Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Palasa - Sarande (Tag 18)

Steigungen
Steigungen

22.07.2014: 70,79 km

Erstmals gab es Toast zum Frühstück - und der war richtig lecker. Die Hotelmanagerin entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten, und wir machten uns auf den Weg.

Die Tour begann prima mit einer schönen Abfahrt, nach der es rasch auch wieder hoch ging. Der Rhythmus war: 2 km hoch, 500 m hinunter. Die Dörfer auf den ersten Kilometern wirkten wie Wintersportorte im Sommer oft wirken, etwas trist, nichtssagend, grau. In allen Dörfern war allerdings der Bauboom - und der Leerstand - ungebrochen.

In Himare, einem beliebten Urlaubsziel für Albaner am Ionischen Meer, kauften wir Eis und die Chefin fragte bei dieser Gelegenheit nach unserer Herkunft. Als wir ihr eröffneten, wir seien aus Deutschland, äußerte sie sich begeistert mit: „Germania Kampion, Brasilia paffpaff.“ Das war auch für uns sehr verständlich, und wir schieden mit freundlichen Gesten voneinander.

Alte Hinweistafel
Alte Hinweistafel

Zum Mittag hin wurde es immer schwüler, wir hatten eine ganze Reihe von heftigen Steigungen mit mehr als 10 Prozent zu fahren. Ab und an passierten wir schöne Agave-Hänge. Es begann zu regnen. und die Capes kamen für etwa eine halbe Stunde zum Einsatz. Ein SOS-Ruf an Velocity wegen schleifender Bremsbacken führte schnell zum Erfolg. Besten Dank, Herr Irion. Nicht funktionierende Bremsen auf diesen steilen Straßen wären gefährlich gewesen. Immer wieder Zufuhr von Traubenzucker, Verschnaufpausen und manchmal half auch ein Lob wie das eines englischsprachigen Albaniers: „I admire your determination.“ Hörte sich gut an!

Die Landschaft wurde zunehmend schweizerischer. Die letzten 10 km führten relativ horizontal an einem Berghang entlang. Am Ortseingangsschild Sarandes, das nur rund 15 km von Korfu entfernt liegt, ging es noch einmal steil hinauf. Das war es aber dann auch.

Sarande
Sarande

Über Sarande heißt es in Wikipedia:

Zum wichtigsten Erwerbszweig der Einwohner ist in den letzten 20 Jahren der Badetourismus geworden. Die Gäste der Stadt sind vornehmlich Albaner. In den letzten Jahren hat die touristische Entwicklung einen Bau-Boom ausgelöst. Zahlreiche Hotels und auch Gebäude mit Ferienwohnungen wurden errichtet. Der Ort dehnt sich mehr und mehr in das früher unbebaute Umland aus. Dadurch hat Saranda viel von seinem früheren Reiz eines kleinen Küstenstädtchen verloren. Seit 2013 werden im Rahmen des Programms der neuen Regierung Rama illegal erbaute Gebäude und Objekte abgerissen.

Bauboom? Aber ja doch, ein Neubauprojekt neben dem andern!

Wir radelten auf Meereshöhe hinab und suchten das gebuchte Hotel. Ein freundlicher Mann machte für uns einen Umweg und brachte uns persönlich zum Hotel Ari. Vor dem Hotel war aber zunächst ein älterer Herr zu überwinden, der uns den Eingang mit eindeutiger Gestik verwehrte: Verschwitzte Fahrradfahrer gehören nicht in dieses Hotel. Das war wahrlich der Extremfall albanischer Unhöflichkeit, den wir in diesem gastlichen Land erlebt hatten.

Dank himmlischer Fügung spazierte eine deutsch-albanische Familie aus Berlin heran, die uns irgendwo unterwegs mit dem Auto überholt hatte und sich nun wunderte, wie schnell wir in Sarande angekommen waren. Auch nicht schlecht zu hören für uns Oldies. Der Nachwuchs übersetzte für uns, und der Cerberus wurde lammfromm, als schließlich auch der englischsprechende Hotelmanager ob des Aufruhrs erschien. So fügte sich alles ins Gute. Wir hatten die Steigungen überwunden, saßen an der Meerespromenade und speisten gut im Restaurant, das sich direkt unterhalb der Hoteletage befand.

Übernachtung

  • Hotel Ari
  • 55 Euro mit Frühstück
    direkt an der sehr belebten Strandpromenade

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