Land's End - John o'Groats: die End-to-End-Tour

Manchester – Morecambe (Tag 11)

Etappe 10: 89,84 km

Blick auf die Irische See bei Morecambe

Nach dem übersichtlichen englischen Frühstück stockten wir im Tesco gegenüber die Vorräte auf und machten uns frohgemut auf den Weg. Wir hatten uns ja fest vorgenommen, nicht mehr an Kanälen entlang zu fahren. Und was geschah? Wenig später waren wir mal wieder an einem Kanal, dem Bridgewater Canal, der sich allerding in einem guten Zustand präsentierte.

Wenig später mussten wir ihn verlassen und durch einige Parkanlagen radeln. Uns fiel auf, dass die Menschen, denen wir begegneten, nicht mehr so frank und frei grüßten wie bislang. Die oft erlebte herzliche Höflichkeit war einer höflichen Distanz gewichen.

Wenn wir durch Siedlungen und kleine Orte fuhren, war sehr oft ein Hinweis auf eine aufmerksame Nachbarschaft zu lesen: „Bewatched neighbourhood“, so hieß es beispielsweise. Solche Signale sahen wir immer wieder, unabhängig davon, in welchen Landesteilen wir unterwegs waren.

Elderly people crossing

Ein Schild, das wir ebenfalls sehr oft sahen, war das Signal „elderly people crossing“. Vielleicht sollten wir ein solches Zeichen an unserer Heimatstraße aufstellen.

Bis Lancaster radelten wir vornehmlich auf der A6, so dass wir, weil wir schneller fahren konnten, zügig vorankamen. An einer Tankstelle erfrischten wir uns mit köstlich ungesundem Erdbeer-Wassereis und Orangensaft. Anschließend gab es ungezählte Kreisverkehre, gute Fahrbahnbeläge und lange Zeit auch eine durchgehende Fahrradspur.

Kurz vor Lancaster tranken wir in einem Lokal noch einen Kaffee. Die Bedienung nahm ernsthaft und besorgt Anteil an uns älteren Kontinentaleuropäern, die am bisher heißesten Tag des Jahres auf dem Rad unterwegs waren. Tatsächlich herrschte eine Durchschnittstemperatur von knapp 28 Grad. So heiß es auch war, in Schottland würden wir uns danach sehnen.

Rund 6 km lang fuhren wir schließlich auf von Rollsplit übersätem Belag, die Straßendecke war erneuert worden. Es war heiß, staubig und anstrengend. Dann war Lancaster, die „hanging town“, endlich erreicht. Den Spitznamen trägt Lancaster, weil in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in keinem anderen Gerichtsbezirk außerhalb Londons so viele Gefangene mit dem Tod durch den Strang bestraft worden sind.

Von Lancaster aus ging es noch einige Kilometer meist auf Fahrradwegen nach Morecambe weiter, wo wir aus akutem Heißhunger bei Aldi „plat peaches“ kauften, die wir verputzten, während wir vor dem Guesthouse auf die Gastgeber warteten. Ein Fan aus Birmingham,der zu einem Freundschaftsspiel seines soeben aufgestiegenen Clubs nach Morecambe gekommen war, gesellte sich zu uns. Wir hielten einen kleinen Schwatz, natürlich über Fußball. Der Birmingham-Fan kannte sogar Schalke 04, also „Gelsenkirken“. Sehr sympathisch! Die Aussprache hatte sich ein wenig geändert: Die Pension Trevelyan war nicht „complete“ (mit ausgesprochenem i), sondern „complate“ (also mit einem [eɪ]). OK, mate!

Am Abend fuhren wir die Strandpromenade des Badeortes an der Irischen See hinab und hielten Ausschau nach dem Meer, das sich weit zurückgezogen hatte. Wir aßen bei Frankie & Benny's (genialer Name: F+B = food & beverages) eine Hühnchenfleischplatte mit einem Salat. Dazu tranken wir Stella Artois. Die Karte wies große Ähnlichkeit mit den Karten in Wadebridge, Bristol und Inverness auf. So unterschiedlich sind die Konzepte der Restaurant Group und Wetherspoons offensichtlich nicht. Schmeckte jedenfalls prima.

Wir bummelten noch ein wenig herum, genossen die Abendsonne und kehrten zur Pension zurück, wo uns der freundliche Gastgeber den Hinterhof öffnete, um die Räder sicher unterzubringen.

Übernachtung

  • The Trevelyan
  • 59,90 £ mit Frühstück

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