Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Sarande - Igoumenitsa (Tag 19)

23.07.2014: 68,71 km

Der letzte Tag in Albanien begann. Heute würden wir die griechische Grenze überqueren. Zuletzt waren wir dort im September 1978 gewesen, als wir aus dem Nahen Osten gekommen waren. Traumhafte Strände, freundliche Menschen, wunderbare Aufenthalte in Mykene, Olympia, Delphi, Pella und und und. Wie würde es diesmal sein? Ein Unterschied: diesmal waren wir auf dem Rad unterwegs, nicht im VW-Bus, der damals kurz vor Limburg seinen Geist ausgehaucht hatte.

Um das Hotel in Sarande zu bezahlen, Kreditkarten wurden nicht akezptiert, mussten wir zu einem Bankomat und Lek kaufen. Als wir losfuhren, hörten wir schon bald französischsprachige Rufe. Wir sahen uns um und erblickten die Mama des Hotelmanagers, die uns nacheilte, wohl weil sie befürchtete, wir würden uns aus dem Staub machen. Mais non, Madame! Auf Französisch konnten wir alles klären. Eine freundliche Bankangestellte half uns, die Tücken des albanischen Bankautomaten zu überwinden. Er reagierte weder auf Deutsch noch auf Englisch. In seiner Heimatsprache angesprochen, tat er das, was er sollte, nämlich Lek herauszurücken.

Butrint
Butrint

Es nieselte leicht, als wir Sarande schließlich in Richtung Butrint verließen. Wir fuhren durch die zahllosen Neubauviertel Sarandes in eine grüne bewässerte Ebene, immer in Sichtweite Korfus. In Butrint, Weltkulturerbe seit 1992, empfing uns ein chaotischer und verstopfter Parkplatz, aber wir hatten ja gut reden mit unseren Rädern. Auf ihnen gelangten wir zu einer sehr einfachen und nicht sehr vertrauenserweckenden Fähre, die Butrint mit dem jenseitigen Ufer verband. Auf die Fähre passten gerade wir und vier polnische Autos, deren Insassen von der zusammengenagelten Holzfähre Marke Eigenbau so fasziniert waren, dass sie jeden Winkel fotografierten, vielleicht, um nach Parallelen zur Arche zu forschen.

Klare Richtung
Klare Richtung

Nach 50 m drüben angekommen war auf einmal alles ganz still und ruhig. Kaum Autos, aber immer schlechter werdende Straßen, ein Nadelöhr in Gestalt einer Schafherde und später, ab Mursi, Kies-Lehm-Straßen bis in den nächsten Ort. Grenzgebiete haben immer ihre eigene Hässlichkeit, aber hier blieb die Landschaft schön und grün. Ein letztes albanisches Eis an einer einsamen Tankstelle und ab über die Grenze, wo wir von einer freundlichen albanischen Grenzbeamtin nur kurz über unser Hiersein befragt wurden. Wir hatten ja bereits einige Grenzen passiert, und meist waren die Beamten interessiert an uns und unseren Plänen.

Wir waren in Griechenland, erlebten eine schöne Abfahrt mit wunderschönem Blick aufs Meer und Korfu, und niemand hupte. Das war außergewöhnlich. So landeten wir denn in entspannter Fahrt in Igoumenitsa und ließen uns Schweinespieß, Souflaki und Rotwein schmecken.

Übernachtung

  • Hotel Stavrodromi
  • 40 Euro mit Frühstück
    ungepflegt, freundliche Inhaber, sehr leckerer Rotwein aus eigener Herstellung

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