Land's End - John o'Groats: die End-to-End-Tour

Tain - Lybster (Tag 23)

Etappe 20: 89,07 km

Das Frühstück war bis auf den labbrigen Kaffee in Ordnung. Kurz nach 9 Uhr starteten wir die vorletzte Etappe. Es nieselte zwar nicht wie an den Tagen zuvor, aber der Seitenwind aus Richtung Nordwest wehte mit einer Stärke, dass wir mitunter Mühe hatten, die Böen auszugleichen, vor allem auf der fast 1 km langen Dornoch Firth Bridge, auf der wir die Bucht überquerten.

Bis Helmsdale fuhren wir rund 50 km, vorbei an Loch Fleet und Dunrobin Castle, das einen eigenen Bahnhof besitzt. Der Verkehr war erträglich, die Küste bot wunderschöne Panoramen, große Anstiege gab es nicht.
Die Landschaft war interessant, weil sie ständig wechselte, wobei die Eigentümlichkeit der Küstenlinie unverändert blieb: sanft zum Meer hin abfallende Weiden, kaum Fels. Trotz des Windes war das Meer ruhig. Einzig das Wetter wechselte seine Kleider im Minutentakt: peitschender Regen,wärmendes Sonnenlicht oder normales Vogesen-Herbstwetter.

In Helmsdale in der Grafschaft Sutherland, dem Sudrland (aus Wikingersicht lag dieser Landstrich südlich ihres Siedlungsgebietes), begann es heftig zu regnen, aber unsere Bemühungen, eine geeignete Mittagsherberge zu finden, blieben erfolglos. Einzig die Bar eines Hotels, die gerade geöffnet wurde, konnte uns zwei warme Kaffee bieten. Vier Kilometer weiter war alles trocken, so dass wir Mittagsrast hielten: Gummibärchen, Pasteten und Kekse.

Pause und Essen waren auch bitter nötig, denn der anstrengendste Teil der Etappe folgte sogleich. Bei Kilometer 55 befanden wir uns noch auf 7 m über dem Meeresspiegel, bei Kilometer 60 erreichten wir 230 m Höhe. Der Wind nahm sich leider keine Atempause und die Steigungen wurden eklig und gingen in die Beine. Bei der folgenden Abfahrt, die durch einen kurzen Anstieg unterbrochen wurden, bremsten uns Wind und Straßenbelag. Bei Kilometer 69 waren wir nur noch 17 m über dem Meer und stiegen erneut auf den nächsten knapp zwei Kilometern bis auf 157 m. Kurz: es war harte Arbeit. Grandiose Aussichten begleiteten die Anstrengungen kontinuerlich.

Nach rund 90 km erreichten wir The Antlers und warteten im Wohnzimmer eine halbe Stunde, bis unser Zimmer hergerichtet war. Das nervte etwas. Nach der Dusche fuhren wir 1,5 Meilen gegen vollen Gegenwind zurück, um im The Arms („under new management“) zu essen.

Die halbwüchsige Bedienung hatte einige Schwierigkeiten, die bis an den Rand gefüllten Kronenbourg-Pints an den Tisch zu befördern, doch das Essen war eines der besseren in den letzten Wochen: Krabbencocktail und Schellfisch mit Chips, Erbsen und Salat. Richtig gut. Im milden Licht der Abendsonne kehrten wir zum Haus zurück, auch der Wind war offenbar schlafen gegangen.

Eine halbe Stunde lang plagte uns noch ein Akkordeon, zu dessen schottischen Klängen gesungen wurde. Da wir unsere Zimmertür nicht abschließen konnten, das sei hier nicht nötig, bemerkte die Wirtin, befürchteten wir, es gebe noch eine Polonaise écosse von Zimmer zu Zimmer. Davon blieben wir schließlich doch verschont.

Übernachtung

  • The Antlers
  • 70 £ mit Frühstück

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