Straßen in Bonn-Castell

Graurheindorfer Straße

Graurheindorfer Straße
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Sie ist eine der ältesten Straßen unserer Stadt, war sie doch die Westgrenze des Castra Bonnensia. Dort waren die Familien der Legionäre angesiedelt. In nördlicher Richtung verläuft sie vom Rosental, die Nordstraße und den Augustusring überquerend, bis zur Friedrich-Ebert-Brücke. Bei der Gemeindeneuordnung stellte sich die Frage einer Umbenennung. Der unvergessene Heinz Wichterich, Mitbegründer des Ortsausschusses Bonn-Nord, machte den Vorschlag, sie in Graurheindorfer Straße umzubenennen.

Es war eine gute Lösung, und so heißt sie seit dem 1. Januar 1978, wobei die Historie erhalten blieb. Verbindet sie doch die Stadt mit dem alten Vorort Graurheindorf, der bis zur Eingemeindung Anfang des 20. Jahrhunderts selbständig war. Der Plan von 1896 weist zwischen Bonn und Graurheindorf außer der Provinzial-Heilanstalt, der Kaserne, dem Wilhelm-Augusta-Stift und dem Israelischen Friedhof nur Felder aus. Viele bedeutende Bauten liegen an dieser Straße.

Auf der Ostseite, gleich am Rosental, befand sich die Loë-Kavallerie-Kaserne mit Exerzierplatz, Ende der 60er Jahre fanden nach dem Abriss umfangreiche Ausgrabungen statt. Es war doch die Südwestecke des ehemaligen Lagers, wo die Wasserleitung das Lager erreichte. Auf dem Gelände entstand die heutige Bebauung Didincirica … benannt nach der Dietkirche, dem Dorf und Kloster Dietkirchen. Die Wohnanlage „Am Römerkastell“, 1950 erbaut, schließt sich an. Etwas weiter die Nordschule, 1903 eingeweiht, heißt heute „GHS Am Römerkastell“. Der danebenliegende Bolzplatz wurde 1984 angelegt. Vom Rosental bis zur Husarenkaserne befand sich der Reitweg, so angelegt, dass vier Reiter ihn nebeneinander nutzen konnten.

An der Ecke Augustusring steht das ehemalige Casino der „Königshusaren König Wilhelm I“, genannt die „Lehms op“. Eigentümer ist die Bundesvermögensverwaltung, die das ehemalige Casino als Wohnungen nutzt. Ecke Husarenstraße stand die Husarenkaserne, Abriss 1955. Nachdem Bonn Bundeshauptstadt geworden war, entstand das Bundesfinanzministerium, heute von verschiedenen Organisationen genutzt.

Aus der ehemaligen Düppel-Kaserne (benannt nach dem Dorf Düppel - 18.04.1864 Erstürmung der Düppeler Schanzen durch die Preußen) wurde das Bundesinnenministerium. Weiter nördlich befindet sich ein aus fünf Häusern bestehender Wohnblock aus der Kaiserzeit, der seit 1986 unter Denkmalschutz steht.

Auf der Westseite, gegenüber der Nordschule, steht ein 1900 erbautes Arbeiterwohnviertel, auch unter Denkmalschutz. Die St. Josephkirche und das Pfarrzentrum Ecke Kaiser-Karl-Ring und Graurheindorfer Straße wurde 1931 eingeweiht. Etwas weiter, auf dem Gelände der Kliniken, entstand die „Kaiser-Karl-Klinik“ … die 1996 eröffnet wurde.

Aus dem Haus für Hirnverletzte der Kliniken wurde das „Internationale Jugendforum“, das 1993 in Betrieb genommen wurde. … Aus dem ehemaligen Agnesstift, seit 1986 unter Denkmalschutz, wurde ein Seniorenheim, das im Sommer 2000 als „St. Agnes-Domizil“ eingeweiht wurde. So fand das schöne, repräsentative Haus ganz nach dem Wunsch der Schwestern eine neue Nutzung.

Die Katholische Blindenbücherei ist seit 1986 in Haus Nr. 151a untergebracht. Die Telekom übernahm die alte Wagenhalle, die - wie auch das Direktionsgebäude - nach langem Leerstand renoviert wurde. …

So ist die alte Rheindorfer Straße, aus der die Graurheindorfer Straße wurde, mit vielen interessanten Gebäuden besetzt.

Katharina Laaß, Rund ums Castell Nr. 25

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