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Deutsche Katholische Blindenbücherei

Die Gründung der Blindenbücherei erfolgte im Jahre 1918 durch den Borromäusverein in Bonn, um den vielen Kriegsblinden Literatur in der Blindenschrift (Braille-Schrift) zugänglich zu machen. Initiator war Kardinal Bertram von Breslau. In der Zentrale des Borromäusvereins wurden Kurse zur Erlernung der Blindenschrift veranstaltet.

Die Blindenbücherei umfaßt ca. 2460 Titel, die Hörbücherei auf Kompakt-Kassetten ca. 2400 Titel zu Themen aller Lebensbereiche. Zusätzlich steht als Fernleihbücherei eine Großdruckbücherei für hochgradig Sehbehinderte zur Verfügung. Dafür werden in der Regel Taschenbücher auf die Größe DIN A 4 photokopiert. Aufgrund der hohen Versandkosten werden die Großdruckbücher in Blockausleihe zum größten Teil an Altenheime ausgeliehen.

Die Bücherei verfügt über zwei Tonstudios, gegliedert in einen Sprecher- und Regieraum. Hier werden zum größten Teil die Wortkassetten selbst produziert. Ferner gehören zu den Einrichtungen u.a.: das Mutterband-Magazin, mehrere Schnellkopieranlagen und die auf EDV gestützte Ausleihe. Die Kompakt-Kassetten werden in Spezialbehältern portofrei (für Hin- und Rücksendung) in der Bundesrepublik Deutschland, im deutschsprachigen Ausland, aber auch in die USA oder nach Israel verschickt, ca. 300 bis 350 Sendungen pro Tag. Zur Zeit leihen ungefähr 3200 Benutzer regelmäßig Kassetten aus, etwa 500 benutzen die Blindenschriftbücherei.

Die Blindenbücherei wird von einer Diplombibliothekarin geleitet, die in ihrer Arbeit von sechs Mitarbeitern unterstützt wird. Die Bücherei ist eine wichtige Einrichtung für blinde und sehbehinderte Menschen und kann aufgrund ihrer Konzeption, ihres Services und ihres auf die Belange der Behinderten zugeschnittenen Gebäudes als vorbildlich gelten.

1918 begann die Ausleihe. Es konnten 130 Bände zur Verfügung gestellt werden. Bis zum Jahre 1937 besaß die Blindenbücherei 1972 Bände. Da amerikanische Besatzungstruppen in der Punktschrift eine Geheimschrift vermuteten, wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges über die Hälfte des Bestandes vernichtet, und so mußte die Bücherei nach 1945 neu aufgebaut werden.

Anfang der 60er Jahre wurde aufgrund neuer technischer Möglichkeiten zusätzlich eine Hörbücherei errichtet. Wegen des stark gestiegenen Interesses am Angebot der Blindenbücherei stieß der Borromäusverein trotz Unterstützung von außen auf räumliche und finanzielle Grenzen. Im Jahr 1984 wurde die Bücherei durch das Deutsche Katholische Blindenwerk (DKBW) Düren als neuer Träger übernommen. Mitgesellschafter ist die Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe, Paderborn. Im September 1986 wurde das sehr gut ausgestattete Haus in der Graurheindorfer Straße bezogen.

Finanziert wird die Blindenbücherei auch durch private Spenden. Blinde, hochgradig Sehbehinderte und Menschen, die aus Krankheitsgründen lange Zeit ans Bett gefesselt sind, können (unabhängig von ihrer Konfession) kostenlos Bücher und Kassetten ausleihen.

Renate Schoene, in: Bonn-Nord - Die Wiege Bonns. Bonn 1997, S. 82.

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