Unterwegs in Brandenburg

Durch die Märkische Schweiz und den Oderbruch

Seelow - Küstrin

Etappe 2: 40,5 km

Auf dem Oderdamm
Auf dem Oderdamm

In Reitwein, am Südrand des Oderbruches, verloren wir die Orientierung, als wir nach einer Tafel mit Fontane-Informationen suchten. Wir stellten uns an einer Bushaltestelle unter und bemühten das Tablet - kein Netz! Das Garmin half in diesem tristen Moment auch nicht wirklich. Wäre doch nur jemand auf der Straße gewesen. Wie in den Orten vorher - es gab niemanden, es gab kein geöffnetes Lokal, ein Geschäft war nicht zu entdecken, eine sehr alte Frau, die uns an einem Spielplatz begegnete und so staunend wie wortlos musterte, mochten wir nicht fragen. Spooky, possums!

Und was hatte unser Tournamensgeber mit Reitwein zu tun? Hier, genauer im fiktiven Dorf Hohen-Vietz, verortete Theodor Fontane, der Reitwein um 1860 besucht hatte, die Haupthandlung seines Buches „Vor dem Sturm“, das von der Zeit der Befreiungskriege gegen die napoleonische Fremdherrschaft erzählt. Übrigens beansprucht auch Friedersdorf, nahe bei Seelow gelegen, dieser fiktive Handlungsort zu sein.

Wie dem auch sei, wir fanden den Weg aus Reitwein zur Oder hinaus und sorgten mit Nüssen, Rosinen und anderen nahrhaften Dingen für die innere Wärme, die wir benötigten, um auf dem für Radler traumhaften Oderweg Regen und Kälte zu ertragen.

Vorbei an Küstrin-Kietz überquerten wir die Oderinsel und fuhren über eine weitere Brücke in das seit 1945 zu Polen gehörende Kostrzyn nad Odrą. Die Küstriner Altstadt besteht zum überwiegenden Teil aus Bastionen und Toren der alten Festung. Einige Infotafeln am Berliner Tor klären über die wechselvollen Zeitläufte auf, und an dieser Stelle ist selbstverständlich wieder einmal Fontane zu nennen, der die Katte-Tragödie im Zusammenhang mit Küstrin erzählt.

Unserem Tourenplan zufolge wären wir jetzt noch weitere 40 km durchs polnische Oderland nördlich Küstrins gefahren, aber, da wir pudelnass waren und erbärmlich froren, quartierten wir uns im Hotel Bastion ein. Die Zimmerwärme tat gut. Spätnachmittags unternahmen wir einen Ausflug über die Warthe, die hier in die Oder mündet, und kauften ein. Gerade hatten wir im Zimmer einen Chardonnay geöffnet, da ertönte Feueralarm. Wir schnappten unsere Siebensachen und verließen das Hotelgebäude. Eine Viertelstunde später war die Ursache gefunden (natürlich wieder ein Raucher), und wir verlebten eine lange und ruhige Nacht.

Übernachtung

  • Hotel Bastion

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