Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Herceg Novi - Kotor (Tag 11)

15.07.2014: 45,14 km

Gestern Abend hatten wir uns bei der Rückkehr zum Apartment noch monumentale Kirschblätterteigtaschen in einer Pekarna gekauft. Die frühstückten wir heute. Die Kalorien waren recht schnell verbraucht, denn es ging zunächst steil hinauf bis zur Küstenstraße, die anfangs hügelig war, dann jedoch allmählich auf Meereshöhe blieb.

Es gab kaum Strände, statt dessen eine große Anzahl von Plattformen, die als Liegemöglichkeiten dienten. Die Orte machten oft einen vernachlässigten Eindruck. Vielleicht war das Touristenaufkommen hier nicht so groß? Sehenswert waren wie so oft die beinahe 1.000 m hohen Kalksteinwänden des Orjen-Gebirges im Hintergrund.

In Risan gab es wieder viele Strände. Die Kleinstadt ist uralt, fast 2500 Jahre alt, von Griechen gegründet. Und dann kamen natürlich die Römer - wo waren sie auch nicht? Dann die Awaren, die Venezianer, die Osmanen, wieder die Venezianer, schließlich die Habsburger, die Russen, Napoleon, bevor dann das Königreich Jugoslawien geschaffen wurde. So wie Risan erging es den vielen, vielen Gebieten des früheren Jugoslawiens. Neben den sich ändernden politischen Herausforderungen sind die römischen Baudenkmäler zumindest ein kultureller Fixpunkt:

„Aus der römischen Epoche hat Arthur Evans Teile von Villen mit bedeutenden Mosaiken ausgegraben, zumeist aus dem 2. Jahrhundert. Eine Darstellung des Gottes Hypnos ist das bedeutendste römische Mosaik auf montenegrinischem Boden.“ (Wikipedia)

Diese Mosaiken schauten wir uns an. Wir schafften es gerade noch, bevor eine Anzahl von Reisebussen die schmale Ausstellungshalle zu einer Konservenbüchse schrumpfen ließ.

Ab Risan wurden die Orte schöner. Allerdings gab es oft ein für uns erstaunliches Nebeneinander von Schön und Hässlich. Viele Häuser standen zum Verkauf, andere wurden aufwendig restauriert, was uns mitunter an Dörfer in der Provence denken ließ, in denen einiges, wohl vor allem fremdes Kapital floss, um zum Beispiel Dörfer wie Le Barroux zu architektonischem Augenschmaus werden zu lassen. Auch die UNESCO wird als Geldgeber wichtig sein. Sie hatte neben Kotor auch Perast auf die Rote Liste“ der gefährdeten Natur- und Kulturgüter gesetzt, um internationale Maßnahmen zur Rettung dieser Welterbestätte einzuleiten. Dazu gehören die beiden pittoresken Kircheninseln vor Perast, die auch die Beharrlichkeit demonstrieren, in unruhigen Zeiten einfach da zu sein. Es herrschte ein reger Bootstourismus zwischen Perast und den Inseln.

In Kotor sahen wir erstmals seit nahezu undenklichen Zeiten ein Fahrradgeschäft, in dem wir den Luftdruck überprüfen wollen. Pumpa“ - so wurden wir belehrt, hieß das Zauberwort. Aber mit französischen Ventilen konnte man leider nichts anfangen. Wir hatten aber auch nicht den Eindruck, dass die Reifen Luft verloren hätten. Die Marathon-Reifen funktionierten tadellos.

Das Apartment fanden wir sofort. Es war ein hübsches Haus, umgeben von Ruinen, Tankstelle und Busbahnhof. Die Vermieterin offerierte uns Wassermelone und Fruchtsaft, was wir dankend annahmen. Nebenbei: Wenn es Kotor als Weltkulturerbe nicht gäbe, wäre das hier eine einzige Müllhalde.

Wir besichtigten am Nachmittag die Altstadt, nachdem wir den Platzregen gelassen im Apartment beobachtet hatten. Ein köstlich kühles Bier tranken wir in der ältesten Kneipe Kotory“. Spaghetti und Risotto aßen wir im guten Restaurant Bastion“.

So wie gestern statteten wir auf dem Rückweg einer Bäckerei einen Besuch ab und kauften geschätzte 3 kg Schokocroissants. Was kann nach einem solchen Frühstück schon schiefgehen?

Übernachtung

  • Apartment S & P
  • 37 Euro ohne Frühstück
    sehr schönes Apartment in einem sehr schönen Haus, nahe der Altstadt

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