Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Preveza - Amfilochia (Tag 21)

25.07.2014: 56,26 km

Woran hatten wir uns noch nicht gewöhnt? Richtig, an die Zeitumstellung. Die Uhr schlug in Griechenland eine Stunde früher, so dass wir am Morgen noch ein wenig müde zum Frühstücken in das Hafenviertel fuhren - hat es vielleicht auch am Wein gelegen?

Dort gab es in einem der zahlreichen Lokale ein erstklassiges Frühstück: 4 Eier, Schinken-Käse-Toast, Kaffee, Kuchen, Saft, Obst, Marmelade und Wasser. Pappsatt füllten wir unseren Wasserflaschenvorrat auf und machten uns frohgemut auf den Weg zum ominösen Tunnel. Der Rezeptionist im Hotel hatte uns versichert, es gebe überhaupt kein Problem, durch den Tunnel zu kommen.

Als wir auf die Zufahrt zum Tunnel abbogen, bemerkten wir unterhalb einer Ampel ein nicht sonderlich auffälliges Schild, das die Straße für Fahrräder verbot. Wir setzten die Fahrt dennoch fort, weil kaum Autos unterwegs waren. Der Tunnel, in den wir schon hineinblicken konnten, war hellerleuchtet und bot ausreichend Platz für alle, die uns überholen würden. Also weiter, obwohl sich ein ungutes Gefühl breit zu machen begann. Wir hatten die Tunnelröhre noch nicht erreicht, als wir eine Lautsprecherstimme hörten: „Stop - bicycles are not allowed.“ Ah ja, die Fahrbahnen wurden demnach überwacht und wir waren auf dem Monitor eines Mitarbeiters erschienen. Hätte er nicht irgendwo anders hinschauen oder mit der so angenehmen südosteuropäischen Konzilianz fünf geraden sein lassen können? Wie auch immer - die beeindruckten, aber sturen Deutschen taten so, als hätten sie nichts gehört, stiegen aber immerhin ab. Unser neuen Plan war, die Räder auf dem ausreichend breiten und leicht erhöhten Steig durch den Tunnel zu schieben. Gesagt, getan. Von wegen getan. Drei Minuten später erschien aus der Gegenrichtung ein orangefarbener Pickup-Servicewagen und hielt an. Wir gingen über die Fahrbahn zum Servicewagen - kaum Verkehr, die Blinklichter auf dem Dach leuchteten, also hin zu ihnen - und hörten von ihm, was wir erwarteten: Fahrräder im Tunnel sind nicht erlaubt.

Nun kam ein magischer Moment. War es Mitleid mit zwei älteren Radlern, denen man ansah, dass sie schon einige Wochen unterwegs waren? War es die Einsicht, dass ein Regelbruch Verständnis und Sympathie zu evozieren mochte? War es das ständige Spiel Mann - Frau, das den Servicemitarbeiter lockte? Wie auch immer, er hieß uns, die Fahrbahn zu verlassen, wendete den Wagen, stieg aus und bedeutete uns, die Räder auf die Ladefläche zu verstauen. Anschließend nahmen wir neben ihm auf den Vordersitzen Platz, und er brachte uns auf die andere Seite, jenseits der Zahlstellen, wo er uns an einer Bushaltestelle aussteigen ließ - nicht ohne uns zu helfen, die Räder wieder abzuladen.

Wir waren so glücklich, dass wir unserem griechischen Helden ein Trinkgeld geben wollten. Aber er lehnte ab und fragte nur, ob wir Deutsche seien. Als wir das bestätigten, lächelte er und verabschiedete sich mit einem freundlichen „Tschuss“. Ein großartiger Helfer, und wir konnten uns glücklich schätzen, dass wir nicht von Süden gekommen waren. Denn nie hätte man uns an den Zahlstellen vorbei gelassen.

An der Bushaltestelle stand ein einsamer Wandermönch mit Pappkoffer und wartete. Kommt da überhaupt jemals ein Bus hin? Wir hatten keinerlei Informationen über einen Bustransfer wahrgenommen.

Nun ging es an der Südküste des amvrakischen Golfs weiter, vorbei am Flughafen Aktio in Richtung Vonitsa. Vor knapp 2000 Jahren hatte hier dere spätere Kaiser Augustus eine Seeschlacht gegen Mark Anton und Kleopatra gewonnen. Unterhalb der Burgruine erholten wir uns am Hafen bei wunderschönem Ausblick aufs Meer mit Café Frappé („feel like greek for a week - nescafé“, so der Werbeslogan) und Macchiato vom Tunnelstress. Hier gefiel es uns, wir schienen die einzigen Touristen zu sein, und das Panorama war grandios.

Es folgen lange Aufstiege und Abfahrten durch vorwiegend landwirtschaftlich genutztes Gebiet. In der Mittagspause vertilgten wir den Rest der albanischen Carrefour-Vorräte unter einem Walnussbaum. Gegen 14 Uhr erreichten wir das Hotel Amvrakia, das wir gestern telefonisch gebucht hatten: die Belegschaft wartete schon auf uns.

Zwei kalte Bier direkt am Meer ließen uns richtig ankommen. Später am Tag aßen wir auch dort verschiedene Vorspeisen und Spaghetti mit Shrimps. Eine schöne Gegend, die wir uns für Faulenz- und Booturlaub (Wollen wir einen Bootsführerschein machen?) merken werden. Vielleicht schwimmen dann auch noch die drei Meeresschildkröten im Licht der untergehenden Sonne umher, die zum Ort zu gehören scheinen?

Übernachtung

  • Amvrakia Hotel
  • 40 Euro mit Frühstück
    gutes Zimmer, sehr leckeres Essen direkt am Wasser, jederzeit wieder

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