Von Freiburg nach Barcelona

Nîmes - Montpellier

Etappe 14: 61,25 km

Einen weiteren Ruhetag wollten wir in Nîmes nicht einlegen, Carcassone und Barcelona standen ja noch auf der fiktiven Ruhetagliste.

Radtrassenweg
Voie Verte de la Vaunage

So packten wir denn nach dem Frühstück unsere Silkroads und radelten bei angenehmer Temperatur eine Ehrenrunde um das Amphitheater herum, nach der wir auf den Track kamen, der uns nach Montpellier führen würde.

Zunächst folgten wir der recht stark befahrenen D40, auf der indessen, weil es Samstag war, kein Lkw-Betrieb herrschte. Nach einigen Kilometern wurden wir in Caveirac, in einer breiten Ebene liegend, auf einen Bahntrassenweg geleitet, der Voie Verte de la Vaunage, die uns über sehr schöne Passagen 22 km weit bis nach Sommières führte. Ein außerordentlich guter Radweg, links und rechts viel Grün, das verdorrte Gras war durch mannigfache Grüntöne abgelöst worden. An einem Radgeschäft in Calvisson ließ Ute noch einmal das Klick-klack-Geräusch überprüfen, das laut Auskunft des freundlichen Herren, der uns sehr ausführlich beriet, nichts Ernsthaftes sei.

Mit einem neuen Flaschenhalter für mich – noch mehr Radgeschäfte und unsere Urlaubskasse würde leiden – setzten wir die Tour fort. In Sommières standen zahlreiche Menschen auf der Brücke über die Vidourle, die Autos fuhren im Schritttempo, Polizisten regelten den Verkehr. Was passierte da? Die Menschen auf der Brücke verfolgten aufmerksam und begeistert einen Wettbewerb, bei dem es darum ging, wer das verrückteste, aber noch fahrtüchtige selbst gebaute Boot zu Wasser gelassen hatte. Der Enthusiasmus kannte keine Grenzen. Die schöne Radstrecke endete leider hier, und wir fuhren fast nur noch Straße, die mit gutem Belag versehen war.

Brunnen
Kühlende Bauchdusche

In Montpellier, übrigens Partnerstadt Barcelonas, begann das das alte Spiel: erst mussten wir das Ibis finden, dann die Garage, wobei die Wegbeschreibungen der Rezeptionistinnen für die Tonne waren und uns leicht verärgerten. Wir stellten die Räder ab, zogen in eine Kajüte, so winzig war das Zimmer, und ärgerten uns erneut über das Preis-Leistungsverhältnis dieses Ibis Centre. Das war ganz und gar nicht das, was wir von Ibis gewohnt waren.

Vorbei an alten hohen Bürgerhäusern gingen wir ins nahe Einkaufscenter, architektonisch völlig unangemessen, kauften in einem der auch in Frankreich immer häufiger anzutreffenden Bio-Märkte Vorräte, die wir ins Zimmer brachten, bevor wir unseren Rundgang durch die Stadt starteten, die uns am Ende des Tages außerordentlich gut gefallen hatte und in unsere Top-Ten-Liste aufgenommen wurde.

Stolze, hohe und alte Häuser, die Einfluss und Selbstbewusstsein ausstrahlten. Das Gassendickicht zu durchstreifen machte Spaß, weil immer wieder etwas Neues und Überraschendes zu entdecken war, und sei es eine Taube, die ihren Bauch in dem Strahl eines Wasserspeiers auf einem kleinen Brunnen kühlte. Schönes Gehwegpflaster, ganz nebenbei.

Am Beehive
Am Beehive

Wo stärkten wir uns für den nächsten Tag? Nahe der Place Saint-Roch im The Beehive, wo wir in einer der schmalen Gassen auf Barhockern sitzend leckere Hamburger und Fritten aßen, nachdem wir ein Lokal verlassen hatten, das uns, weil nur zu zweit, einen Platz in der Diaspora, also ganz weit hinten zugewiesen hatte.

Zu unserem Glück, denn die Place Saint-Roch zeigte das pralle französische Leben, so wie man es sich gern vorstellt: Cafés, Kneipen, Restaurants auf kleinem Raum und voller Einheimischer.

Ein guter Preistest für uns ist übrigens, ob eine Lokalität einen offenen Wein, un demi litre en pichet, zu einem vernünftigen Preis anbietet. Das Lokal bestand den Test.

Übernachtung

  • Ibis
    80,00 EUR

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