Unterwegs in Brandenburg

Durch die Märkische Schweiz und den Oderbruch

Strausberg - Seelow

Etappe 1: 90,3 km

Feldsteinkirche in Garzau
Feldsteinkirche in Garzau

Der Gasthof Strausberg Nord befindet sich direkt an der S-Bahn Haltestelle. Die Fahrtzeit dauerte fast genau eine Stunde, und nach dem Abendessen im Restaurant waren wir pappsatt und todmüde, weil wir auch die Autofahrt von Bonn nach Berlin in den Knochen hatten und seit 6 Uhr früh auf den Beinen waren.

Kalt war es am anderen Morgen, das Frühstück war in Ordnung (bis auf den Kaffee), und nach einem Einkauf bei Aldi fuhren wir los in Richtung Strausberger See, und anschließend über Rehfelde, an den schönen Feldsteinkirchen in Garzau und Garzin vorbei, beide aus dem 13. Jahrhundert, nach Buckow, dem seinerzeitigen „Aschenputtel”, wie es Fontane genannt hatte, dem er zwar „ländliche Schönheit” attestierte, von seinen Straßen und der Ansiedlung aber so gar nicht begeistert war.

In Wikipedia liest man zu Buckow:

Europäische Hilfen - nicht selten zu sehen
Europäische Hilfen - nicht selten zu sehen

Fast jede Buckower Familie richtete ein Gästezimmer ein. Poeten, Maler, Musiker – die Märkische Schweiz zog viele an. Der „rasende Reporter“ Egon Erwin Kisch schlug hier seine Sommerzelte auf, ebenso wie der Fotomonteur und Grafiker John Heartfield. Bertolt Brecht und Helene Weigel zog es in den 1950er Jahren nach Buckow. Sie hatten hier ab 1952 ein Sommerhaus (Brecht-Weigel-Haus) auf einem Grundstück am Schermützelsee. Hier arbeitete der Dramatiker an Inszenierungen wie Katzgraben, Turandot und Coriolan. Ebenso entstand hier die Lyriksammlung Buckower Elegien, die noch lange nach Brechts Tod 1956 in der DDR kulturpolitische Erschütterungen auslöste. Auch nach dem Tode Brechts lebte und arbeitete Helene Weigel hier in den Sommermonaten.

Landschaftsradeln, die Fahrradwege waren gut, es ging durch Kiefernwälder auf dem R1, dessen Ausbau mit Europageld mitfinanziert wurde. Buckow ist ein Ort, an dem man glaubt, der alte Ribbeck würde heraustreten und fragen: Wiste ne Beer?" Malerisch, und so ruhig. Hier könnte man die Kulissen für Filme über die ersten zwei Jahrzehnte des vergangenen Saeculums drehen.

Im Gasthof Zur Linde genossen wir Käsekuchen und Capuccino sowie die sparsamen Strahlen der Herbstsonne. Am See vorbei ging es weiter nach Wulkow und Neuhardenberg. Die Landschaft war beruhigend, waldreich, gute Wege und immer wieder diese wunderschönen Seen. Bis Altfriedland mit einem Zisterzienserkloster, von denen es hier im Märkischen Oderkreis einige gibt, war es oft idyllisch, wozu selbstverständlich und notwendig auch die Abgeschiedenheit zählt.

Die nächsten rund 25 bis 30 km fielen dagegen ab. Verdorrte Maisfelder, riesige abgeerntete Getreidefelder, das war wenig Stoff für Seele und Geist.

Wieder von Neuhardenberg aus, also einmal um den Pudding gefahren, ging es auf dem Radweg neben der Landstraße Richtung Frankfurt/Oder nach Seelow und bis zum Waldhotel, in dem einige Wasserspiele warteten.

Die Räder konnten wir in einer verschließbaren Garage verstauen, und die freundliche Dame an der Rezeption führte uns anschließend zu einem Zimmer im Erdgeschoss. Das Badezimmer hatte Miniatur-Ausmaße. Während des Duschens füllte sich die Duschwanne beträchtlich, der Abfluss war offenbar verstopft. Auf dem Weg zum Speisesaal informierten wir das Personal und widmeten uns anschießend dem Essen, das akzeptabel war, auch wenn die Zigeunersuppe und die spätere Zigeunersauce annähernd die gleiche Konsistenz aufwiesen. Uns wurde schließlich ein neues Zimmer zugeiwiesen, bei dem der Abfluss ebenfalls nicht funktionierte. Kurze Zeit später erwies sich, dass alle Zimmer im Erdgeschoss Abflussprobleme hatten. So wies man uns ein Zimmer im ersten Stock zu, das einzige, was noch frei sei, wie man erklärte. Und siehe da: dort wartete ein Doppelbett, wie wir es laut Reservierung erhalten sollten, und das Badezimmer hatte normale Ausmaße. Hatte man uns etwa aufgrund der Booking.com-Reservierung das billigere Zimmer zugewiesen? Den Eindruck hatten wir jedenfalls, denn wir waren im Erdgeschoss die einzigen Gäste, alle anderen hatten Zimmer im oberen Stock bezogen. Das gefiel uns gar nicht.

Der Hotelbesitzer war ein Mensch jenes Schlages, den man nicht mehr als Gastgeber erleben möchte. Die gespielte Generosität, die bräsige Selbstgefälligkeit, nein, das will man nicht haben. Nie wieder das Waldhotel in Seelow.

Übernachtung

  • Waldhotel Seelow
    nie wieder

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