Durch die Karpaten und Tiefebenen Südosteuropas

Negreni - Oradea (Großwardein) (Tag 14)

18.07.2015: 74,54 km

Nelaura

Einfaches Frühstück mit Spiegeleiern und Marmelade. Das falt- und formbare Brot kann man hier an Ort und Stelle tonnenweise kaufen.

500 m weiter fuhren wir, es ging am Waldrand leicht abwärts, an einer weiteren Hotelanlage vorbei, allerdings mit Unmengen von Plastikbuden rundherum. Die grelle Musik schon am frühen Morgen darf als Argument pro Nelaura gewertet werden.

Unvermittelt ging es dann aufwärts, anfangs 10%, insgesamt rund 2 km lang bis auf etwa 600 m. Die Straße war gut, also der Verkehr reichlich, aber der Randstreifen breit genug. Auf dem Gipfel gab es eine ganze Reihe von Lokalen und Andenkenbuden. Wir kauften einen Baumstriezel mit Vanillezucker und erholten uns von der Anstrengung.

Gespräche entwickeln sich übrigens so gut wie nie mit anderen Touristen, die allesamt per Auto unterwegs waren. Woher, wohin scheint uninteressant, angesprochen werden wir so gut wie nie. Das war im letzten Jahr von Kroatien bis Griechenland vollkommen anders. Ein Rumäne an einem vollbesetzten Tisch im Nelaura fragte gestern, ob der Staat unsere Reise bezahle. Hier liegt ein elementares Missverständnis über die Rolle des Staates vor. Repräsentativ?

Eine schöne 4 km lange Abfahrt folgte, die Hügelkette verschwand und wir kamen in die Ostausläufer der ungarischen Tiefebene. Die Niederlassungen wirkten zersiedelt, solitäre Autowerkstätten, keine Höfe mehr, irgendwie wirkte alles wie das Bild, das entsteht, wenn jemand eine Handvoll Klötze hochwirft und dann schaut, was daraus wird. Die Landschaft blieb so bis Oradea. Einzige deutlich Veränderung war die immer breiter werdende Ebene. Zwischendurch eine kleine lebhafte Stadt, ansonsten wurde die stark befahrene Straße immer enger, der Belag war allerdings in Ordnung.

Literatengesellschaft

Vor Oradea die üblichen Autohändler, ein bisschen Industrie, dann die Einfahrt ins Zentrum am Kreisch entlang, dessen Uferpromenade nicht sehr einladend wirkte. Vorbei am Hilton wurde es grüner, und wir fuhren in den älteren Teil in Richtung Petöfi Park, wo sich auch unser Hotel befindet. Hier gönnten wir uns zur Begrüßung einen kalten, frisch gepressten Orangensaft.

Vor dem Essen sind wir noch ins Zentrum gefahren. Laut Wikipedia gibt es nichts Herausragendes, dennoch ist das Zentrum sehenswert. Viele alte Bauten wurden und werden restauriert, zumindest vor weiterem Verfall geschützt. Wenn der große Hauptplatz, an dem gerade gearbeitet wird, fertig ist, wird das eine Augenweide sein. Bronzene Figurengruppe - Die Literatengesellschaft - demonstriert augenfällig, wie schlicht und schön Skulpturen sein können, wenn sie nicht abstrakt oder metaphorisch um jeden Preis sein wollen, wie das bei uns in Bonn so oft der Fall ist.

Es tut sich was in Großwardein, hoffentlich geht es so weiter. Übrigens: die Hochzeit mit heimischer Musik - ich verwende den Begriff Cigan - durfte nicht fehlen.

Abends aßen wir Wildente und Chili con carne, tranken dazu leckeren Riesling, genossen gut überdacht auf der Terrasse einige kräftige Regengüsse und bereinigten die GoPro-Aufnahmen. Sehr freundliche Servicekräfte, die sogar das Gespräch suchten.

Bienenhotel

Übernachtung

  • Scorilo Hotel
  • 35,28 Euro mit Frühstück
    Hofanlage, gutes Abendessen, sehr freundlich

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