Erinnerungen

Römernixen

Getrübte Stimmung wegen des wolkenverhangenen Himmels? Nicht bei den Römernixen. Die quirligen alten Damen hält nichts davon ab, sich täglich im Römerbad zu treffen. Ende August feiern sie ihr 65-jähriges Jubiläum. „Wenn wir nicht im Wasser sind, klafen wir gerne bei einem Glas Sekt oder Bier“, erzählt Römernixe Irmel Zeilinger (64). Treffpunkt ist immer die Platane in der Südkurve der Wiese vor dem Römerbad. Dort sind täglich mindestens die Hälfte der Mitglieder der zwölfköpfigen Damenclique zu anzutreffen.

Kennengelernt hat sich die lebensfrohe Truppe teilweise über ihre Kinder, teilweise im Römerbad. „Wir haben oft gegenseitig babygesittet. Daraus entstanden enge Freundschaften“, sagt die 67 Jahre alte Ruth Bené.

Und die Freundschaften halten: Einige der Nixen kennen sich schon seit 20 Jahren. Traudel Krüger (73) verrät das Rezept für den Zusammenhalt: Hilfsbereitschaft und Frauen-Power. „Die Nixen sind immer für Überraschungen gut“, erzählt Mitbegründerin Gerda Güss. Eine Erinnerung: 1999 sprangen Traudel Krüger und Christel Müller in den Rhein, um bis zum Herseler Wehr zu schwimmen. „Am nächsten Morgen fand man dort einen Toten“, erinnert sich Güss. Was die beiden unternehmungslustigen Nixen schockierte: Schließlich hätte es auch sie treffen können.

Doch auch lustige Erlebnisse gibt es viele, so zum Beispiel Traudel Krügers Sprung vom Zehnmeterbrett. Am Ende jeder Badesaison springt Omi Traudel in die Tiefe.

Seit dem ersten Treffen der Nixen hat sich einiges verändert: die Wasserqualität etwa. 1939 tummelten sich die Nixen noch in echtem Rheinwasser. „Die Feuerwehr pumpte damals das Wasser aus dem Rhein direkt in das Schwimmbecken hinein“, sagt Schwimmeister Jörg Müller.

Mit ihren 64 Jahren ist Irmel Zeilinger das Nesthäkchen der Römernixen, ältestes Mitglied ist die 83-jährige Traudel Schmitz. In Sachen Fitness braucht sie sich aber nicht zu verstecken: „Sie schwimmt täglich 1000 Meter“, sagt Gerda Güss.

Güngör Öztürker (Bonner General-Anzeiger)

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