Erinnerungen

Johannes Klais Orgelbau-Anstalt

Klais Bonn
Briefkopf der Firma, 1907

Im Jahre 1894 entstehen an der Cölner Chaussee 80, der heutigen Kölnstraße 148, die Orgelbauwerkstätten von Johannes Klais. Der Betrieb war bereits zwölf Jahre zuvor von dem aus Lüftelberg stammenden Johannes Klais (1852-1925) gegründet worden. Zunächst befand sich die Werkstatt in der Breite Straße 48. Infolge des zunehmenden Platzbedarfs erfolgte dann ein Umzug in die Breite Straße 82 und schließlich in die Kölnstraße 148, wo bis zum heutigen Tage Klais-Orgeln für Kirchen und Konzertsäle in aller Welt entstehen.

Von Firmengründer Johannes Klais wir berichtet, daß er ein sehr introvertierter, menschenscheuer Zeitgenosse gewesen sei, … . In Engers bei Neuwied ist der Orgelbauer Wilhelm Bertrand ansässig, ein entfernter Verwandter der Familie Klais, der 1861 seine Werkstatt noch in Lüftelberg hatte. Bei ihm tritt Johannes Klais seine Orgelbaulehre an. Doch nicht lange hält es der Lehrling in dieser Umgebung, von hier wechselt er nach Straßburg zu dem Orgelbaubetrieb von Heinrich Koulen, bei dem er bis zur Gründung seiner eigenen Werkstatt in Bonn beschäftigt bleibt.

Über das rasche Wachstum der jungen Werkstatt berichtet ein Artikel in der Zeitschrift für Instrumentenbau aus dem Jahre 1893:

„Johannes Klais gründet sein Geschäft in Bonn um Jahre 1882. Dank seinem restlosen Eifer und seiner unermüdlichen Schaffenskraft hat sich dasselbe von schwachen Anfängen zu einem bedeutenden und umfangreichen Etablissement entwickelt. Die Werkstätte ist mit allen Maschinen für Holz- und Metallarbeit ausgestattet und beschäftigt eine stattliche Anzahl von Arbeitern. Das Lob ihres Erbauers verkünden bereits gegen 70 Orgelwerke, die zumeist in Kirchen der Erzdiözese Köln aufgestellt sind.“

Den Briefkopf der Orgelbauanstalt mit Dampfbetrieb Johannes Klais Bonn am Rhein aus dem Jahre 1896 ziert bereits eine Darstellung des Wohn- und Werkstattgebäudes an der Kölnstraße 148. Bis auf Giebel und Dach, welche durch einen Bombenschaden 1941 vernichtet werden, entspricht das Gebäude an der Straßenfront noch heute in den Grundzügen dem Ursprungsgebäude.

In der Nacht des 8. April 1900 wird ein großer Teil der Werkstatt von einem Feuer zerstört. Am nächsten Morgen erfährt die Familie des Orgelbauers in Lüftelberg vom Unglück in Bonn. Die Geschwister eilen herbei und bieten ihrem Bruder Hilfe beim Wiederaufbau der zerstörten Werkstatt an, … .

Dieach dem Brand errichtete Konzeption der Werkstatt bildet noch heute die Grundlage für den Aufbau des Orgelbaubetriebes. Nicht in großräumigen Fertigungshallen entstehen in der Kölnstraße in Handarbeit die Qualitätsstücke, sondern in zahlreichen Einzelateliers, die jedoch dem Werdegang des Instrumentes folgend miteinander in Verbindung stehen, und deren Abfolge im großen Montagesaal an der Straßenfront zur Kölnstraße mündet, in dem die zahllosen Einzelteile zur kompletten Orgel zusammengesetzt werden.

Abweichend von der damaligen Praxis ist heute die Arbeitsteilung in großen Zügen durch Teamarbeit abgelöst worden. Unverändert ist weiterhin die Verbindung von Werkstatt und Wohnhaus. Seit vier Generationen lebt und arbeitet man in der Familie Klais unter einem Dach und hat allen Verlockungen der Auslagerung der Werkstatt in „Industrieparks“ oder des Umzugs „ins Grüne“ widerstanden.

Jede Orgel hat ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Gesicht, und zahlreiche Geschichten ranken sich jeweils um die Entstehung des einzelnen Instrumentes. Zu den besonderen Aufgaben der Werkstatt zählt auch das Restaurieren historischer Orgeln. So konnte in der Werkstatt Klais im Jahr 1975 beispielsweise die weltberühmte Bambusorgel aus Las Pinas restauriert werden.

Die Verbindung von Musik, Architektur, Liturgie, Technik und jahrhundertealten handwerklichen Traditionen üben die Faszination des Orgelbaus aus. Einblicke in dieses Stück Stadtgeschichte des Bonner Nordens vermitteln die in regelmäßigen Abständen stattfindenden Führungen durch die Werkstatt an der Kölnstraße. Auch im Bonner Norden gibt es eine Klais-Orgel in der evangelischen Lukaskirche (erbaut 1968). Drei Gehäusekörper bilden das Orgelgehäuse. Das Dekor besteht aus geknickten Zinnplatten und nimmt die vertikale Ausrichtung der Pfeifen auf.

Wohnen und Arbeiten unter einem Dach - Im Bonner Norden, Cölner Chaussee 80, fühlen wir uns seit vier Generationen sehr wohl.

Monica und Philipp Klais, in: Bonn-Nord - Die Wiege Bonns. Bonn 1997, S. 84ff.

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