Danzig - Krakau: 1.500 km durch Polen

Terespol - Okuninka

Etappe 16: 68,72 km

Kodeń
Kodeń

Im Vergleich zum Abendessen war das Frühstück mittelprächtig, so dass wir durchaus noch Platz im Magen hatten, als wir das Hotel an der Grenze zu Weißrussland verließen. Ein Ausflug nach Brest verlockte ja schon, aber die EU-Außengrenze hätten wir nur mit einem Pass überqueren können. Den müssen wir erst noch beantragen.

Schlimmer geht nimmer? Schlimmer geht immer, sagt der Radfahrer, den ja bekanntlich stets etwas stört - zu steil, zu viel Gegenwind, zu schlechte Wege! Was war es diesmal? Es war noch heißer als gestern, die Straße war holprig, die Landschaft eintönig. Die Hoffnung auf Sandwiches und Kaffee verschwand, da es kaum Tankstellen gab. Wenn, dann bevorrateten sie meist gekühlten Alkohol.

Erst kurz vor Mittag wurde die Landschaft weniger platt und somit interessanter. In Kodeń, einem kleinen Dorf mit drei Kirchen aus unterschiedlichen Stilepochen, einem Schlösschen und einer Mutter-Gottes-Ikone, das einige Reisebusse aus Weißrussland zu Besuch hatte, trafen wir einen Radler aus Łódź, der den kompletten Green Velo radeln wollte, und pausierten an einem Rastplatz, um Pfirsiche und Nüsse zu essen. Immer wieder mussten wir Trinkpausen einlegen.
In Włodawa, an der Grenze zu Weißrussland und der Ukraine, mobilisierten wir Google Maps und befestigten das Smartphone mit einer Kunststoffschlaufe am Lenker. Die gute Nachricht - Google Maps wies uns zuverlässig den Weg nach Okuninka, die schlechte, die Befestigung wippte wie ein Flip-Flop am ungeduldigen Fuß,  so dass die vorgeschlagene Route schlecht zu erkennen war.

Bei der Einfahrt nach Okuninka fühlten wir uns an die Ostseeküste erinnert, zahllose halbnackte Menschen schlurften und schlappten über die Straße. Die Einfahrt zum Hotel am See Białe gelang uns trotz der visuellen Reize.

Im englischen Wikipedia ist zu lesen:

The village has a population of only 399, but serves as a host of accommodation services to vast yet specific groups of tourists dispatched mainly from Lublin, including water-resort explorers, environmentalists, and families.

Delikatessensklep
Delikatessensklep

Beim Einchecken verlangten die jungen Damen an der Rezeption tatsächlich Parkplatzgebühren für zwei Räder und meinten, wir dürften sie ja schließlich auf die (für Autos) markierten Parkplätze stellen. Mag sich jemand vorstellen, wie Autofahrer reagieren, wenn sie auf der Suche nach Parkraum ein Rad auf einem Autostellplatz sehen? Miesnitzdörfer & Jenssen fiel einem nach der Diskussion nur noch ein. Als wir später am Tag das Hotel verließen, saß ein älterer Mann an der Rezeption, dem wir verkündeten, dass wir die Räder aufs Zimmer stellen würden. Kein Problem, meinte er und freute sich, seine Deutschkenntnisse beweisen zu können. Damit war das auch geklärt, und wir konnten die Räder vom Regenrohr lösen. Fazit: Gebühren für Räder auf Parkflächen sind ja so etwas von sinnfrei …

Das Abendessen nahmen wir in einem kleinen Lokal an der Strandpromenade ein. Stilecht stand diesmal Schweinefilet auf dem Programm. Dazu gab es eisgekühlten Chardonnay. Der jungen Bedienung mussten wir vorher noch die Funktionsweise eines Korkenziehers samt Hebel demonstrieren. Die nächste Flasche konnte sie fast eigenhändig öffnen. Das Essen war gut.

Das Zimmer war nicht klimatisiert, und den Ventilator ließen wir die ganze stickige Nacht laufen, nachdem wir eine Geburtstagskarte für unser Küken, das morgen in Wien ihren Geburtstag erleben würde, ausgewählt hatten. Tobias Knopp ist auch mal wieder einen Blick wert.

Einszweidrei! im Sauseschritt
Läuft die Zeit; wir laufen mit.

Übernachtung

  • Hotel Biały Dwór
    53,00 EUR ohne Frühstück

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