Von Freiburg nach Barcelona

Marseillan Plage - Capestang

Etappe 16: 53,71 km

Mit dem Frühstück ließen wir uns heute Zeit. Noch war es auf der Terrasse angenehm luftig. Eine Fistelstimme, die zu einer schlanken dunkelhaarigen und forschen Madame de la Reception gehörte zählte im ununterbrochenen Singsang die Bestandteile des Büfetts auf: „Jus d`orange - poussez fort, plus fort, le café, la confiture“ und so fort. Und bei jedem neuen Gast begann sie von vorn. Gelegentlich gellte es über die Terrasse: „Voulez-vous un croissant à volonté?“ Nicht ganz entspannend.

Wir holten die Räder aus der Garage und starteten zunächst in Richtung Agde, wo wir im Netto einkauften. Agde erschien unübersichtlich, es war sehr viel Verkehr. Etwas später überquerten wir den Hérault, und kurz vor der alten Rundschleuse wurden wir nach Westen an den berühmten Canal du Midi geleitet, der 1681 fertiggestellt worden war und Toulouse mit dem Mittelmeer bei Sète verbindet.

Auf teilweise beängstigend engem und wenig radfreundlichem Wege kamen uns Dutzende von oft voll beladenen Radlern entgegen, nicht selten mit Anhängern versehen. Aneinander vorbei kam man nur, wenn sich einer der Reisenden mitsamt Gerät ins Gebüsch drückte. Oft genug war Anhalten und Durchlassen gefordert. Die Wegqualität schwankte zwischen Pfad, von Schotter und dicken Steinen durchsetzt, bis zu breiteren, fast immer unbefestigten Wegen.

In Vias entschlossen wir uns, den Weg am Kanal zu verlassen, um heute noch in Capestang anzukommen. Wir waren in einem wahrhaftigen Camping-Universum gelandet, das uns wie ein Irrgarten erschien, eine Campinggasse nach der anderen, ein Konglomerat aus Hinterhof und Kirmes. Immer wieder suchten wir mit Google Maps den richtigen Weg, fuhren in Portiragnes zur Mittagszeit ein nahezu lupenreines Rechteck, was uns nochmals ans Meer brachte, und fanden schließlich den Ausweg auf die D37.

Béziers
Blick auf Béziers

Und wen erreichten wir dann? Den Canal du Midi! Die Fahrbahn hatte sich allerdings entscheidend verbessert, der Radweg war asphaltiert, so dass wir auf ihm blieben: L'Hérault à vélo, so hieß es auf den Informationstafeln. Bei dem Radweg handelt es sich um die 15 km lange Voie Verte du canal du Midi de Béziers à Portiragnes-Plage.

In einer Mittagspause aßen wir im Schatten von Platanen Plattpfirsiche. Am malerischen Port-Neuf in Béziers befindet sich das schattige Café de Plaisance. Dort tranken wir Zitronenwasser und wählten jeweils zwei köstliche Sorbets aus. Sehr lecker, sehr idyllisch. Vor dem Café steht ein Wegweiser des Eurovelo 8 von Cadiz nach Athen, ein Fingerzeig auf die nächste Tour? Den Eurovelo 8 wollen wir gerne komplettieren.

Wir hielten immer wieder an, um die schönen Aussichten auf Béziers zu genießen, und erreichten nach kurzer Zeit Les 9 Ecluses de Fonserannes, eine Schleusentreppe, die zum „historischen Monument“ erklärt worden war. In Wikipedia heißt es dazu:

Die Schleusentreppe wird jährlich von etwa 10.000 solcher touristisch genutzter Wasserfahrzeuge passiert, wobei es in den Ferien-Monaten Juli und August bis zu 60 pro Tag sein können. (Wikipedia)

Schleusentreppe
Les 9 Ecluses de Fonserannes

Der Radweg wurde nun wieder schlecht. Er war gerade noch als Pfad einzuordnen, der lediglich mäßiges Tempo zuließ. Zudem war es geradezu stickig heiß geworden. In Colombiers hatten wir genug vom Kanal. Wir wechselten auf die D162E1 und durchquerten den Étang de Montady, eine im Mittelalter trockengelegte Lagune. Wenig später war das Etappenziel Aux Roses de l´ Étang erreicht: eine kurze Reihe von Gîtes mit viel Grün dröm heröm. Eine wirbelnde kleine Gastgeberin, die uns zunächst das falsche Zimmer gab, sich aber leidenschaftlich darum kümmerte, dass das Wifi funktionierte. Gewisse Parallelen zum Morgen wurden deutlich. Très sympa!

Wir zogen ein, machten uns frisch und radelten zum nahen Lidl, um für morgen einzukaufen. Spontane Eingebung – lass uns für heute Abend einkaufen. Wir entschlossen uns, „daheim“ zu bleiben und im Grünen auf der Terrasse zu essen. So gelangten Baguette, Gurken, Tomaten, Oliven, Schinken, Pastete, Käse und Wein in die Ortlieb-Taschen. Bevor wir uns allerdings dem Schlemmen widmeten, planten wir die nächsten Übernachtungen. Es würde wohl hügeliger werden!

Den Abend verbrachten wir allein vor dem Apartment – alles war ausgeflogen, und in geradezu verschwörerischer Stille ließen wir die Seele baumeln.

Übernachtung

  • Aux Roses de l'étang (Apartment)
    85,00 EUR

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