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Römischer Kran

Römischer Kran

Der Begriff „Pentapastos“ stammt aus dem Griechischen und bezeichnet einen Fünf-Rollen-Flaschenzug, der einst römischen Bauarbeitern gute Dienste geleistet haben dürfte. Eine Rekonstruktion dieses Baustellen-Geräts schenkte die Hürther Kranfirma Breuer der Stadt Bonn anlässlich der 2000-Jahr-Feier im Jahre 1989. Ursprünglich stand das Modell am Berliner Platz, wo es aber den Bauarbeiten weichen musste, als die Stadthaus-Loggia errichtet wurde. 1997 wurde der Kran schließlich in der Grünanlage Römerstraße/Ecke Augustusring wieder aufgebaut. Auf historischem Boden übrigens, denn in unmittelbarer Nachbarschaft befand sich der Hafen des römischen Legionslagers, wo das Originalgerät 2000 Jahre im Einsatz gewesen sein könnte.

Als Vorlage für die Reproduktion diente das Grabrelief einer römischen Bauindustriellenfamilie, auf dem ein solches Gerät teilweise zu sehen ist. Der Kran konnte vermutlich eine Last von sieben Tonnen heben und transportieren und seine Höhe von zehn Metern dürfte ausgereicht haben, die sieben Meter hohe Mauer des Legionslagers zu errichten. Eine sechsköpfige Mannschaft, ein Aufseher, ein Steuermann, zwei „Antreiber“ in einem fast vier Meter hohen Laufrad und zwei Bremser sorgten für umweltfreundlichen Betrieb.

Die Herstellung des damals 2.500 Mark teueren Nachbaus stellte sich als schwierig heraus, da es außer dem Relief keinerlei historischen Funde gab, an denen man sich hätte orientieren können. Der Archäologe Wolfgang Meighörner-Schardt und der Ingenieur Heinrich Blumenthal stellten zwei Jahre lang Konstruktionsüberlegungen an und tüftelten mit Modellen. Das letzte Wort hatte der TÜV, der schließlich seinen Segen gab, nachdem einige Konzessionen zugunsten der Sicherheit gemacht wurden.

Bonner General-Anzeiger, 16./17.08.2003

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