Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Tirana - Durrës (Tag 15)

Baustelle
Entsteht hier ein Nationaldenkmal?

19.07.2014: 43,36 km

Nach einem guten Frühstück mit Croissants, Burek und gekochtem Ei erlebten wir eine spannende, erlebnisreiche Fahrt aus Tirana hinaus. In einem der vielen, vielen kleinen Geschäfte am Straßenrand kauften wir in einem kleinen Geschäft für einige Lek grüne Schnürsenkel, um meine graue Haarpracht zu bändigen. Mit mehr Rundumsicht passierten wir nun immer wieder verstopfte Kreisverkehre, in denen uns wie schon gestern Mofas und Räder auf der falschen Seite entgegen kamen. In nahezu jeder Seitengasse waren Marktstände aufgebaut, die Fahrzeuge standen kreuz und quer, und so manche Fahrer blieben, wenn sie zu einem Schwätzchen aufgelegt waren, einfach mal einige Minuten auf der Straße stehen und unterhielten sich in Seelenruhe mit wem auch immer. Zeit scheint hier kein Problem zu sein. Ab und an hupte man, aber weniger, um einen Störenfried zu warnen, sondern um zu einem kleinen Treffen am Straßenrand oder auch auf der Straße oder Kreuzung einzuladen. Es war faszinierend. Ein schlimmer Verkehrsunfall zwischen einem Mofa und einem Auto mahnte uns, aufmerksam zu bleiben. Das taten auch die häufigen großen Schilder, die über der Straße dazu aufforderten, keinen Alkohol zu trinken und die Verkehrsregeln zu beachten. Es waren übrigens auch Unmengen von Mülltonnenentleerern und Müllsortierern unterwegs, die Material für die zahlreichen Schrottplätze links und rechts der Straßen sammelten, die in den Randbezirken Tiranas immer armseliger wurden.

Die Straßenszenen blieben bis zum nächsten Ort sehr abwechslungsreich, Läden und Gewusel allerorten. Danach kamen wir in ein vorwiegend landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Jetzt ging es vor allem darum, neben den Löchern im Belag noch ein Stück Straße zu finden. Das war sehr schwierig. Die Landschaft gefiel uns, viel Grün und hübsche kleine Häuser.

Die Abzweigung nach Durrës verpassten wir zunächst, aber ein freundlicher Polizist unterbrach seinen Dienst bei der Geschwindigkeitskontrolle, um uns zu helfen. Er begrüßte und verabschiedete uns mit einem Handschlag und wies den Weg. In der Nähe des Hafens hatten wir noch einmal Schwierigkeiten, den Weg auf dem Garmin zu finden, und sprachen einen Passanten an. Der lief sogleich zu einem gerade startenden Taxi, hielt es an und lotste einen Bekannten heraus, der uns auf Italienisch den Weg beschrieb. Diese unmittelbare Hilfsbereitschaft erlebten wir immer wieder und sorgte dafür, dass wir mit einem sehr positiven Grundgefühl durch das Land fuhren.

Die Strecke war recht kurz, und so fuhren wir am frühen Nachmittag durch Durrës, der zweitgrößten und wichtigsten Hafenstadt Albaniens, in der neben den üblichen Verdächtigen (Griechen, Römer, Venezianer, Osmanen) auch die Normannen einige Jahre geherrscht hatten.

Viele, viele Hotels und Restaurants an der Strandpromenade - hier und in der gesamten Stadt waren leider ca. 90 % der Häuser Betonklötze - konkurrierten um Gäste, aber am frühen Nachmittag war es hier so leer wie im Bonner Stadthaus am Sonntag. Einige Einheimische badeten oder wuschen ihre Wäsche im Meer, und die kleine Kirmes waren so gut wie ausgestorben.

Nach einer Trinkpause in einem Lokal an der Festungsmauer und einem Einkauf im klimatisierten Carrefour-Supermarkt fuhren wir die Hauptstraße am nördlichen Ende hinaus und fanden zu unserer Überraschung das schöne Strandrestaurant Caffe del mar mit einem herrlichen Ausblick aufs Meer.

Wir saßen 20 m vom Wasser entfernt und genossen mit Muscheln, Salat, Oliven und Wein einen schönen, ruhigen, gedankenreichen Abend. Als wir zum Hotel Ani zurückkehrten, war der Strandboulevard rappelvoll, die Kirmes boomte, alles war unterwegs. Der Abend am Meer hatte begonnen, während der Tag für uns zu Ende war.

Übernachtung

  • Hotel Ani
  • 50 Euro mit Frühstück
    gemütliches kleines Hotel an der Strandpromenade (kein Betonklotz)

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