Unterwegs in Brandenburg

Durch die Märkische Schweiz und den Oderbruch

Küstrin - Bad Freienwalde

Birnen pflastern unsern Weg
Birnen pflastern unsern Weg

Etappe 3: 82,5 km

Am nächsten Morgen kamen wir kurz nach 8 Uhr an die Reste des Frühstücksbüfetts, das schon beträchtlich geplündert worden war. Der Kaffee war leider ungenießbar, der Rest annehmbar. Es nieselte ein wenig, als wir unsere Etappe starteten, aber das war im Vergleich zu gestern gut zu ertragen.

Eine Baustelle auf dem Oderweg mussten wir durchs Unterholz schiebend umgehen, bevor wir uns in Neubleyen von der Oder abwandten und nach Altbleyen radelten, wo wir in einer Bäckerei den Kaffeegenuss nachholten. Durch das Küstriner Vorland setzen wir die Fahrt über ausgesprochen leere Straßen fort, passierten eine von zahlreichen Birnbäumen gesäumte Allee und erreichten schließlich Golzow, dem „Ort der ‚Kinder von Golzow’”, wie es auf dem Ortseingangsschild heißt.

Golzow zählt zu dem Teil des Oderbruchs, der als Niederbruch bezeichnet wird. Der Ort wird im zweiten Teil der »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« erwähnt. Im vierten Kapitel über „Die Kolonisierung und die Kolonisten” heißt es:

Die umfangreichen Arbeiten, die unter Friedrich dem Großen von 1746 bis 1753 ausgeführt wurden, kamen dem gesamten Oderbruche zustatten; in besonderem Maße aber doch nur dem nördlichen Teile desselben, dem Niederbruch. Dies war auch Zweck. Das Oderbruch zwischen Frankfurt und Küstrin war längst unter Kultur; das sumpfige Niederbruch, zwischen Küstrin und Freienwalde, war der Kultur erst zu erobern.
Diese Eroberung des Niederbruchs, mit dem wir uns auch hier wieder ausschließlich beschäftigen, geschah, wie ich schon in dem Kapitel »Die Verwallung« gezeigt habe, a) durch das neue Oderbett, b) durch die Eindeichung, c) durch Abzugskanäle.

In Letschin
Zum alten Fritz

Der Weg führte zunächst an einem der alten Oderarme vorbei und weiter nach Zechin und Buschdorf, in dessen Umkreis im 18. Jahrhundert Spinnerdörfer gegeben hatte. Ein Spinnrad ist auf dem Wappen Buschdorfs abgebildet. Heute prägen landwirtschaftliche Nutzflächen das Bild. Von der Hauptstraße abbiegend folgten wir dem Letschiner Hauptgraben, kamen über Kopfsteinpflaster an einer alten Holzkirche vorbei und erreichten nach einigen Kilometern einen von tiefen Pfützen durchzogenen Feldweg, der in einen Ackerweg überging. Und hier hielten wir an. Matschiges Terrain, dicke Ackerkrumen, die ein Fortkommen erschwerten und dunkle Wolken veranlassten uns, zur Hauptstraße zurückzukehren und den asphaltierten Weg nach Letschin, dem Geburtsort Fontanes zu wählen.

Vor dem Gasthof Zum alten Fritz, leider geschlossen, und en face einer Statue Friedrich II. setzten wir uns auf eine Bank, rasteten und ließen den Ort auf uns wirken. Letschin, das war Tschechin, der Gasthof Vorbild für jenen von Abel Hradschek, dem mörderischen Dorfwirt aus Fontanes Novelle »Unterm Birnbaum«.

Zur Statue ist bei Wikipedia zu lesen:

1905 errichtete die Gemeinde für König Friedrich II. von Preußen als Dank für die von ihm veranlasste Trockenlegung des Oderbruchs ein Denkmal nach einem Entwurf von Hans Weddo von Glümer. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Standbild von Bewohnern Letschins vor dem Einschmelzen gerettet und eingelagert. 1990 wurde es wieder aufgestellt.

Fontanes Geburtshaus
Fontanes Geburtshaus

Auf nach wie vor leerer Straße radelten wir an der evangelischen Kirche mit ihrem Schinkel-Turm und der nur wenige Meter davon entfernten Apotheke, dem Geburtshaus Theodor Fontanes, vorbei, die von dessen Vater geführt wurde.

Gegen starken Wind führte uns der Track nach Kienitz, einem ehemaligen Fischerdorf, wo wir wieder auf den Oderradweg trafen und uns an der alten Hafenmühle, an der, wiewohl wochentags geschlossen, erfreulicherweise Tische und Stühle standen,für die weitere Fahrt stärkten. Ein Kätzchen konnte von unseren polnischen Würstchen gar nicht genug bekommen.

Es ging weiter. Herbstlicher Landschaftszauber, dunstige Wiesen am breiten Strom, der Gleichförmigkeit wohnt genug stimmungsvolle Abwechslung inne, so dass die knapp 35 km an der Oder Vergnügen bereiteten, zumal der Radweg erstklassig ist. Das fanden wohl auch drei Rehe, die erst kurz, bevor wir sie erreichten, ins Unterholz sprangen. Nun ja, so leer wie die Straßen war auch der Oderradweg.

In einem kleinen Café in Zollbrücke gab es Kuchen und Kaffee. Kurz vor Hohenwutzen bog der Track dann nach Bad Freienwalde ab, exakt an der Stelle, wo wir vor einigen Jahren, aus Danzig kommend, ebenfalls abgebogen waren. Wege und Schicksale fügten sich.

Die Wege blieben gut. Zwischen der Wriezener Alten Oder im Süden und der Oderinsel Neuenhagen im Norden, einem Hochland, das bis zu 90 m über dem Oderbruch ragt und heute Naturschutzgebiet ist, erreichten wir rund 8 km später, leider hatte der Regen wieder eingesetzt, das Hotel Lender in Bad Freienwalde.

Übernachtung

  • Hotel Lender

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