Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Shkodra - Tirana (Tag 14)

Innenhof Hotel Tradita
Innenhof Hotel Tradita

18.07.2014: 95,71 km

Nach einer schwül warmen Nacht - einziges Manko: es gab keine Klimaanlage im Zimmer - bekamen wir ein albanisches Frühstück im Garten: Ziegen- und Schafskäse, Butter, Tomate, Feigenmarmelade, Pfefferminztee und eiskaltes Wasser. Auf eine kleine Anpassung an mitteleuropäische Vorlieben wollten wir nicht verzichten: gekochte Eier!

Wir fanden den Weg hinaus aus dem Zentrum gut und passierten zahllose Kleinhändler - Obststände, Autoserviceläden, Baumaterialien aller Art. Wir fuhren auf einer guten Straße und erzielten einen guten Durchschnitt. Nach einigen Kilometern wurde die Landschaft zersiedelter. Wir kamen an einigen recht hübschen Mehrfamilienhäusern vorbei, Obst- und Gemüseanbau standen im Mittelpunkt. Ab Lezha wurden die Ansiedlungen noch zerstückelter - und dann, 39 km vor Tirana und kurz nach unserem ersten Eis, verwandelte sich die Straße plötzlich in eine Autobahn.

Zunächst waren wir ratlos, und auf die Schnelle fanden wir keine andere Option, um die Fahrt fortzusetzen. So entschlossen wir uns, auf dem breiten Seitenstreifen zu fahren. Polizisten, an denen wir vorbeikamen, nickten uns freundlich zu, so blieben wir auf der Autobahn und kamen bestens weiter. Vor der Abfahrt nach Voré verwandelte sich die Autobahn wieder in eine Landstraße und der Verkehr wurde dichter. Während des gesamten Autobahntrips übrigens wurden wir nicht angehupt, nicht beschimpft, oft freundlich gegrüßt, was nicht bedeutet, dass uns sehr wohl in der Haut war.

Im ersten Moment wussten wir nicht, wie wir weiterfahren sollten und schauten uns unsicher um. Ein freundlicher Herr ignorierte den dichten Verkehr und überquerte - nicht ganz ungefährlich - die Straße. Er versicherte uns lebhaft, diese Straße führe nach Tirana und unsere Reifen wären gut genug. Das war eine ambivalente Nachricht. Gut, dass wir auf dem richtigen Weg waren, aber wieso wies er auf die Reifen hin? Jedenfalls bedankten wir uns und merkten bald, dass die Fahrbahn deutlich schlechter wurde. Sie war übersät von Schlaglöchern, zum Glück auch weniger befahren. Selbst Autos bremsten vor den Löchern auf Schritttempo herunter. Zu beiden Seiten der Straße waren immer wieder Möbelgeschäfte zu sehen, und zwar mindestens 20 km lang. Versorgt Albanien die Welt mit Möbeln?

Sehenswürdigkeiten in Tirana
Sehenswürdigkeiten in Tirana

Die Strecke führte uns quasi direkt zum zentralen Skanderbeg-Platz, der unweit unseres Hotels lag. Teilweise wirkte der Verkehr chaotisch, es gab skurrile Szenen im Kreisverkehr, auf den Bürgersteigen. Fahrrad- und Mopedfahrer kamen uns auf der falschen Straßenseite ungebremst entgegen, man musste sehr aufpassen. Und wir wollten ja viele Szenen miterleben und den einen Mann mit drei Schafen an der Leine auch nicht so früh aus den Augen verlieren. Es war spannend.

Das Hotel fanden wir direkt. Es lag im ersten Stock eines Hochhauses, und der freundliche Herr an der Rezeption war uns dabei behilflich, das Gepäck hochzutragen. Die Räder ließen wir einstweilen unten. Nach dem üblichen Check-In fuhren wir durch Tiranas Zentrum. Tirana - wir freuten uns einfach, dort zu sein. Es war schon ein Traum, der wahr geworden war.

Uhrturm in Tirana
Uhrturm in Tirana

Wir sahen nur wenige Touristen, tranken in einer Bar das nach der Hauptstadt benannte Bier und aßen in einem griechischen Grillmaster, wo wir den Platzregen ruhig über uns ergehen lassen konnten. Dann unternahmen wir noch eine kleine Runde um den Uhrturm herum, bevor wir die Räder in die erste Etage des Hotels hochtrugen, wo wir sie in einem Flur abstellen konnten.

Übernachtung

  • Rooms Oresti
  • 40 Euro mit Frühstück
    Etagenhotel, elegante Zimmer, sehr sauber, sehr freundliches Personal, leckeres Frühstück im Zentrum, jederzeit wieder

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