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Dietkirche

Dietkirche

Das Dorf „Dietkirche“ lag ursprünglich in dem Gebiet, welches heute als Nordstadt bezeichnet wird. Das Zentrum des Ortes war die so genannte Dietkirche (= Volkskirche) welche um 795 erstmals schriftlich bezeugt wurde. Sie war nicht nur die erste Pfarrkirche im Bonner Raum, sondern gleichzeitig - dem Heiligen Petrus und Johannes geweiht - auch Taufkirche. Bei der Dietkirche, am Johannisbrunnen endete einst die römische Wasserleitung, die das für den Taufritus in Erinnerung an die Taufe Christi im Jordan notwendige fließende Wasser liefern konnte. Die Dietkirche stand im Südwesten des ehemaligen Römerlagers, zwischen Augustusring, Rosental, Graurheindorfer Straße und der Rheinpromenade.

Um 1010 entstand nahe der Kirche ein Kloster, das später in ein Stift ungewandelt wurde. Das Kloster Dietkirchen besaß das Recht, jährlich Bonns ältesten Jahrmarkt, den Johannesmarkt, abzuhalten. Er fand zwischen dem 23. (Vorabend des Festes zu Ehren Johannes des Täufers) und 29. Juni (Patronatsfest Heiliger Petrus) auf einem dreieckigen mit Weiden bewachsenen Platz an der heutigen Kreuzung Kölnstraße-Rosental-Am Johanneskreuz statt. Hier kreuzten sich mehrer Straßen mit dem Fahrweg zum Rhein, wo die Furt oder Fähre nach Schwarzrheindorf hinüber ging. Das Wahrzeichen des Johannesmarktes war das Johanneskreuz, das seitlich mit Figuren der Heiligen Maria und des Heiligen Johannes verziert war. Es befindet sich heute, stark verstümmelt, auf dem Gelände des Alten Friedhofes an der Bornheimer Straße.

1583 brannten Kloster und Kirche im Kölnischen Krieg nieder, wurden aber wieder aufgebaut. 1646 war die Kirche eine dreischiffige Basilika ohne Querhaus. 1673, im Holländischen Krieg, wurde das gesamte Stift Dietkirchen von der damaligen Garnison zerstört. Die Kirche wurde gesprengt, um freies Schussfeld zu haben, die anderen Gebäude wurden geplündert, verbrannt und niedergelegt. Das Stift wurde hinter die Stadtmauer verlegt. 1729 erhielt es eine neue Kirche an dem nach ihm benannten Stiftsplatz. Das Taufbecken der Dietkirche befindet sich noch heute in ihrer Nachfolgekirche, der Stiftskirche.

In einem kleinen Park an der Kreuzung Rosental-Drususstraße (Innenblock einer Wohnanlage) kann man die Grundmauern der Dietkirche besichtigen. Die bauliche Entwicklung der Kirche lässt sich an einem Schaubild erkennen, das an einer Hauswand an der Eingangsseite der Kirche angebracht ist.

Baedekers Bonn: Bonn - Das Handbuch für die Bundesstadt.

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