Durch die Karpaten und Tiefebenen Südosteuropas

Pleven - Alexandria (Tag 4)

08.07.2015: 113,14 km

Schöne Strecke an der Donau

Der Morgen begann mit dem Erkenntnis, dass der Servicegedanke hier entwickelt werden muss. Da mögen manche Gründe eine Rolle spielen: Sprachkenntnisse (Englisch), Tradition, Unsicherheit, Missgunst - wie auch immer. Vielleicht war es auch nur die hoteleigene Aura des Desinteresses oder der Nichtzuständigkeit. Auf die ironische Bemerkung "You're so friendly", lächelte die Rezeptionistin selig. Allein die Bereitwilligkeit, Auskunft zu geben, überforderte hier.

Glücklich der Planer, wenn der Plan aufgeht. Wir fanden den Track sofort und radelten die ersten 15 km meist leicht bergauf. Die Straße teilte sich, und wir folgten dem Schild Nikopol. Dann begann der pure Luxus. Denn 35 km lang radelten wird auf einem wunderbaren Belag und genossen die herrlichsten Panoramen. Die Dörfer waren wie immer, 50% schön, 50% reden wir nicht darüber - wir kamen sehr schnell voran und erinnerten uns an unsere Route drei Jahre zuvor, als wir schon einmal in Nikopol gewesen waren. Teilweise atemberaubende Stille, nur von Vögeln unterbrochen, und die majestätische Donau in Reichweite. Faszinierend, wie schön das Fahren sein kann.

In Nikopol war entgegen der Karteninformationen des Garmin-Navigators die Fährstelle verlegt worden. Die Tickets hinüber zur rumänischen Seite kosteten 8 Euro. In der Mittagshitze wurde ein Grenzbeamter zur Passkontrolle herbeitelefoniert. Viel Aufwand für zwei Radler. Dann winkten wir der Fähre gegenüber und machten uns bemerkbar. Einige Minuten später überquerte die Fähre die Donau und nahm uns an Bord. Wir waren die einzigen Passagiere, und es war so heiß, dass uns ein Besatzungsmitglied mit einer 1,5l-Flasche Mineralwasser aus der Kühlbox beglückte. Die tat sehr gut! Wir überquerten die Donau auf einer Fähre, auf die mindestens ein Dutzend Autos gepasst hätte. Adieu Bulgarien, bonjour Rumänien, wenige Minuten später.

Eiskaltes Wasser auf der Fähre

Eine kurze Passkontrolle, die Einreisegebühr von einem Euro ließen wir ausfallen, weil am Kassenbüdchen keiner auftauchte. Es war allerdings auch sehr heiß. Im Penny-Supermarkt in Turnu Măgurele kauften wir ein und sahen zwei Roma-Kinder, die vor der Polizei, die in Minutenabständen auf den Parkplatz fuhr, wegliefen. Hinter dem Supermarkt standen kalte Hochhäuser, aus denen Gewummer und das Jaulen von Hunden zu hören waren. Mercedes-Limousinen mit getönten Scheiben fuhren vor und wieder weg.

Dann begannen die Stunden der Prüfung: eine schnurgerade, stark befahrene Straße mit giftigen Steigungen, 39° Grad, kein Wind, nur Getreide- und Sonnenblumenfelder. Wir fuhren quasi auf dem Zahnfleisch. An einer Kaffeebude warnte uns ein Alter vor den Dieben aus dem Nachbarland („Bulgaria piri piri“). Die letzten zehn Kilometer verlangten alles von uns.

Alexandria erwies sich als eine moderne Stadt mit dem üblichen großzügigen Zentrum und den groß dimensionierten Springbrunnen. An einer von kleinen Handwerksbetrieben umsäumten Straße fuhren wir am Fußballstadion vorbei zum Hotel Rustic, das aus mehreren Gebäuden inmitten einer schattigen Parkanlage bestand. Room 2 war bereit für uns, die wir gestern telefonisch reserviert hatten. Die Klimaanlage funktionierte perfekt an diesem so heißen Tag.

Abends saßen wir fast allein in einem riesigen Saal an einem Tisch, der für acht Personen eingedeckt war. Salat und Spaghetti mit Knoblauch und Pepperoni schmeckten prima.

Übernachtung

  • Hotel Rustic
  • 45 Euro mit Frühstück
    in einer schattigen Parkanlage

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