Von Augsburg nach Rom

Bologna - San Piero

Etappe 12: 83,9 km

Auf der Strada della Futa
Auf der Strada della Futa

Auf den knapp 82 km der heutigen Etappe erreichten wir zwar nur eine Maximalhöhe von 967 m, aber radelten insgesamt 1.575 m hoch. Im Rückblick war es unsere Königsetappe, nichtsdestoweniger eine sehr schöne Tour.

Womit fangen wir an? Natürlich mit dem Frühstück, das aus Zwieback und Kaffee im Plastikbecher bestehen würde, hätten wir es in der gemeinsamen Küche zu uns genommen. Das wollten wir uns nicht antun, zumal direkt an der Ecke eine rege besuchte Frühstücksbar geöffnet hatte, in der wir uns stärkten. Der Laden wird eine Goldgrube sein, ein ständiges Kommen und Gehen war zu beobachten.

Dann spielten wir Hausmeister, nutzten alle Schlüssel, bis wir unsere Siebensachen beisammen hatten und durch das Zentrum aus Bologna hinausradelten. Dabei passierten wir noch einmal die Piazza Maggiore mit den wuchtig wirkenden Baudenkmälern aus alter Zeit. Die ersten Kilometer waren problemlos, anschließend begann unsere Tour der Leiden.

Mittags
Mittags

Wir fuhren im Savena-Tal auf der SS65, der Strada della Futa, die die Emilia Romagna und die Toskana verbindet, und hinter Pianoro häuften sich die Anstiege, kein Wunder, befanden wir uns doch im Mugello, dem nördlichen Teil des Apennin. Nicht nur die Höhenmeter nahmen zu, auch die Temperaturen bewegten sich hinauf bis zu 44° Grad. Hinter Livergnano führte uns die Straße auf eine Hochebene entlang eines Hanges, und wir genossen, auch wenn wir mitunter einige Minuten schieben mussten, wunderschöne Aussichten. Vor Loiano, auf gut 700 m Höhe, rasteten wir auf einer duftenden Wiese und ließen einfach das phänomenale Panorama auf uns wirken.

Auf einer Info-Tafel bei der Terrazza Panoramica Loiano konnten wir erkennen, dass noch einige Pässe zu erklimmen waren. Also weiter. Kurze Zeit später hielten wir an einer Bar, in der zahlreiche Senioren lautstark mit Spielkarten befasst waren. Wir senkten den Altersdurchschnitt beträchtlich, nur die weibliche Bedienung war noch jünger. Das Zeter und Mordio im Raum war schön anzuhören, wenn jemand gewann, verlor, haderte oder triumphierte. Die italienischen Bars sind eine Institution, mögen sie dem Frühstück, dem Kaffee, wem auch immer gewidmet sein, in denen Nachbarschaft, Gemeinsamkeit, Wirklichkeit konstruiert und gelebt wird.

Passo della Raticosa
Passo della Raticosa

Die Straßen waren insgesamt in Ordnung. Einige Sportwagenfahrer nutzten die kurvige Strecke, um in meist älteren Modellen den Temporausch zu erleben, waren aber vergleichsweise harmlos gegenüber den Motorradfahrern, die oft scharenweise dröhnend und halsbrecherisch ihren Phantasien frönten. Zur Erklärung:

Der Futapass gehört bereits seit der ersten Austragung im Jahr 1927 zur Strecke des legendären Autorennens Mille Miglia. Auch bei den Motorrad-Langstreckenrennen von Mailand nach Tarent wurde der Pass zwischen 1937 und 1956 befahren. (Wikipedia)

Hinter Monghidoro, rund 40 km hatten wir zurückgelegt, folgte eine schöne Abfahrt. Und wie das so ist, wenn man fröhlich hinunter rollt, gleich geht es wieder bergauf, und zwar in die Region Toskana. Auf etwa 967 m Höhe erreichten wir den Passo della Raticosa, wo wir uns mit Eis und Wasser erfrischten. Dieser Pass ist ein Treffpunkt für Motorradfahrer aus der Emilia-Romagna, die einzigen Radler waren wir.

Passo della Futa
Passo della Futa

Daraufhin folgten himmlische Abfahrten, aber auch immer mal wieder ein kräftezehrender Anstieg, so zum Beispiel zum Futa-Pass, der immerhin auf einer Höhe von 900 m liegt, oder zum Monte di Fo auf rund 780 m Höhe. Der Apennin forderte uns.

Wir näherten uns nun endlich San Piero a Sieve. Der Verkehr, bis dahin normal, wurde stärker, der Feierabend hatte begonnen. An einem Kreisverkehr überprüften wir die Lage. Das Gute: wir näherten uns der Unterkunft und Giulia zögerte nicht mit Tipps, das Schlechte: das Straßenschild war wegen anderer Schilder nicht zu erkennen.

Schließlich, wie sollte es anders sein, erreichten wir das B&B, checkten im italo-englischen Sprachmodus ein und verbrachten einen schönen Abend in der Trattoria Bonaugo mit Pesto und Spaghetti, Salat, Wein und einem birra tedesca namens Falkensteiner, das auf Lienz stammt und heute zu Heineken gehört.

Wir hatten die schwierigste Apennin-Etappe geschafft.

Übernachtung

  • B&B Via Degli Dei
    56,00 EUR oF

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