Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Durrës - Fier (Tag 16)

20.07.2014: 81,53 km

Negativ: Die Klimaanlage hatte einen Höllenlärm veranstaltet, was in Verbindung mit den zwei nächtlichen Feuerwerken schlafstörend war.
Positiv: Zu unserer Überraschung war das Frühstück im Preis inbegriffen.

Park in Fier
Männergruppe im Park von Fier - im Hintergrund die Frauengruppe

Wir stockten unsere Vorräte im Carrefour (bisher einziger ausländischer Supermarkt in Albanien) auf und machten uns auf den Weg nach Fier. Alle Lokale und Geschäfte waren geöffnet - es war Sonntag -, alle schienen zu arbeiten, vor allem die Müllsortierer und -sammler, diesmal vorwiegend Roma. Viele Mülltonnen haben keine Räder, sie brauchen ja auch nicht transportiert zu werden, weil die Sammler sie meist kunstgerecht entleeren. Die Anzahl der Schrottplätze ist unglaublich groß.

Auf der Fahrt hinaus sahen wir eine Romafamilie, die unmittelbar neben dem Bahngleis ihre Schlafplätze hatte, dort auch eine Ziegenherde hütete und Abfall von den Gleisen sammelte. An einem Kreisverkehr herrschte ein kleineres Baustellenchaos, die Fahrbahnen hatten sich in Steppenlandschaften mit riesigen Pfützen verwandelt, und jeder versuchte bestmöglich voranzukommen, uns eingeschlossen, die wir mit der Laisser-faire-Haltung der albanischen Autofahrer rechnen durften.

Wir fuhren auf einer zweispurigen Schnellstraße hinaus, neben uns die einspurige Landstraße, auf der es andauernd zu Stockungen kam, weil man von dort aus an die Strände kam. Offenbar war nicht überall ein normaler Arbeitstag. Irgenwann wurde aus der Schnellstraße plötzlich eine Autobahn - ein Déjà-vu-Erlebnis in Albanien. Wir konnten nicht auf die Landstraße wechseln, weil sie schlicht zu existieren aufgehört hatte.

Allerdings nickten Polizisten uns auch diesmal freundlich zu, kein Autofahrer schien echauffiert, und ab und an kamen uns auch auf der Autobahn Mofa- und Fahrradfahrer auf der falschen Seite entgegen. Auch an den Tankstellen, die wir gelegentlich aufsuchten, um uns kalte Getränke zu kaufen, war man nicht aufgeregt. Also fuhren wir auf dem sehr breiten Randstreifen weiter. Die Autobahn hörte nach 20, 30 km genauso plötzlich auf, wie sie angefangen hatte.

Es war heute eine reine Flachetappe, klar, denn Fier, eine recht junge Stadt, liegt in der Myzeqe-Ebene, dem bedeutendsten landwirtschaftlichen Anbaugebiet des Landes. Landschaftlich war die Etappe nicht besonders reizvoll und nur anstrengend, weil es recht schwül war. In Fier ging es ein wenig aufwärts, aber alles recht gemächlich.

Das Vier-Sterne-Hotel Fieri fanden wir auf Anhieb - wir entwickelten uns offenbar zu Profiradlern. Die Fahrräder wurden von einem Hotelangestellten in einen Fahrradkeller gebracht. Nach der üblichen Prozedur gingen wir auf der Hauptstraße einige Meter zurück und ließen uns im Park in einer Pizzeria nieder. Dort aßen und tranken wir und ließen den Tag ausklingen.

Auf den ersten Blick machte Fier einen saubereren, gepflegteren Eindruck als andere Städte - keine Betonklötze -, vielleicht auch nur infolge des schönen, schattigen Parks, in dem die älteren Herren Schach, Domino u.a. spielten, während die älteren Damen auf den Bänken vermutlich die neuesten Nachrichten austauschten. Hier war der Sonntag offenbar ein Ruhetag, fast alle Geschäfte waren geschlossen, und wir erkannten in diesem kleinen Ausschnitt kaum einen Unterschied zum Sonntag im mittleren Teil Europas. Es war recht still, man traf und unterhielt sich, laut wurde es nur, als offenbar eine kleine Familienfehde ausgefochten wurde. Aber man beruhigte sich auch wieder, die geworfenen Stühle wurden aufgestellt, man schied friedlich voneinander - der Tag ging zu Ende.

Übernachtung

  • Hotel Fieri
  • 70 Euro mit Frühstück
    erstklassiges Hotel, prima Service, jederzeit wieder

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