Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Makarska - Neum (Tag 8)

Bye bye Winnetou
Bye bye Winnetou

12.07.2014: 88,73 km

Heute würde uns die Route nach Bosnien-Herzegowina führen. Grenzübertritte haben immer etwas Spannendes und Ungewisses an sich, zumindest vielleicht für diejenigen, die die Grenzen noch aus Zeiten kennen, in denen man nicht einfach von einem Land ins andere wechseln konnte, wie es heute im westlichen Mitteleuropa üblich ist.

Wir standen früh auf, die Müllabfuhr war recht laut, kauften Gebäck und Wasser, frühstückten und versorgten wieder einmal einen nachhaltig quietschenden Brookssattel, der nach 40 km zuverlässig zu knarzen und ächzen begann.

Nach wenigen Kilometern machte ein Autofahrer (kleines, schnelles, schwarzes Auto mit GTI) laut hupend seinem Unmut Luft, dass Radler die Stirn hatten, seine Straße zu benutzen. Er rauschte an uns vorbei und mein Mittelfinger hatte sich schon aus seiner Ruheposition erhoben, als plötzlich eine Polizeisirene ertönte, ebenfalls an uns vorbeirauschte und den ersten Autofahrer anhielt. Ein kleines Stückchen Schadenfreude regte sich!

Wir hatten heute einige 6- bis 7-%ige Anstiege, um das Kalkgebirge zu überwinden und in eine eine weite, fruchtbare Ebene zu gelangen. Es gab Unmengen Obstplantagen und Schilf. Nach Ploce fuhren wir eine Zeitlang an der Neretva entlang, die von Norden kommend durch das Dinarische Gebirge hier in der Adria mündet.

Gegen Mittag trafen wir zwei Franzosen, die auf dem Weg nach Thailand waren und einige Monate Zeit hatten. Wir tauschten das übliche Fachgeplänkel aus und wunderten uns ein wenig über das viele Gepäck, mit denen sie unterwegs waren. Bonne route!

Der Grenzübergang war vollkommen unspektakulär. Wir waren also in Bosnien-Herzegowina, und Neum, in einer geschützten Bucht gelegen, bildet den einzigen Zugang des Landes zum Meer. Unser Quartier lag auf Meereshöhe und wir mussten einige Serpentinen hinunterfahren, wohlwissend, dass uns morgen früh ein heftiger Anstieg erwarten würde!

Wir kamen gegen 15 Uhr an und wurden überrascht. Niemand sprach englisch, französisch oder italienisch. Das war uns bisher noch nicht passiert. Aber wir bekamen dennoch ein kaltes Bier als Willkommenstrunk, die Buchung wurde gefunden und alles war im grünen Bereich. Als wir etwas später die Zimmer verließen und uns erkundigen wollten, ob man essen könne, erwartete uns eine freudige Überraschung. Der Junior-Chef erklärte uns in ruhigem, fließendem Deutsch, dass er jetzt erst gekommen sein, sich gerne auf Deutsch unterhalte und seine Mama sicher etwas zu essen habe. So gingen wir erleichtert zu einem Bad an den nahen Strand.

Abends saßen wir entspannt auf der kleinen Terrasse mit Blick auf das Meer und unterhielten uns mit Milan, der Deutsch in Wien gelernt hatte und außerordentlich höflich zu formulieren weiß. Immer wieder kam die Sprache auf das Zusammenleben von Kroaten, Serben, Slowenen und vielen anderen im ehemaligen Jugoslawien. Er bestand nachhaltig auf seiner nationalen Identität als kroatischer Herzegowiner. Mit einem anderen Gast, einem slowenischen Druckereibesitzer, sprachen wir auf Englisch, der, wie er freimütig ein Faible für die "preußische Ordnung" hatte. Bevor das Gespräch sich in diesen Sphären vertiefte und ohnehin schon genug Wein geflossen war, gingen wir lieber ins Bett.

Übernachtung

  • Guesthouse Babic
  • 30 Euro mit Frühstück
    Willkommenstrunk, Sohn des Hauses (Anwalt) spricht fließend deutsch, sehr familiär, sehr freundlich, leckeres Essen, sehr zu empfehlen, jederzeit wieder

Zurück