Von Freiburg nach Barcelona

Capestang - Carcassone

Etappe 17: 62,74 km

Mittagspause
Mittagspause im Gegenwind

Wir aßen in der frühen und schon heißen Morgensonne einiges vom dem, was wir gestern bei Lidl gekauft hatten. Etwa 50% schmeckte, genug, um nach Carcassone aufzubrechen, nachdem die von der Mittelmeerluft feucht gewordenen Taschen wieder eingeräumt waren. Kurz hinter Capestang ging es zum Canal du Midi, an dem entlang wir auch heute fahren sollten. Nach rund vier km brachen wir ab: der Weg schwankte zwischen kiesig und steinig, wurde einspurig und eng, und man musste den Blick stets konzentriert auf den Boden richten, um bedrohlichen Ranken, Disteln und anderem Ungemach auszuweichen.

Wir setzten die Tour auf der D5 fort, die rechts ausreichend Platz für Räder bot. Der Untergrund war besser geworden, der starke Westwind schlug uns frontal entgegen. Er gab uns das Gefühl, permanent Steigungen zu hinaufzuradeln. Gute Vorübung für die Pyrenäen, aber wir hätten lieber darauf verzichtet. Die Landschaft war vorwiegend von Weinanbau und Obstplantagen geprägt.Dennoch gefiel uns der Abend in Carcassones Altstadt. Wie soll man sich dem Zauber dieser grandiosen Stadt bei Dämmerlicht auch entziehen können?

Am frühen Abend
Am frühen Abend

Im hübschen Trèbes an der Aude erfrischten wir uns mit kaltem Wasser und Sorbet. Im Hintergrund zeigten sich schon seit einiger Zeit die südlichen Ausläufer des Zentralmassivs und die nördlichen Ausläufer der Pyrenäen, die, so malerisch sie auch wirkten, doch schon respekteinflößend waren.

Gegen halb drei erreichten wir das Ibis in Carcassone, übrigens Parnerstadt von Tallinn, wo ja ursprünglich unsere Tour 2018 beginnen sollte. Das Hotel, in dem wir zwei Übernachtungen gebucht hatten, liegt nur wenige Fußminuten entfernt von der alten Brücke (Pont Vieux) aus dem 14. Jahrhundert. Die Räder wurden in einem Büro untergebracht, die Damen an der Rezeption zapften ein kühles und frisches Heineken für uns, und nach dem Duschen erkundeten wir die Neustadt. Lokale, die uns gefielen, waren entweder geschlossen, oder die Betreiber hielten sich nicht an die in Google annoncierten Öffnungszeiten.

So schlenderten wir am frühen Abend in die Cité de Carcassone, die seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, und aßen in einem kleinen Lokal namens Le Vintage Melone und Schinken sowie Entrecôte bzw. Calamari. Zum Dessert wählten wir Kaffee, weil es die verlockende Tarte aux Framboises nicht mehr gab. Die Bedienung war unterdurchschnittlich, die Touristen aus einem östlichen Nachbarland Deutschlands überlaut.

Beim Frühstück im Ibis waren wir heute früh nahezu allein. Das Personal war wesentlich freundlicher als in Montpellier, die Zimmer sind ähnlich klein, aber weniger verwohnt.

Über die alte Brücke, die Dächer der Altstadt, teilweise in Gelb,vor Augen, spazierten wir den kurzen Weg in die Festung. Noch hielt sich der Touristenstrom in Grenzen, wenngleich sich vor dem Ticketschalter, der erst in 20 Minuten öffnen würde, schon eine lange Schlange gebildet hatte. Wir durchstreiften die Gassen und Geschäfte, hielten inne an einigen schönen Stellen, kauften eine blecherne Ameise und stießen bei unseren Rundgängen auf eine stark bewaffnete Einheit der Polizei oder Armee, die durch die Festung patrouillierte.

Die Menschentrauben wuchsen, die Zahl der von kindlichen Rittern geschwungenen Plastikschwerter stieg ebenso an. Wissen die Kinder heutzutage überhaupt noch, was Ritter sind, da die Ivanhoe-Serie doch gar nicht mehr läuft?

In der Zeit der größten Hitze ruhten wir uns aus und kauften anschließend im Carrefour Vorräte für die morgige Etappe. Nach einem Kaffee in der Hotellobby entschieden wir uns, das Abendessen im L' Ostal des Troubadours innerhalb der Festung einzunehmen, in dem wir ein Menü aßen: Salat, Cassoulet bzw. Spaghetti bolognaise und Käse bzw. Eis. Dazu wurde ein trockener Weißer gereicht, der in dieser Region wie seine Verwandten in Hülle und Fülle angebaut wird.

Die Cité war am Abend immer noch gut gefüllt, als wir langsam zum Hotel zurückkehrten, um noch einen Rosé auf das Wohl unserer jüngeren Tochter zu trinken, deren Geburtstag sich morgen jähren würde.

Übernachtung

  • Ibis Centre
    194,00 EUR (2 Übernachtungen)
    jederzeit wieder

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