Von Freiburg nach Barcelona

Villefranche - Vienne

Etappe 8: 76,69 km

Masaryk-Brücke
Masaryk-Brücke

T'en souviens-tu?

Vor mehr als 40 Jahren waren wir zum ersten Mal in Vienne. Unsere ersten Oeufs à la neige, unser erstes Drei-Sterne-Restaurant - Dutzende Male hindurchgefahren oder übernachtet mit dem Gefühl, der Urlaub beginnt.

Außerdem würden wir heute Lyon durchfahren. Mit dem Auto war das oft eine Tortur. Ob das mit dem Rad auch stressig sein würde? Es wurde sogar empfohlen, Lyon mit dem Zug zu durchqueren, weil es mit dem Rad viel zu nervig wäre. Unserer Erfahrung nach eigneten sich aber gerade die Wochenenden, um größere Städte mit dem Rad zu durchfahren, weil kein Berufsverkehr zu befürchten war.

Also machten wir uns in optimistischer Stimmung und bei prima Wetter auf den Weg. Nach etwa 10 Kilometern, meist auf Rüttelwegen, hatten wir soeben Trévoux, ein hübsches Städtchen rechts der Saône und zum Département Ain – alphabetisch die Nr. 1 der Départements - gehörend, durchquert, sahen noch einmal auf die sehenswerte Stadtsilhouette zurück, als ich einen Stock überfuhr, der sich mit dem Reifen drehte, bevor er liegen blieb.

Wir hielten an, inspizierten den Reifen, entdeckten einen Dorn, zogen daran und pffffft … . Jeder Radler kennt dieses Geräusch, das an dieser Stelle onomatopoetisch für den Ärger herhalten muss, den es bewirkte. Merde! Mit vereinten Kräften unter Utes technischer Oberaufsicht flickten wir den Schlauch und setzten die Fahrt nach einer halben Stunde fort. Einige Radler erkundigten sich einfühlsam während der Reparatur, ob Hilfe nötig sei.

Da der Weg sich wieder zu einer Rüttelpiste entwickelt hatte, wir auf keinen Fall einen zweiten Plattfuss riskieren und keine weitere Zeit verlieren wollten, wechselten wir in Fleurieu-sur-Saône, rund 15 km vor Lyon auf die D433, die nicht durchgängig mit einem eigenen Radweg ausgestattet war. Es herrschte allerdings nicht so viel Verkehr, es war ja Samstagmittag, fast 12 Uhr! So gelangten wir ohne weitere Probleme zu einer schönen 1831 erbauten Hängebrücke in Lyon, die heute nur noch für Radler und Fußgänger passierbar ist und seit 1931 den Namen Masaryk-Brücke trägt. Dort verbrachten wir unsere Mittagspause.

Anschließend durchquerten wir im strahlenden Sonnenschein das Zentrumsviertel Les Cordeliers, ein wahrer Bienenstock, – Einbahnstraßen durften überall mit dem Rad gegen die Fahrtrichtung benutzt werden – von der Place de la Paix bis zur Place des Jacobins. Schließlich radelten wir über die  Guillotière-Brücke, die älteste Brücke Lyons, die die Rhône überspannt.

Renaissance in Vienne
Renaissance in Vienne

Wir fuhren knapp 4 km an der Rhône entlang und erreichten die Pasteur-Brücke, an der sich das Musée des Confluences befindet. An diesem Ort fließen Rhône, der wir die nächsten Tage folgen würden, und Saône zusammen.

Unser nächstes Ziel hieß Vienne, und der Track führte am Fluss entlang. Schön, dachten wir, aber da waren wir zu voreilig. Denn 15 km hinter Lyon war der Weg am Flussufer dank des mächtigen Gusses gestern in Villefranche nur noch matschig. So wechselten wir auf die D312, dann auf die D4, auf der wir sehr gut vorankamen und am Nachmittag das Ibis in Vienne erreichten.

In Vienne
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Kurze Zeit später gingen wir ins Zentrum, kein Schritte für die Menschheit, eher für unsere gemeinsame Geschichte, die eng mit dem Süden Frankreichs verbunden ist. Wir aßen an einem schönen Platz. Oh, wie schöne Plätze und Gassen sind hier zu finden. Vienne hat Flair - das mit einem trockenen Rosé Visionen entstehen lassen könnte, gäbe es nicht die Warnung eines großen Politikers, wonach bei Visionen ein Arzt aufzusuchen sei.

Ein wenig Wein konsumierten wir beiden Radler am späten Abend, nur wenige Meter von der Brücke zum gallo-römischen Museum entfernt. Laue Luft, zarter Regen, leichtes Leben, sanfte Regungen. Sulang mer noch am lävve sin!

Übernachtung

  • Ibis Centre
    81,00 EUR
    jederzeit wieder

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