Von Augsburg nach Rom

Assisi - Spoleto

Etappe 19: 55,9 km

Bevagna
Bevagna

Der Ventilator im Hotel arbeitete die ganze Nacht hindurch, um uns etwas Kühlung zu verschaffen. Zum Frühstück wählten wir den Raum, in dem die bestens aufgelegte Servicekraft nicht dauerhaft präsent war. Etwas Stille, gerade in Assisi, erwies sich als ein Segen. Das Frühstück war gut. Wir trugen die Räder aus dem Zimmer und beluden sie, wobei ein freundlicher Signore uns behilflich war.

Die Italiener waren immer freundlich, rücksichtsvoll und hilfsbereit, nicht zuletzt die Autofahrer, die stets bereit waren, uns vorzulassen, und bis auf ganz wenige Ausnahmen aufmerksam darauf achteten, dass wir unbeschadet radeln konnten. Vielleicht liegt das daran, dass die Italiener radsportbegeistert sind und ein Herz für Senioren haben?

Aus Assisi, das vom 1.300 m hohen Monte Subasio überragt wird, führte eine lange Abfahrt auf annehmbaren Straßen hinunter in die Ebene. Immer mal wieder begegneten uns Rennradler, meist in Gruppen, die ihrem Sonntagsvergnügen nachgingen. Kurz hinter Spello, am Fuß des Monte Subasio, durchquerten wir den südlichen Teil des Valle Umbra in einer fast schnurgeraden Fahrt auf der SP316 von Ost nach West.

Unsere nächste Station war sodann Bevagna am Topino, wie Loro Ciuffenna Mitglied Vereinigung I borghi più belli d’Italia. Das hübsche Städtchen, dessen römische Relikte von mittelalterlichen Häusern überbaut sind, war heute für den Autoverkehr gesperrt. Für die Städte dieser Region wurden Festwochen veranstaltet. Die beeindruckende Piazza Silvestri, die als einer der schönsten umbrischen Plätze gilt, umfasst Brunnen, Kirche, alte und hohe steinerne Gemäuer, vor denen sich Leben entfaltete, ohne dass von überbordendem Besucherandrang die Rede sein konnte. Es ging familiär zu.

Gleich nach diesem Ort ging es bergauf, und zwar sportlich bergauf. Kleine Straßen drehten und wanden sich um die Hügel, die mit Olivenbäumen geschmückt waren, und wie es so ist, immer wenn wir dachten, der Anstieg sei geschafft, ging es noch etwas weiter. In Montefalco hatten wir mit knapp 450 m den höchsten Punkt erreicht und gönnten uns an einer Tankstelle Eis und Wasser. Und wie kam Montefalco, umgeben von einer alten Stadtmauer, zu seinem Namen? In Wikipedia liest man dazu:

Den Namen Falkenberg erhielt der Ort, welcher zuvor Coccorone hieß, in der Mitte des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich zu Ehren von Kaiser Friedrich II., der hier oft zur Falkenjagd weilte. Noch heute ziert der Falke das Stadtwappen und eines der Stadttore.

Im Anschluss daran ging es wieder bergab, vorbei an mitunter einsamen, aber schönen quadratischen Häusern, Weinstöcken, Feldern und Olivenhainen. Das Ende eines Gottesdienstes in Madonna della Stella sorgte für zeitweise starken Betrieb auf der Straße, die hinter der Abbiegung nach Spoleto immer schlechter wurde.

Kleine Informationstafeln wiesen übrigens zweimal auf die Radroute Assisi - Spoleto hin, über die wir allerdings nichts berichten können.

In Spoleto, Partnerstadt von Orange, mussten wir das Hotel Athena nicht allzu lange suchen. Der Check-In war erst ab 14.30 Uhr avisiert, aber unser Klingeln sorgte dafür, dass die Wirtin samt übersetzendem Enkel aus der Tiefe des Hotels kam, etwas schroff unsere Aufnahme quittierte und das Zimmer anwies.

Dom
Dom

Mit einem Stadtplan bewaffnet, machten wir uns auf den Weg, Spoleto zu erkunden. Dazu nutzten wir eine sehr lange Rollbahn, die durch einen Tunnel bis hinauf in die Altstadt führte. Die letzten Meter zum höchsten Punkt waren allerdings ohne technische Unterstützung zu gehen. So erreichten wir eine mächtige Burganlage, von der aus man einen Ausblick auf das gesamte Umland und die bemerkenswerte Ponte delle Torri hatte, eine 230 Meter lange mittelalterliche Brücke, die in fast 80 Meter Höhe über einem Tal zum nächsten Hügel führte.
Die gesamte Rocca wirkte frisch restauriert und war sehr beeindruckend. Am späten Nachmittag spazierten wir hinunter zum sehr schönen Dom, innen recht schlicht ausgestattet und mit großem Vorplatz, alles in weißem Stein und einer langen, abschüssigen Treppe.

Weiter ging es durch die alten Gassen zu einem Platz, an dem wir kühles Heineken tranken, dem Leben und Treiben zusahen und eine interessante Ampelschaltung beobachteten. Von dort aus ging es noch weiter hinunter, nicht mit uns natürlich, sondern zu einem Burgerlokal namens Zeppelin am Corso Giuseppe Garibaldi. Auf Home-made-Burger hatten wir Appetit. Eine mächtige Portion machte uns pappsatt, und wir wanderten durch die Altstadt ins Hotel zurück.

Dort schauten wir uns gerade den Track für den nächsten Tag an, als jemand mit einem Schlüssel unsere Zimmertür öffnete. Bevor sich die Tür vollständig öffnete, wünschten wir ein fröhliches Buona Sera, woraufhin er sich mit Visitare sogleich zurückzog. Besaßen etwa alle Zimmer das gleiche Schloss? Mit dieser offenen Frage schloss sich, auch wenn wir betroffen waren, der Vorhang des Tages.

Übernachtung

  • Hotel Athena
    66,60 EUR mF

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