Land's End - John o'Groats: die End-to-End-Tour

Lockerbie – Carnwath (Tag 14)

Etappe 13: 78,74 km

Start im Regen

In jedem Hotel, in dem wir in England übernachtet hatten, gab es ein beheizbares Towel Rail – warme Handtücher sind also offenbar sehr wichtig. Simple Klobürsten werden dagegen anscheinend für überflüssig gehalten, was spätestens bei Gemeinschaftsbadezimmern, wie wir es im Crown hatten, für Unmut und Ekelmomente sorgen kann.

Über Nacht hatte es geregnet. Nach einem Frühstück, das glücklicherweise nur kurzzeitig von den Verdauungsgeräuschen zweier weiterer Gäste begleitet wurde, kauften wir Wasser, Sandwiches und süß-saure Buddy Bears von Haribo bei Tesco ein und setzten die Tour bei Nieselregen fort.

Die nächsten 50 km auf der Landstraße durch die Southern Uplands verliefen mehr oder weniger parallel zur Autobahn und zur Eisenbahn. Einzig die Streckenlage variierte: mal war die Bahn in der Mitte, mal eine der beiden anderen Verbindungen. Wetter und Landschaft glichen einem Herbsttag in den Vogesen, man fröstelte schon beim Wimpernschlag. Als es stärker zu regnen begann, zogen wir die Capes über. 15 Minuten später hörte es schon wieder auf, so dass wir wieder die Windjacken überstreiften. Die SSE (Scottish & Southern Energy) baut hier eine Menge Windräder, weitere werden wohl angesichts der gerodeten Flächen, die wir auf dem Weg sahen, folgen.

Uns fiel auf, dass die schottischen Häuser den englischen weder in Stil noch Material glichen. Sie erscheinen eher von mitteleuropäischen Bauvorschriften beeinflusst. So grau in grau wie das Wetter präsentierten sich die Fassaden.

Was auch noch gesagt werden muss: Einen Teil der Straße links per Farbstrich abzugrenzen, ihn als Fahrdweg zu etikettieren, entsprechende Schilder aufzustellen und sich dann weder um Belag noch um Befahrbarkeit zu kümmern, ist aberwitzig, soll man grausig sagen? Diesen Blödsinn kann man also nicht nur in Deutschland erleben.

Im Clyde-Tal

Vor Abington wurde die Landschaft schöner, das Wetter blieb noch diesig. Wir fuhren durch das Clyde-Tal, von sanften grünen Hügeln umsäumt, die wegen der zahllosen Schafe weiß gesprenkelt wirkten, und ließen uns in einem Gemischtwarenladen (Post, Lotto, Kiosk und vieles andere) nach etwa 50 km einen Americano und einen Latte schmecken, aßen Johannisbeereis am Stiel und machten 200 m weiter die nächste Rast, um die Sandwiches und platten Pfirsiche zu essen.

Hinter Abington radelten wir weiter durch die Spielzeugeisenbahnlandschaft des Clyde-Tals. Der Straßenbelag gewann deutlich an Qualität und der Nieselregen hatte aufgehört. Nach Thankerton überquerten wir den Clyde. Eine ganze Reihe von Farmen folgten auf dem Weg nach Ebbington. Kurz vor 15 Uhr erreichten wir Carnwath, ein Dorf in der Moor- und Heidelandschaft Lanarkshires mit Blick auf die Pentland Hills, und kamen im Robertson Arms Hotel an.

In Carnwath

Der Mate, der uns empfing, war nicht besonders entgegenkommend und meinte, die Räder könnten erst ab 21 Uhr im Hotel gesichert werden, sodass wir zunächst mit dem Parkplatz Vorlieb nehmen mussten.

Abends tranken wir in der Hotelbar als Starter ein Belgrave-Bitter und aßen eine Krabbenvorspeise, Lasagne nach Art des Hauses sowie Cajun-Chicken mit süßen Chili-Spaghetti. Nach dem Mahl war der Mate wesentlich aufgeschlossener, ja sogar entgegenkommend. Lag es daran, dass wir im Hotel gegessen hatten? Gab es schlechte Erfahrungen mit Radlern? Vielleicht hatte ihn ja unser allabendliches schwarzes Outfit mit Teva-Sandalen überzeugt. Wie auch immer – er fand einen sicheren Platz für die Räder, und zwar deutlich vor 21 Uhr.

Übernachtung

  • The Robertson Arms Hotel
  • 85 £ mit Frühstück

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