Von Freiburg nach Barcelona

Freiburg - Mulhouse

Etappe 1: 65,19 km

Freiburg
Zur Herz-Jesu-Kirche

Alles stand zur Abfahrt bereit. Die Taschen waren gepackt, die Räder inspiziert, die Tracks gesichert. Das einzig Unangenehme war, dass wir kurz nach Mitternacht starten würden, weil wir den Flixbus als Transportmittel ausgesucht hatten. Wären wir mit der Bahn gefahren, hätten wir viel zu oft umsteigen müssen. Darauf konnten wir verzichten.

Da an Schlaf nicht zu denken war, schauten wir den Tarantino-Film „The Hateful Eight“ mit der wunderbaren Musik von Ennio Morricone. Rund eine Stunde vor der geplanten Abfahrt beluden wir unsere Räder und machten uns auf den Weg durch die laue Julinacht zur Flixbusstation hinter dem Kunstmuseum. Dort erwarteten wir mit leichter Spannung den Bus. Ob er wohl wirklich mit einem Fahrradträger ausgestattet war? Und was tun, wenn das nicht der Fall war? Die Spannungskurve erreichte ihren Höhepunkt, als der Bus um die Kurve kam: ein Fahrradträger war am Heck befestigt und bot noch Platz für zwei Räder. Aufatmen!

Wir suchten unsere Plätze und waren froh, dass wir unten noch eine freie Reihe fanden. Oben war alles belegt und noch enger, als es unten schon war. Aneinandergedrückt versuchten wir zu schlafen, aber einer der Passagiere schnarcht ja immer. Für eine nächste Busreise beschlossen wir, jeweils zwei Plätze zu kaufen, damit das Konservendosengefühl gemildert würde.

Markgräfler Land
Aussichten im Markgräfler Land

Ein Zwischenstopp in Straßburg bescherte uns einen verlängerten Aufenthalt, weil ein Zeitgenosse auf dem Busparkplatz sich vor dem Bus aufbaute und nicht zu bewegen war, aus dem Weg zu gehen. Die beiden Fahrer redeten ihm zu, telefonierten mit der Zentrale und der Polizei, die sich allerdings nicht blicken ließ. Nach geraumer Zeit trat der Mann zur Seite und entließ uns aus der Sippenhaft. Der Bus fuhr weiter und erreichte schließlich Freiburg mit rund 90minütiger Verspätung.

Am frühen Morgen packten wir unsere Räder und fuhren über eine Rad- und Fußgängerbrücke in Richtung Altstadt. In einem Café nahe der Herz-Jesu-Kirche, deren Türme dem Limburger Dom sehr ähneln, stärkten wir uns und radelten am Bertoldsbrunnen vorbei zum Münster. Wir kurvten einige Minuten auf dem schönen Münsterplatz herum, wo die ersten Marktstände bereits aufgebaut waren, so dass wir Pfirsiche kaufen konnten. Dann sollte die Tour beginnen, es zog uns nach Frankreich.

Mulhouse
Altes Rathaus in Mulhouse

Auf guten Radwegen überquerten wir die Dreisam und ließen Freiburg hinter uns. Es wurde langsam warm, als wir Staufen im Münstertal erreichten und bei einem Capuccino die Vormittagssonne genossen. Der Track führte uns nun durch die Weinberge des Markgräfler Landes, und einige Anstiege waren zu bewältigen. Die Höhen, mit gut positionierten Bänken, auf denen sich prächtig Pfirsich essen ließ, boten allerdings großartige Aussichten auf Vogesen, Rheinebene und Dörfer. In Müllheim ließen wir den Schwarzwald hinter uns und bogen nach Westen ab – Frankreich wir kommen. Im Ort stauten sich die Autos, es war viel Betrieb, denn der älteste badische Weinmarkt fand statt.

Wir verweilten nicht, sondern überquerten zunächst den träge dahinfließenden Rhein, in den wir wie die Kinder spuckten, anschließend den Rheinseitenkanal und befanden uns damit in Frankreich, und zwar an einem besonderen Datum, denn heute war Nationalfeiertag.

Inzwischen, es war Mittagszeit, strahlte die Sonne sehr kräftig, und als wir einem unbefestigten Pfad in einem Weizenfeld nicht weiter folgen und den Weg nach Mülhausen auf der Straße fortsetzen wollten, dauerte es etwas, bis wir die richtige Richtung gefunden hatten. Aufgrund des Feiertages war wenig Betrieb in den Dörfern. Nach einigen Kilometern auf der D55 erreichten wir den Rhein-Rhône-Kanal, an dem entlang wir, größtenteils auf Radwegen, am Nachmittag in Mulhouse ankamen.

Unser Hotel, etwas versteckt liegend, befand sich gleich hinter der Stephanskirche, dem „Dom von Mülhausen“, auf dem sehenswerten Place de la Réunion. Wir durchstreiften zu Fuß die schöne und belebte Altstadt und aßen am frühen Abend neben dem alten Rathaus Salat und Flammkuchen, zu dem wir einen offenen Elsässer Riesling tranken.

Erste Etappe beendet, wir und die Räder waren wohlbehalten am Ziel. Wetter und Umgebung waren prächtig. Wohlbehagen breitete sich aus.

Übernachtung

  • Kyriad Centre
    61,20 EUR

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