Land's End - John o'Groats: die End-to-End-Tour

Penrith – Lockerbie (Tag 13)

Etappe 12: 84,11 km

Unerwartete Begegnung

Morgens erhielten wir im Living room ein umfangreiches Frühstück, sehr lecker. Die freundliche Dame des Hauses, die sich auf den Urlaub in Spanien freute (endlich Sonne!), konnte den Brexit gar nicht verstehen, hoffte auf eine Übereinkunft zwischen Theresa May und Frau Merkel und wünschte uns gute Weiterfahrt. Heute würden wir ja England verlassen und Schottland erreichen.

Die ersten 40 km waren abwechslungsreich, immer wieder kurze Anstiege und Abfahrten wie auf der Achterbahn, aber ohne Looping. Wir machten uns einen Spaß daraus, es mit dem Speed aus der Abfahrt auf den nächsten Buckel zu schaffen, natürlich ohne zu treten. Die Landschaft gefiel, es war wenig Betrieb auf den Nebenstraßen.

In der Nähe von Eamont Bridge standen wir auf einmal vor einer stattlichen Anzahl von Kühen, die uns entgegenkamen. Wir beschlossen, vorsichtig weiterzufahren, die Kühe würden uns sicher Platz machen. Die blieben indessen wie angewurzelt auf der schmalen Straße. In diesem Moment hörten wir ein Motorgeräusch und eine laute Stimme. Ein Herr auf einem Quad schlängelte sich an den Kühen vorbei zu uns und erklärte, die Kühe seien durch unsere grellen Farben und Helme irritiert. Deshalb sollten wir einige Meter zurückfahren und vor dem Eingangsgatter zur Wiese warten. Das taten wir, und mit allergrößtem Misstrauen bewegten sich die Kühe schließlich auf ihr gewohntes Terrain. „Thank you very muuuch“, bedankte sich der motorisierte Herr.

Pause in Carlisle

Kurz vor Carlisle gab es mit dem Cumberland Ward noch einmal einen längeren, aber leichten Anstieg. Wir passierten Dalton, wo in einer Nestlé-Fabrik Milchpulver hergestellt wird, und erreichten schließlich Carlisle, die letzte Stadt vor dem rund 20 km entfernten Schottland. In der Festung Carlisle Castle, in der einst Maria Stuart eingesperrt gesessen hatte, durften wir, ohne Eintritt zu bezahlen, auf einer Wiese picknicken. Es war mit rund 18 Grad recht kühl, so dass wir bereits auf Schottland eingestimmt wurden.

Und dann verließen wir England in Richtung Gretna Green, einem der beliebtesten Hochzeitorte der Welt:
„Auf der alten Postkutschenroute von London nach Edinburgh war Gretna Green das erste Dorf in Schottland.“ (Wikipedia)

In Schottland

In Gretna Green wurden wir von einem Passanten mit einem „Welcome to Scotland“ begrüßt. Wir verzichteten auf eine zweite Hochzeit und radelten recht zügig weiter. Die Strecke wurde nun eintönig. In der Luft lag ein dauerhafter Jauche-Geruch, die Straßendecken wurden holpriger. Glücklicherweise war es bis Lockerbie nicht mehr weit.

Kurz nach 16 Uhr trafen wir im Crown-Hotel ein und belohnten uns mit zwei Pints.

Spätnachmittags gingen wir noch die wenig belebte Hauptstraße entlang und aßen Fish & Chpis in einem kleinen Imbiss. Leider war im Krautsalat zu viel Mayo, und die Erbsen wirkten wie eine bedrohliche grüne Masse, jederzeit bereit, den Tellerrand zu überschreiten. Die Bohnen dagegen waren von Heinzscher Provenienz und schmeckten. Ob es auch andere in Großbritannien gibt? Jedenfalls waren die Portionen überreichlich, und wir benötigten noch einen Schlummertrunk im Hotel. Die Betten in unserem Zimmer standen übrigens hintereinander, und das nach Gretna Green!

Schafe vor der Town Hall

Fast vergessen hätten wir eine außergewöhnliche Begegnung. Kurz nachdem wir in Südschottland eingetroffen waren, bemerkten wir an einem geschlossenen Bahnübergang vier Schweine in einem großen Gehege, die wie geschorene Wildscheine aussahen. Die ersten Schweine überhaupt, die wir im UK sahen. Schafe, Kühe und Pferde gibt es reichlich. Hühner hatten wir selten bemerkt, und Schweine nun erstmals.

Woher kommt denn nun der ganze Schinken für das English Breakfast?

Übernachtung

  • The Crown Hotel
  • 72,80 £ mit Frühstück

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