Durch Südosteuropa auf dem Eurovelo 8

Veles - Skopje (Tag 38)

Auf dem Weg nach Skopje
Auf dem Weg nach Skopje

11.08.2014: 47,70 km

Frühstück im Riviera comme toujours mit ungetoastetem Knetweißbrot. Jeweils vier Spiegeleier ließen uns satt an den Start gehen, zunächst auf eine lange Steigung, die auf schmalen Straßen an einem schönen Stausee vorbei auf rund 525 m führte.

Unser Weg wurde schlechter, aber einige Meter weiter bemerkten wir eine breitere Straße mit zwei Fahrspuren, die uns wie eine Landstraße erschien. Die wenigen Autos fuhren schnell, aber dennoch wechselten wir auf diese Straße, weil wir befürchteten, dass unser Straßenbelag bald ganz verschwinden würde. Einige Kilometer weiter erkannten wir, dass die zweite Fahrbahn eine Überholspur war, wir mithin auf der Autobahn gelandet waren. Herunterfahren ging nicht mehr, weil uns ein Maschendrahtzaun am Wechsel hinderte. Also setzten wir die Fahrt auf dem breiten Randstreifen fort und passierten dabei mehrere Brückenbaustellen. Die Brücken wurden im Rahmen eines EU-Projektes saniert. Das Gute war, dass die rechte Fahrspur meist für die Autos gesperrt war, so dass wir dort gut fahren konnten, vorbei an den freundlich grüßenden Arbeitern. Nach Anstieg und längerer Abfahrt mussten wir durch einen 720 m langen Tunnel, der zum Glück beleuchtet war und in dem uns auch kein Fahrzeug überholte. Tunnelfahrten sind immer stressig, vor allem natürlich auf der Autobahn. Wir wollten das Glück nicht weiter herausfordern. Die nächste Ausfahrt, 3 bis 4 km später, nutzten wir, um auf den Track zurückzukehren. Als Belohnung gab es eine Cola im nächsten Market.

Wir entschlossen uns, auf der recht guten 1102 zu bleiben. Je näher wir der Hauptstadt kamen, umso stärker wurde der Verkehr. Die 1102 endete plötzlich an einer Schnellstraße, und wir nutzten zunächst den hanebüchenen Fahrradweg: gerissene Oberfläche, so viele Scherben wie im rheinischen Karneval und parkende Autos. So wechselten wir auf die Busspur, die in erheblich besserem Zustand als die lausigen Radwege war. Ein erster Höhepunkt war die Fahrt vorbei am alten Basar mit den Schwerpunkten Obst und Gemüse. Ein unglaubliches Gewusel, Menschen in den unterschiedlichsten Bekleidungen, muslimisch gewandete Mädchen mit der T-Shirt-Aufschrift Life is a bitch. Und neben dem Basar hatte ein dm-Markt geöffnet. Einer der Straßenhändler, die auf den Bürgersteigen ihre Waren anboten, kritisierte unseren Einkauf der Körperlotion als „nicht gut“. Er revidierte allerdings sein Urteil nach dem Lesen der Inhaltsstoffe. Genehmigt - noch einmal davongekommen. Der Händler hatte ürigens einige Jahre in Düsseldorf gelebt.

Ein Taxifahrer wies uns den Weg zum nahen de Koka-Hotel: zweite Ampel rechts, erste Ampel rechts, dann auf der linken Seite - bingo. Wir checkten ein, tranken vorher noch einen Kaffee in der Seitengasse und tourten anschließend durch Skopje, in dem gebaut wird, was das Zeug hält. Wo etwas Platz ist, wird ein Monument gebaut. Fast könnte man vergessen, dass Mazedonien zu den schwächsten Volkswirtschaften Europas gehört. Die Hauptstadt, in der rund ein Viertel der Bevölkerung Mazedoniens lebt, soll jedenfalls glänzen. Viele Heldenstatuen, natürlich Alexander und Skanderbeg, aber auch zeitgenössische witzige Statuen, die humorvoll Szenen aus dem Alltagsleben darstellten. Kein Graffiti war zu sehen. Sehr ungewöhnlich.

Am Macedonia-Place
Am Macedonia-Place

Nachdem wir die Räder im Hotel abgestellt hatten, schlenderten wir durch die Altstadt: 80% Schmuckgeschäfte, einige Hochzeitsausstatter, Reiseveranstalter und Antiquitätenläden, in denen man zum Beispiel ein gesticktes Tito-Portrait erwerben konnte. In einem überdachten Durchgang tranken wir gezapftes Skopsko, Wein und aßen etwas ganz Neues: weiße Bohnen in Tomatensauce. Dazu Kebap und Huhn und Tarator.

Im Hotel diskutierten wir mit dem jungen Staff noch unseren Plan für morgen, aus Skopje herauszukommen, ohne auf der Autobahn zu landen. Die jungen Herren versicherten uns, sie würden uns zuverlässig und sicher hinausgeleiten.

Dass wir bislang 2500 km zurückgelegt hatten, mochten sie kaum glauben. Na, dann waren wir uns ja mal wieder einig.

Übernachtung

  • Hotel de Koka
  • 54 Euro mit Frühstück
    sehr modern, sehr engagiertes Personal, mitten in der Altstadt, jederzeit wieder

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