Orte in Bonn-Castell

Rheinische Kliniken

Rheinische Landesklinik

Der Provinziallandtag beschließt 1865, in jedem der 5 Regierungsbezirke der Rheinprovinz eine „Heil- und Pflegeanstalt“ zu bauen. Für den Regierungsbezirk Köln wird Bonn als Standort für eine Anstalt ausgewählt.

1882
Am 21. Januar wird die „Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Bonn“ mit 300 Betten eröffnet (heute: Rheinische Kliniken Bonn). Schon im Mai des Jahres 1882 muß die Kapazität um 150 Betten erweitert werden, ohne daß zusätzliche Gebäude zur Verfügung gestellt werden. Zum 1. Direktor wird Werner Nasse (*1822 - †1889) ernannt.

1889
Prof. Dr. Carl Pelman (*1838 - †1916) leitet die Anstalt bis 1904, in einer Zeit, in der die Reformen des „Rheinischen Irrenwesens“ ganz allmählich Früchte tragen. Zwangsjacke, Zwangsstuhl und Zwangsbett gehören nicht mehr zum „therapeutischen Repertoire“. Jedoch gibt es noch um die Jahrhundertwende Abteilungen mit dunklen, zellenartigen Räumen.

1897
59 Krankenschwestern und -pfleger sind täglich 12 bis 16 Stunden für die Betreuung von 570 Kranken zuständig. Ein Großteil des Pflegepersonals schläft mit Patientinnen und Patienten in Sälen mit bis zu 30 Betten.

1905
Unter Alexander Westphal (von 1904 bis 1929 dritter Direktor) wird das Heiratsverbot und der „Ausgang“ für das Pflegepersonal gelockert. Schwestern und Pfleger erhalten eigene Schlafräume (4- bis 7-Betten-Räume). Im Oktober 1905 erfolgt die Gründung der „Königlichen Universitätsklinik für Psychische- und Nervenkranke“.

1908
Am 3. Oktober wird diese Klinik in einem Neubau auf dem Gelände der Provinzialanstalt bezogen. Durch Personalunion ist die Bonner Universitäts-Nervenklinik mit der Heil- und Pflegeanstalt verbunden (1908 bis 1948).

1919
Das „Hirnverletzten-Institut“ (HVI) wird der Provinzial-Anstalt angegliedert.

1926
Am 15. August wird die „Rheinische Provinzialkinderanstalt für seelisch Abnorme“ (heute: Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes-und Jugendalters). Erster Leiter der Kinderanstalt wird Prof. Dr. Otto Löwenstein (*1889 - †1965). Diese Einrichtung ist die erste deutsche psychiatrisch-neurologische Kinderklinik in Deutschland.

1933
Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten Ende Januar ist Leben und Existenz des Juden Prof. Otto Löwenstein, Leiter der Kinderanstalt, in Gefahr. Er muß mit seiner Familie ins Ausland fliehen. Ab dem 14. Juli ermöglicht das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ offiziell die Zwangssterilisation psychisch, geistig und körperlich Kranker.

1939-1944
Die „Euthanasie-Aktion“, d. h. die von den NS-Verantwortlichen planmäßig durchgeführte Massenvernichtungsaktion gegen psychisch kranke und körperlich behinderte Menschen, wird auch in Bonn durchgeführt: Hunderte Bonner Patientinnen und Patienten werden in Tötungsanstalten geschickt und sterben dort, weil sie von den NS-Verantwortlichen als sogenannte „Ballastexistenzen“ und „Rassenübel“ abgeurteilt werden. Die verantwortlichen Ärzte der Bonner Anstalt unterstützen aktiv die „Euthanasie“-Aktion.
Am 18. Oktober 1944 wird insbesondere die Kinderklinik durch einen Großangriff auf Bonn schwer beschädigt, unbewohnbar gemacht und die Kapelle der Kinderanstalt total zerstört. Die Verlegung der meisten Kinder in andere Gebäude ist unausweichlich.

1945
Nahrungsmangel und Personalnot versuchen Angestellte und Patienten durch enorme Mehrarbeit und Ausbau der anstaltseigenen landwirtschaftlichen Betriebe entgegenzutreten. Die Errichtung eines Neubaus für die Kinderpsychiatrie beginnt

1950
In den „Euthanasie“-Prozessen werden alle angeklagten Bonner Anstaltsärzte freigesprochen. Die Staatskasse zahlt an die Mediziner eine Entschädigung für die „erlittene“ Untersuchungshaft und Amtsenthebungen 1945. Es gibt somit keine Täter, nur Opfer. Angehörige von „Euthanasie“-Opfern, zwangssterilisierte Patienten und die durch die Rassegesetze verfolgten Personen erhalten dagegen keine Entschädigung.

1964
Im November wird von Prof. Otto Löwenstein eine Bronzebüste in der Landesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie enthüllt. Am 25. März 1965 stirbt Otto Löwenstein in New York.

1968
Die „Landesklinik für Sprachgestörte“ nimmt in einem freigewordenen Gebäudetrakt ihre Arbeit auf.

1970-1980
Die Reformbestrebungen in der Psychiatrie (Psychiatrie-Enquete) sind notwendige Antworten auf die bis dahin zum großen Teil unwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Kranken und Angestellten.
Mit der Eröffnung des Neubaus 1979, der „130-Millionen-Mark-Klinik“ und der Aufstockung von Arzt- und Pflegepersonal, kann die patientengerechte Therapie umgesetzt werden.
Ab 1978 heißt das Krankenhaus „Rheinische Landesklinik Bonn“ (RLK).

1980-1994
Die „gemeindenahe Psychiatrie“ wird als eine von vielen Forderungen der „Psychiatrie-Enquete“ wieder in den Vordergrund gerückt; die Sektorpsychiatrie und Eingliederung von Langzeit-Patienten in Familien werden durchgeführt.

1981
Aufbau der Psychiatiatriehistorischen Sammlung (PHS) auf dem Gelände der Klinik.
Beginn von Recherchen, Dokumenten- und Requisitensammlung, Veröffentlichungen und Ausstellungen über die Geschichte der Klinik.

1988
Neu- und Umbaumaßnahmen werden beschlossen. Die alten Anstalts-Gebäude werden unter Auflagen verkauft.

1992
Die „Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie“ und die „Abteilung für Sprachstörungen“ kann den Neubau beziehen.
Am 25. Juni 1993 wird dieses Haus offiziell eingeweiht und erhält im Rahmen eines Festaktes den Namen: „Prof. Otto Löwenstein-Haus“.

1997
Umbennung der Rheinischen Landesklinik Bonn in Rheinische Kliniken Bonn.
Durch diese Änderung soll deutlich gemacht werden, dass die Kliniken keine Landeseinrichtungen, sondern Einrichtungen der regionalen Selbstverwaltung im Rheinland sind.

2001
Im Dezember verabschiedet sich Prof. Tilo Held, der 21 Jahre als ärztlicher Leiter im Haus tätig ist und das psychiatrische Großkrankenhaus zu einem gemeindepsychiatrischen Dienstleister entwickelt. Das Schlüsselwort heißt „Sektorisierung“, also die Gliederung der Klinik in überschaubare Bereiche, die jeweils einer Versorgungsregion zuzuordnen sind. Die betreuten Wohnmöglichkeiten, Tagesstätten, die Familienpflege werden gestaltet und gefördert, ebenfalls klinikeigene Ambulanzen aufgebaut.

2012
Im Februar wird im Rahmen einer Feier nach fast anderthalbjähriger Bauzeit der so genannte Erweiterungsbau für die Kinder – und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (Haus 12) offiziell eröffnet.
Dezember: Die Klinik kann auf eine 130-jährige Geschichte zurückblicken. Zu diesem Anlass wird in Haus 15 eine neue Wechselausstellung zur Geschichte der Klinik gezeigt.

http://www.klinik-bonn.lvr.de/klinik/geschichte/

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