Danzig - Krakau: 1.500 km durch Polen

Bartenstein - Martiany

Etappe 7: 68,48 km

Der Straßenbau boomt
Der Straßenbau boomt

Das Frühstücksmenü war in Ordnung, und wir starteten zeitig. Es war Samstag, die Lebensmittelgeschäfte waren gut gefüllt und trotz der scheußlichen Kniewunde wollte heute niemand Ute ins Spital fahren.

Die ersten drei, vier Kilometer waren gut zu fahren. In vielen polnischen Städten führen breite rotgefärbte Radwege in die Städte hinein bzw. aus ihnen heraus, und die Radwegführung an Kreisverkehren ist vorbildlich. Radler werden sehr oft auf eigenen Wegen um die Kreise herumgeführt.

Dann ging es vor dem Kinkajmskie-See von der DW 592 ins Abenteuer „Polnische Wege‟, zunächst kilometerlang auf kleinster Spur neben einer Natursteinpiste, schließlich kilometerlang auf Sträßchen, auf denen der Asphalt den Kampf gegen die Löcher bereits aufgegeben hatte. Als der Track uns schließlich über eine Sandpiste auf Kornfelder zu führen anschickte, zogen wir die Reißleine, befragten Google, was wegen der schlechten Verbindung zum Internet einige Zeit beanspruchte, und entschieden uns, wieder auf die DW 592 zu wechseln.

Wasserturm von Rastenburg
Wasserturm von Rastenburg

Vorher mussten wir nur noch eine Stelle meistern, an der die Brücke eingestürzt war, so dass wir über eine behelfsmäßige Pontonbrücke übersetzen musste. Ein freundlicher Bauarbeiter trug Utes Rad ans andere Ufer.

Bald fuhren wir auf angenehmem Belag mit schnellen, aber stets respektvollen Fahrern ein ordentliches Tempo, nur unterbrochen von Haribo- und Nusspausen.

In Rastenburg (Kętrzyn) stärkten wir uns mit Kuchen und Kaffee und planten den Weg zu unserer Unterkunft, da hier alles ausgebucht war. Das lag möglicherweise an Veranstaltungen in Rastenburg, hatte doch 76 Jahre zuvor Hitler den Befehl zum Angriff auf die Sowjetunion gegeben und lag die Wolfsschanze, eines der sogenannten Führerhauptquartiere, in der Stauffenbergs Attentat vor fast genau 73 Jahren leider gescheitert war, nur 8 km entfernt.
Einige Bikergruppen, oft mit Runenzeichen auf ihren ledernen Jacken, befuhren die Straßen.

Wir hatten eine Unterkunft in Martiany gefunden. Die letzten 400m dorthin waren leider sehr sandig. Wir mussten schieben, wurden von Mücken geplagt und hatten zunächst den falschen Waldweg gewählt - hier irrte Google Maps. Der Mann der Vermieterin, der uns freundlich empfing, fand die Wege übrigens in Ordnung, begriff aber erst das Problem, als wir ihm sagten, wir seien ausschließlich auf dem Rad unterwegs. Heiterkeit kam auf, als die Besitzerin fragte: “You have no luggage?” Na ja, jeder von uns hatte schließlich zwei Taschen am Rad, die Koffer hatten wir vergessen.

Das Hotel war ein großer Hof mit vielen Nebengebäuden und einer großen Wiese, umschlossen von Birkenwäldchen. Wir duschten, aßen Suppe und Frikadellen mit Kartoffelpüree, ließen uns von Katzen umgarnen - oder war es umgekehrt? - und überstanden das Mitteilungsbedürfnis eines gut englisch sprechenden Polen, der es auf uns abgesehen hatte, um in fünf Sätzen seine Interessen, berufliche Karriere und Lebensgeschichte unterzubringen. Dass auch Schäfchen zum Entzücken einiger Gäste mit der Milchflasche gefüttert wurden, gehörte zum drolligen Ausgang des schönen Abends.

Übernachtung

  • Martiany 21
    114,00 EUR mit Frühstück

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