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Schänzchen

2011-08-02 Bonn Schaenzchen
© Sir James, Wikipedia

Im Jahre 1244 wurde mit dem Bau einer neuen Bonner Stadtmauer begonnen. Diese Mauer wurde am Rhein in Höhe der Theaterstraße mit einem Turm versehen. Hier lagen bei der Belagerung Bonns im Kölnischen Krieg (Truchsessischen Krieg) 1583/84 Belagerungstruppen. Um zu verhindern, daß diese mit Nachschub versorgt wurden, wurde im November 1583 am südöstlichen Eckpunkt des ehemaligen Römerlagers eine aus einem Erdgraben bestehende Verteidigungslinie ausgehoben, eine Schanze. Der Volksmund leitete hieraus den Namen „Schänzchen“ ab. Im 19. Jahrhundert befand sich hier eine Gaststätte, die vor allem bei Studenten beliebt war. Sie diente u.a. der im Jahr 1843 gegründeten Burschenschaft „Fridericia“ als Treffpunkt.

Einer der studentischen Burschen der Fridericia war der Liederkomponist Justus Wilhelm Lyra (1822-82), ein anderer Emmanuel Geibel (1815-84). Geibel hatte die Verse „Der Mai ist gekommen/ die Bäume schlagen aus/ …“ gedichtet. 1842 komponierte Justus Lyra die Melodie zu diesen Versen. Das Mailied wurde schnell ein bekanntes Volkslied. Eine Büste des Komponisten Lyra befindet sich in der Terrassenmauer des „Schänzchens“ Ecke Rosental/Leinpfad. Darunter erinnert eine Gedenktafel an das römische Legionslager.

1884 erwarb die Burschenschaft Alemannia das Schänzchen. Es ist heute wieder eine beliebte Gastwirtschaft an der Rheinpromenade und sollte es auch bleiben!

Ruthild Stein, in: Bonn-Nord - Die Wiege Bonns. Bonn 1997, S. 26f.

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