Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Igoumenitsa - Preveza (Tag 20)

Blick auf Igoumenitsa
Blick auf Igoumenitsa

24.07.2014: 91,26 km

Schinken-Käse-Toast, Apfeltaschen und frisch gepresster Orangensaft - das Frühstück war gut. Der Kreditkartenapparat funktioniert mal wieder nicht, also bezahlten wir bar und kauften in einem nahen Buchgeschäft zunächst einmal eine Übersichtskarte von Griechenland. Wir waren zwar digital gut ausgerüstet, aber für den Fall der Fälle wollten wir zumindest eine konventionelle Stütze haben.

Vom geplanten Track nach Preveza wichen wir ab. Warum? Erstens ist der Blick aufs Meer aus höheren Lagen schöner als aus Meereshöhe. Zweitens sind die Anstiege, von denen es nun mehr als genug gab, sanfter. Es geht nicht gar so steil hinauf, als wenn wir bei Null, also auf Meereshöhe, angefangen hätten. Drittens war der Küstentrack mitunter wenig mehr als ein Pfad, der rüttelte und schüttelte. Und last but not least: die neue Route war rund 10 km kürzer, ein nicht unerheblicher Vorteil angesichts Temperaturen von über 35°.

Die ersten 40 km verliefen auf einer erstklassigen Straße mit recht wenig Verkehr. Die Sonne brannte, aber es duftete nach wilden Kräutern und wir durchquerten ein grünes Tal. Ein leichter Wind fächelte uns Luft zu. Dann wurde der Straßenbelag schlechter, die Anstiege deutlich länger (die Abfahrten glücklicherweise auch) und der Verkehr nahm zu. Was auffiel: In Griechenland, wie auch in Montenegro und Albanien, gibt es ein offenkundiges Müllproblem. Plastikmüll, Fischabfälle und manches andere findet sich an nahezu jeder zugänglichen Stelle. Jeder Aussichtspunkt war eine Müllhalde, obwohl immer wieder Mülltonnen am Straßenrand standen.

Über eine Nebenstraße fuhren wir am frühen Nachmittag nach Preveza ein, fanden das Hotel Minos sofort und tranken nebenan, in einer Bar aus den frühen dreißiger Jahren, zunächst ein kaltes Bier. Wirt und Gast spielten lautstark Tawla, sonst war niemand im Lokal. Zum Bier bekamen wir etwas später unentgeltlich Käse, Früchte und Fisch serviert. Über uns wurden zwei Schwalbenjunge von den Anverwandten gefüttert, die in halsbrecherischen Kurven das Nest ansteuerten. Aber das Leben ist gefährlich, eine Schwalbe fiel bei einem falsch kalkulierten Manöver zu Boden und augenblicklich sprang eine der wartenden Katzen hinzu und zog das Opfer unter ein parkendes Auto.

Nach dem Check-In erkundeten wir das Hafenviertel und suchten am späten Nachmittag das Touristenbüro auf, um uns danach zu erkundigen, wie wir den Tunnel von Preveza vermeiden könnten. Unseren Informationen nach war er für Fahrräder gesperrt. Mailanfragen bei der Stadtverwaltung waren nicht beantwortet worden. Leider, leider, wie sich später herausstellte, hatte die junge Dame überhaupt keine Ahnung. Kannte sie den Tunnel? Wusste sie, wovon wir sprachen? Ihrer Ansicht nach schien es gar kein Problem zu sein, mit Rädern über den Ambrakischen Golf auf die südliche Seite der Bucht zu gelangen.

Salt & Pepper
Die Taverne

Abends aßen wir in einer Taverne neben dem Hotel (Salt & Pepper - traditional tidbits). Ein Moustaki-Double drehte nebenan eine Zigarette, Mama kontrollierte den Laden und Tasos, der kellnernde Sohn, erzählte uns zwischen Fleischbällchen, Tomatensalat, Kebab, Wein und eigenem Schnaps das eine und andere Wissenswerte über Preveza, seine Familie und das Leben an sich.

Ein lauschiger Abend in den engen und lebhaften Gassen.

Übernachtung

  • Hotel Minos
  • 50 Euro ohne Frühstück
    gutes, gepflegtes Hotel in der Altstadt

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