Von Freiburg nach Barcelona

Mâcon - Villefranche

Etappe 7: 43,15 km

Villefranche
Villefranche

Bislang war Villefranche vor allem eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Hause gewesen, um noch einmal im Casino zu Mittag zu essen. Nun kamen wir mit Rädern von Norden. Wie würde Villefranche auf uns wirken?

Morgens gab es im nicht klimatisierten, stickigen Hotel das bis dahin teuerste Frühstück. Toast gab es nicht, und der Preis, nur um einer Maschine zuzusehen, wie sie Orangen auspresste, war nicht angemessen. Die Räder holten wir aus der sicheren Garage und stockten unsere Vorräte im Casino Shop auf.

Es war noch früh, die Straßen leer, wir fuhren über zwei Brücken und waren auf dem Track, der die Saône entlangführte, aber deutlich schlechter war als bisher gewohnt. Den Untergrund bildeten unbefestigte Naturwege mit grobkiesigen Oberflächen, auf denen man leicht "ins Schwimmen" geraten konnte. Allerdings war die Kulisse schön, wir wechselten gerade ins Beaujolais, es war meist leise bis lautlos, wenn nicht unsere Räder geheimnisvoll quietschten, was doch nur für Schlosstüren gelten sollte.

Nur wenige Gepäckradler kamen uns heute entgegen, definitiv kein Weg für eine entspannte Tour. An vielen Stellen gab es Picknickmöglichkeiten, einige Angler und Spaziergänger waren unterwegs. Quasi im Frühtau begrüßte uns eine lustige Schar französischer Altersgenossen (generisches Maskulinum), die in farbenfroher Fitnesskleidung ihre Übungen absolvierten und unseren Manövern applaudierten.

An einer stillen Anlegestelle aßen wir zu Mittag. Die Mittagszeit ist in Frankreich deutlich zu erkennen. Schlag 12 sind weniger Autos, Radler, Passanten unterwegs, weil eben die pause de midi begann. Und die ist nahezu sakrosankt.

Kurz danach erreichten wir die schöne Hängebrücke von Beauregard, die 1831 erbaut worden war und heute nur noch für Radler und Fußgänger zugänglich ist. Wir überquerten den Fluss und fanden das Kyriad im Zentrum.

Am frühen Nachmittag spazierten wir die wellige Einkaufsstraße, die Kirche trug eine Spitze wie eine Stecknadel, hinauf und hinunter, um ein angenehmes Lokal zu finden. Wir hatten Hunger. Es war schwül, ein Gewitter kündigte sich an. Knapp vor dem Ausbruch und dem wasserfallgleichen Regenguss aßen wir in einem Kebab-Lokal Köfte, Fritten und Salat, natürlich zu delikatem Sprudelwasser. Schmeckte alles gut. In einem Carrefour-Laden, der Regen hatte aufgehört, kauften wir noch etwas Rosiges für den Abend.

Manchen Städten fehlt das je-ne-sais-quoi, sie laden nicht zum Verweilen ein, sondern machen das Weiterfahren einfach. Villefranche ist solch eine Stadt, unscheinbar, profillos, nicht in der Ecke stehend, aber irgendwie vergessen von der Welt, auch selbstvergessen?

Das Bemerkenswerteste ist wohl eine Plakette an einer Hausfassade, auf der zu lesen steht, dass im März 1815 Napoleon auf seinem Marsch nach Norden eine Rede vor 60.000 Menschen gehalten hatte.

Übernachtung

  • Kyriad Villefranche
    79,00 EUR

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