Von Freiburg nach Barcelona

Vic - Barcelona

Etappe 24: 83,70 km

Es geht nach links
Es geht nach links

Nach dem Auschecken begann eine der spektakulärsten Etappen unserer Radtour. Wir folgten einige Zeit einer Parallelstrecke zur stark befahrenen Hauptstraße, auf der wir immer mal wieder Schweinisches in die Nase bekamen.

Als wir nach Tona schon Schlimmes befürchteten, weil die Strecke sich mehr und mehr von der Hauptstraße entfernte und unbefestigt wurde, kehrte der Track auf eine asphaltierte Straße zurück, die sich die nächsten Kilometer in die Höhe schraubte. Permanent aufwärts führte der Weg in die Costa-Berge, aber es war nicht so steil.

An vielen Stellen arbeiteten Bauarbeiter, die uns gelegentlich anfeuerten. Endlich kamen die erhofften steilen Abstiege. Mitten in die Freude platzte gleichsam eine Abzweigung, bei der wir auf eine schmalere Straße wechseln mussten, deren Belag nicht so wunderbar glatt wie vorher war. Häufig begegneten uns Radsportler im Kampf gegen den Berg.

Unversehens befanden wir uns inmitten steiler Felsenklippen, den Cingles de Bertí, in einer canyonartigen Schlucht, die grandiose Ausblicke bot und gespenstisch still war. Am Rand stand ein Gebäude, bei dem man allein durchs Anschauen schon Höhenangst bekam. Wir waren in Sant Miquel del Fai, einem Benediktinerkloster aus dem 11. Jahrhundert, das 1988 zum Kulturdenkmal ernannt worden war.

Der Track sollte uns nun am Kloster vorbei nach unten führen, aber zwei Gitter versperrten den Weg. Ein Schild klärte uns darüber auf, dass der Weg wegen Bauarbeiten gesperrt sei. Man bedauere die Unannehmlichkeiten. Super, Radler können ja auch eben mal über eine andere Straße düsen. Nun standen wir also in der Pampa. Mit Google und Geduld fanden wir eine Alternative, die uns über Serpentinen am oberen Rand der Schlucht entlangführte. Es war still, einsam, wunderschön. Immer wieder hielten wir an und staunten in die Schlucht hinunter.

Plaza de España
Plaza de España

Nach einigen leichten Anstiegen erreichten wir Caldes de Montbui in der Vallès-Ebene, von wo aus wieder eine rasante Abfahrt folgte. Barcelona schien uns schon ganz nah und wir beschlossen, die letzten Kilometer auf der C-59 zu bleiben. Die ging aber in die C-17 über, und das war eine Autobahn. Also mussten wir zurück auf den Track, verdattelten uns dabei, und gelangten nach rund 20 km doch zum Besòs, an dessen Ufer wir uns der riesigen Stadt näherten.

Noch eine letzte Pause, und nach langen und stillen Bergmomenten schlug uns das tägliche städtische Chaos entgegen. Ampeln und enge Radwege nervten, wir mussten aufpassen. Nahe an der Sagrada Familia vorbei und über die Plaza de España begann das Finish. Nach rund 1.500 km hatten wir den südlichsten Punkt unserer Radtour erreicht.

Zwei Amstel und einige Erdnüsse später saßen wir im klimatisierten Fira Congress, in dem die vor fünf Wochen verschickten Radtaschen angekommen waren.

Le Tour 2018 est fini!

Das Abendessen bestand aus einem Salat in einer Kleintennisanlage, unterbrochen von einem heftigen Regenguss. Prosaisches Ende einer wunderbaren Tour.

Am Ziel in Barcelona
Am Ziel in Barcelona

Tag 2 in Barcelona

Ein reichhaltiges Frühstück erwartete uns am nächsten Morgen. Wir ließen den Tag ganz langsam angehen, schlenderten am Vormittag durch ein großes Einkaufszentrum, radelten am Nachmittag zum Plaça de la Universitat, wo wir die Räder abstellten und uns in das Gewühl stürzten. Die übervollen Ramblas verließen wir schnell wieder.

Am folgenden Tag fuhren wir ins Barri Gòtic, ins gotische Viertel, ältestes Viertel Barcelonas, das uns vor rund 10 Jahren schon außerordentlich gefallen hatte. Auch diesmal fühlten wir uns wohl darin und genossen den Tag. Wie gestern schon aßen wir abends im Canas y Tapas, das sich im Einkaufszentrum befand.

Zurück nach Bonn

Wir hatten mit dem Hotel, das einen kostenlosen Shuttle-Service zum Flughafen anbietet und sogar einen Tag zuvor testen ließ, ob die Räder in den Wagen passen würden, die Abfahrt für 11.15 Uhr vereinbart. Pünktlich bis auf die Minute traf das Großraumtaxi ein. Bis dahin hatten wir die Räder vorbereitet, die Lenker vertikal gestellt, Pedale abgeschraubt, Luft nicht entweichen lassen und Kabel mit Materialien aus dem Carrefour geschützt.

Am Terminal 2, dort startete EasyWings, packten wir die Räder in die Taschen, nahmen die letzten Anpassungen vor und warteten auf das Check-In. Wir verteilten uns auf zwei Warteschlangen und lernten, dass "drop-off" für Online-Einchecker galt. Die freundliche Dame rief einen Kollegen zur Hilfe, der uns anwies, in 15 Minuten am Schalter 56 zu sein. Dort würden die Räder eingecheckt. Bis dahin alles im grünen Bereich.

Die erste Begegnung vor dem Schalter fand mit einem Männlein-Weiblein-Paar statt. Der Pferdeschwanztragende wohlbeleibte Herr war von unseren "Vintage"-Sätteln von Brooks so begeistert, dass er sie am liebsten mitzunehmen sich anschickte. Dem Aufschwung folgte der Abschwung. Es kamen die Sicherheitsleute, die die Räder auf ein Band legten, um sie zu durchleuchten. Mein Rad schaffte die Kontrolle, Utes Rad nicht. Warum nicht? Keiner hatte eine Erklärung, man würde nichts sehen, hieß es. Eine Mitarbeiterin versuchte manuell das Rad in der Kammer so zu positionieren, dass es passte. Kein Erfolg. Wir müssten das Rad wohl "per Cargo" transportieren. Der Schweiß lief. Eine Mitarbeiterin der Fluglinie wurde mobilisiert.

Wir sollten wahlweise

  • den Sattel abmontieren,
  • das Vorderrad abmontieren,
  • den Lenker abmontieren,
  • das Rad in einem Karton verpacken

War natürlich alles Unfug, weil es nicht zu vermitteln war, dass das kleinere Rad Probleme bereitete, während das größere Rad durchgekommen war.

Wat nu, musste der Philosoph herhalten. Die Mitarbeiterin von EasyWings ließ uns wissen, dass wir beim nächsten Mal aber beachten sollten, wie groß die Apparaturen auf den Flughäfen seien. Davon war natürlich nie die Rede gewesen, aber wir nahmen das als Signal, dass es eine Lösung geben würde. Und die sah so aus: Ein Mitarbeiter ordnete an, beide Räder auszupacken. Dann wurden die Taschen durchleuchtet, anschließend die Räder manuell gescannt. Das war's. Es hatte den Anschein, dass weniger die Räder als die Taschen das Problem gewesen waren.

Puh - das hatte Nerven gekostet. Mit einer Verspätung von 30 Minuten, die aber nicht auf uns zurückzuführen war, startete der Airbus und landete rund zwei Stunden später in Köln/Bonn. Dort wurden die Räder von einem Mitarbeiter vor die Tür gestellt, wo uns schließlich ein anderer Mitarbeiter half, sie in die Halle zu befördern. Eine Schraube, die die Lampe befestigte, war abgefallen, ansonsten waren die Räder heil, so dass wir nach einer halben Stunde, in der wir Klebeband entfernten, die Pedale anschraubten, den Lenker richteten und den Abfall beseitigten, vom Flughafen aus durch Porz am Rhein entlang in der schönen abendlichen Stimmung nach Hause radeln konnten.

Übernachtung

  • Fira Congress
    390,00 EUR (3 Übernachtungen)
    jederzeit wieder

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