Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Kotor - Podgorica (Tag 12)

16.07.2014: 87,05 km

Wir aßen recht früh am Morgen die leckeren Schokocroissants, und dann gab es gleich einen anstrengenden Aufstieg aus Kotor hinaus. Es waren viele Fahrzeuge unterwegs, der Seitenstreifen nicht besonders breit, die Straßendecke ziemlich ruckelig, wie überhaupt die schadhaften Stellen im Asphalt seit Kroatien deutlich zugenommen hatten.

Eine arge Prüfung für die Nerven war dann die Durchfahrt von vier, glücklicherweise nicht allzu langen Tunneln, die unzureichend beleuchtet waren. Wenn wir dort auf einen der üblichen Asphaltschäden um die Kanaldeckel herum gestoßen wären, hätten wir den gute Chancen gehabt, den Münchner im Himmel von Angesicht zu Angesicht zu sehen.

Nach dieser Prüfung ging es zügig und recht flach weiter nach Budva, das wir recht schnell erreichten. An einer Tankstelle tranken wir eine Cola, wohlahnend, dass uns Steigungen erwarteten. Und die hatten es in sich! Über gut 20 km hinweg zog sich die Straße von 3 m auf 878 m hinauf, wobei der Anstieg ständig zwischen 4 und 9 % betrug. Wir legten immer wieder kurze Erfrischungspausen ein und in summa bewältigten wir diese Herausforderung gut. Bei den Bergfahrten sind es oft die Gedanken und Erwartungen, die zu schaffen machen. Wenn es hinter der nächsten Kehre eben nicht, wie gewünscht, abwärts, sondern immer noch aufwärts geht, sinkt schon einmal die Willenskraft. Umso besser rollt es, wenn man auf solche Überlegungen verzichtet und sich einfach dem Rhythmus des gleichmäßigen Tretens unterwirft. Energie kostet auch der Ärger über autofahrende Deppen, denen sofortiger Führerscheinentzug zu wünschen ist, wenn sie das Leben anderer aufs Spiel setzen. Der Adrenalinspiegel steigt, man verliert den Rhythmus, und nach kilometerlanger Anstrengung ist es schwierig, ihn wiederzufinden. Also - lieber nicht ärgern, was selbstverständlich für Menschen mit sizilianischem Temperament nicht so selbstverständlich ist. Gelassenheit zu lernen ist eine lebenslange Aufgabe, oder?

Irgendwann waren wir dann in den Außenbezirken Cetinjes, die wir als Zentrum des montenegrinischen Autohandels erkannten, mit einer unglaublichen Häufigkeit von Tankstellen. Davon schien es in Montenegro ebenso viele zu geben wie Apotheken und Autowaschanlagen. Wenn man jedes halbe Jahr einen neuen Wagen kauft, ihn täglich waschen lässt, muss der Moment kommen, wo man den nächsten Apotheker aufsuchen muss, um dem Stress Herr zu werden. Es gibt vielleicht auch noch andere Korrelationen?

Wir tranken frisch gepressten Orangensaft in einer Tankstelle und aßen zuckersüßen Kuchen, bevor wir die letzten 25 km in Angriff nahmen. Es gab eine himmlisch lange Abfahrt, auf der man in fettgrüne Täler hinabsehen konnte, ansonsten war die Bevölkerungsdichte so hoch wie in der brandenburgischen Provinz: kaum ein Dorf, dafür viel, viel Natur.

Vor einem Park in Podgorica
Vor einem Park in Podgorica

Bei der Einfahrt nach Podgorica - es war heiß und staubtrocken - kam man sich vor wie bei einem Drive-Inn einer beliebigen Fastfood-Kette: müllig, uninspiriert, trostlos, zum Teil sehr moderne Bauten, lange Alleen, aber alles wirkte wahllos zusammengesetzt - bloß weg hier. Einige Metallbetriebe, Geschäfte, denen es schon nicht mehr schlecht ging, so heruntergekommen schienen sie, zahlreiche Obst- und Gemüsestände, oft dicht an dicht wie auf deutschen Marktplätzen.

Nach einigem Hin und Her fanden wir das Hotel Kosta's, das innen napoleonisch überprotzt wirkte und gerade renoviert wurde. Die freundliche Dame am Empfang erzählte von ihrem Opa, der in Mannheim gearbeitet und von seinen Ersparnissen das Hotel gebaut hatte - hieß der Kostas? Das verhaßen wir zu fragen! Das lieb gewonnene Erfrischungsbier gab es in kleinen Flaschen (2 € für eine Viertelliterflasche).

Das Abendessen war nicht so toll. Wein gab es gar nicht, und das Essen musste vorbestellt werden (Kebab und Fritten orderten wir, die Fritten bekamen wir nicht). Das klingt kleinkariert, aber wir waren in einem 4-Sterne-Hotel. Da erwartet man eigentlich etwas Anderes. Erstmals übrigens wurde die AmEx-Karte akzeptiert. Masters und Visa liegen, was Verbreitung und Akzeptanz in Südosteuropa angeht, deutlich vorn.

Übernachtung

  • Hotel Kosta's
  • 61 Euro mit Frühstück
    bürgerlich-gediegen

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