratmeter bedruckten Stofffahnen sind aber Werbeträger aller Art, die von Kunden aus aller Welt bestellt werden.

Doris Pfaff (Bonner General-Anzeiger)

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