Unterwegs in Brandenburg

Durch die Märkische Schweiz und den Oderbruch

Bad Freienwalde - Strausberg

Etappe 4: 63,8 km

Schiffshebewerk in Niederfinow
Schiffshebewerk in Niederfinow

Es regnete nicht, war aber recht kühl, als wir zur letzten Etappe durch das Märkische Oderland aufbrachen.

Der Weg führte anfangs durch das Naturschutzgebiet Neuenhagen. Wir fuhren durch einen dichten Buchenwald und überquerten hinter Bralitz, dem Geburtsort Erwin Wickerts, einen alten Oderarm. Über den Lieper See erreichten wir ein beeindruckendes Metallbauwerk, das Schiffshebewerk am östlichen Ende des Oder-Havel-Kanals in Niederfinow. Laut Wikipedia ist das 60 m hohe Industriedenkmal, neben dem ein neues Hebewerk entsteht, das älteste noch arbeitende Hebewerk in Deutschland.

Über Falkenberg hinaus erwarteten uns auf dem Barnim einige Anstiege auf Kämme, einsam wie gewohnt, über die ein kalter und heftiger Wind wehte. Wir folgten kleidungstechnisch wieder dem Zwiebelsystem und kauften in einem Tante-Emma-Laden in Bliesdorf geschmacksneutrale Frikadellen, die wir in einer vor dem Wind schützenden Bushaltestelle aßen.

Über kaum befahrene Straßen und Wege radelten wir weiter nach Reichenow-Möglin zum sogenannten Schloss, einem Herrenhaus am See, dessen Park zwar eine Informationstafel zur Parkordnung, aber keinerlei Informationen zum Bau selbst aufwies. Durch den waldigen Oberbarnim führte uns die Route nach Prädikow, wo wir uns eine mittelalterliche Dorfkirche anschauten, über die Fontane schrieb:

Diese Kirche gehört jenen einfach malerischen Feldsteinbauten an, denen man, aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert her, so häufig in unseren Marken begegnet.

Kurz hinter dem hübschen Dorf geschah etwas schier Unglaubliches.

Nicht dass wir dem Teufel begegneten, über dessen Erscheinen Theodor Fontane im Kapitel über Prädikow eine Sage nacherzählt. Weit entfernt davon. Wir radelten, durchaus anstrengend, die „Prädikowschen Waldungen” hoch, als wir einem vollbärtigen, kurzbehosten Radfahrer begegneten, mit dem wir ein Schwätzchen hielten, was auf dieser Tour mangels Begegnungen einzigartig war.

BB und Herr K.
BB und Herr K.

Wir unterhielten uns über die kargen Tourismus-Ideen der Brandenburger, Radtouren, die wenig aufgeschlossenen Landsleute des Prädikowers und über dies und jenes. Lustigerweise hatte der Radfahrer ein Stethoskop dabei, mit dem er uns abhörte und gesundes Herzen konstatierte, die im gleichen Takt schlügen. Was gibt es Schöneres?
Zufrieden verabschiedeten wir uns und ließen die Diagnose so stehen.

Nach gut 60 km erreichten wir den S-Bahnhof Strausberg-Nord, wo schon eine Bahn der Linie 5 stand, und zwei Minuten später nach Berlin abfuhr. Mit uns darinnen selbstverständlich, denn auf uns warteten nicht nur unsere Lieben, sondern auch ein wunderschönes Konzert im Französischen Dom mit Werken von Grieg, Bach und Vivaldi. Außerdem stand ein Treffen mit BB an!

Unsere Fontane-Tour war zu Ende.

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