Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Lamia - Farsala (Tag 30)

Aufstieg am Kloster vorbei
Aufstieg am Kloster vorbei

03.08.2014: 67,32 km

Nach einem hinlänglich sättigenden Frühstück kamen wir heute Morgen zwar blitzschnell auf den Track in Richtung Thessalien, aber nicht den Berg hoch. Das dauerte, und zwar 15 km lang. Wir radelten auf etwa 770 m hoch - keinen einzigen Meter hinab. Es war schwül, aber es fuhren noch nicht so viele Autos. An zwei Tankstellen nutzten wir die Gelegenheit zur Erfrischung. Einige Autofahrer hatten sich offenbar zu einem Sonntagsschwätzchen zwischen den Zapfsäulen verabredet.

Nach rund 1,5 Stunden gab es eine längere, kurvenreiche Abfahrt in eine Ebene mit schnurgerader Straße. Tomaten und Paprika wuchsen links und rechts in schier unendlichen Reihen. Ab und an wurden sie von Sonnenblumen- und Maisfeldern abgelöst. Der Abfahrt folgte ein neuer Anstieg, auch schnurgerade, und anschließend eine Serpentinenabfahrt, die kaum aufzuhören schien. Erster Gedanke - gut, dass wir nicht andersherum gefahren waren.

Auf der Straße nach Karditsa bogen wir Richtung Farsala und Larisa ab. Die letzten 6 km waren wieder anstrengend, nicht nur, weil es schwül und heiß war. Wir durchquerten eine Landschaft, die wie eine Steinwüste aussah. Es gab einige Baumwollfelder und immer wieder Bienenstöcke.

Ein Autofahrer sprach uns während des Überholens aus dem Seitenfenster an und reckte den Daumen, als er „Germany“ hörte. Von einer Antipathie gegenüber Deutschen, die Medien hatten ja einiges im Zusammenhang mit der Eurokrise berichtet, hatten wir bisher überhaupt nichts bemerkt.

Farsala - da war doch was? Es ist ein Verkehrsknotenpunkt, bekannt für seine Süßspeise und war der Schauplatz der Entscheidungsschlacht zwischen Caesar und Pompeius am 9. August 48 v. Chr., der Schlacht von Pharsalos.

Fast genau 2062 Jahre später checkten wir in einem abseits gelegenen Hochzeitshotel ein. Es gab allerdings weder ein Restaurant, noch eine Snackbar oder einen Getränkeautomaten, wie es in der Hotelbeschreibung gestanden hatte. So radelten wir am frühen Abend in den Ort hinein, der überraschend einladend aussah, nette Plätze, einige Lokale, es war ein unerwarteter Kontrast zu der Landschaft, durch die wir gekommen waren, und aßen Huhn und Rind mit Feta - nach telefonischer Rücksprache mit und Bestellung bei der Chefin, die deutsch sprach. Später kamen zwei Polen hinzu, Beata und Pjotr, die auch im Hotel übernachteten und auf dem Weg nach Athen waren. Wir genossen das seltene Vergnügen, fahrradfahrende Gesprächspartner zu haben, und unterhielten uns auch noch lebhaft auf der gemeinsamen Rückfahrt in der Dunkelheit.

Vier Radler im nächtlichen Farsala, das muss selten gewesen sein.

Übernachtung

  • Hotel Aigli
  • 65 Euro mit Frühstück
    reines Hochzeitshotel, Zimmer o.k., schlechtes Frühstückbuffet und keine Ansprechpartner

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