Land's End - John o'Groats: die End-to-End-Tour

Morecambe – Penrith (Tag 12)

Etappe 11: 75,17 km

In Cumbria

„You can't expect an Italian summer, if you come to England.“ Der nicht namentlich bekannte Weise hatte ja so recht. Gestern schwärmte ganz Morecambe noch von dem Tag mit Temperaturen über 30 Grad, heute blitzte, donnerte und regnete es.

Morgens bereits empfing uns ein dumpfes Grollen am dunklen Himmel. Regentropfen liefen die Fensterscheiben hinunter. Nach einem ordentlichen Frühstück und Small Talk mit der Gastgeberin, deren Stimme an eine gewisse Ruth Händle erinnerte, und dem Birmingham-Fan – wir wünschten uns gegenseitig eine erfolgreiche Saison -, verabschiedeten wir uns und fuhren zu Aldi, um die Tagesrationen einzukaufen.

Wenn wir die Wahl hatten, gingen wir zu Aldi oder Lidl: aufgeräumter und bessere Qualität als bei Tesco. Kaum hatten wir den Laden betreten, fing es draußen an zu prasseln, als wollte das Meer heute die Flut von oben probieren. Wir warteten 15 Minuten in einer Passage, zogen die Capes über und starteten im nachlassenden Regen. Auf der A6 hatte sich so manche tiefe Pfütze gebildet, mitunter reichte das Wasser bis über die Pedale hinauf.

Wir kamen gut voran auf dem Weg in die Grafschaft Cumbria und begegneten auf sanften Hügeln mit fettem Grün zahllosen Schafen. Gegen Mittag erreichten wir Kendal am Kent, wo wir in einem Lokal Avocadosalat und Fritten zu uns nahmen.

Weiter ging es, und am Ortsausgang wurden wir von einer pfeilschnellen Radlerin überholt. Sie wurde von einem Moped begleitet, das zwei Ersatzräder transportierte. Der Begleiter fragte im Vorbeifahren „up to Shap“? Wir bejahten, und es hieß „good job“, und er brauste davon. Freundliche Leute hier, dachten wir.

Etwas später erkannten wir, was sich hinter Frage und Lob verbarg, nämlich das Wissen um eine sich immer weiter hinauf drehende Straße mit bremsendem Belag, die unsere ganze Kraft und Konzentration sowie zahlreiche Gummibärchen aus unserem Energiereservoir beanspruchte. Es ging bis zum Shap Summit auf rund 425 m hoch. Nicht sehr hoch, aber der Anstieg war lang und heftig. Die folgende Abfahrt war schön, schnell und zu kurz. Aber der schwierigste Teil der heutigen Etappe lag hinter uns.

In Shap gönnten wir uns die britische Variante des Split-Eises von Langnese und waren uns darin einig, dass man auf Vanille verzichten könnte, aber Capri gab es leider nicht. Rund 10 Kilometer später erreichten wir unser Quartier: das Rebel Hide.
Die Unterkunft bei Penrith, ganz in der Nähe des Lake District Nationalparks, war ein klitzekleines Gartenhäuschen, das wussten wir natürlich, in dem ein Bett und unser Gepäck den Raum nahezu ausfüllten. Es war gemütlich, und vor dem Häuschen sitzend sahen wir Scharen von Vögeln, die sich an den verschiedenen angebotenen Leckerli labten. Abends kamen in Reih und Glied auch Enten zur Fütterung angewatschelt.

Wir aßen im George & Dragon, 10 Minuten zu Fuß entfernt, einem schönen rustikalen Gasthaus in Clifton, allein auf weit Flur, aber sehr gut besucht. Unser Mahl bestand aus Beefburger und Pork & Apple Burger mit leckerem Chutney, Bier und Sauvignon, so dass auch die ambitionierte Weinkarte zu ihrem Recht kam.

Übernachtung

  • Rebels Hide

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