Von Augsburg nach Rom

Cortona - Perugia

Etappe 17: 61 km

Lago Trasimeno
Lago Trasimeno

Am nächsten Morgen gab es eine Überraschung in Form eines umfangreichen Büfetts inklusive Breitwandformat, d.h. einem wunderschönen Blick auf die Ebene und die Berge. Ein solch reichhaltiges Angebot hatten wir lange nicht mehr gehabt. Sogar Eier und Müsli waren verfügbar, so dass wir für die Fahrt nach Perugia kräftig auftanken konnten. Perugia ist die Hauptstadt Umbriens, der einzigen Region Italiens ohne Zugang zum Meer, die allerdings auch als grünes Herz des Landes bezeichnet wird.

Schnell waren wir den Hügel mit der gestern so anstrengenden Auffahrt am anderen Ende - mit deutlich besserem Belag und geringerem Gefälle - nach Camucia hinabgerollt und fuhren zunächst auf einer engen und verkehrsreichen Straße in Richtung des Lago Trasimeno, den wir von Cortona aus bereits erblickt hatten. Der Verkehr nahm zu, so dass wir erleichtert waren, bei Badiaccia nach Osten abzubiegen und auf Nebenstrecken mit einigen Anstiegen zu wechseln. In schönem Gelände fuhren wir entlang des viertgrößten italienischen Sees, an dem einst die Karthager eine römische Armee schlugen - Hannibal ante portas, hieß es bald darauf.

Erfrischung
Erfrischung

In Passignano sul Trasimeno, einem Touristenzentrum am See, radelten wir gemütlich auf der schönen Uferpromenade und frönten wieder einmal dem Sightseeing.

Der nächste Ort war Magione. Eigentlich wollten wir dort nahe eines imposanten Castellos eine Eispause einlegen. Aber das verschoben wir aus zwei Gründen: Erstens war das Zentrum, an dem wir unmittelbar vorbeifuhren, gerammelt voll von Touristen, zweitens befanden wir uns soeben mitten auf einer wunderbaren Abfahrt, die wir nicht unterbrechen wollten. Also Magione - alla prossima volta!

Die Strecke zog sich nun auf einer stark befahrenen Straße an zahlreichen Betrieben und Lagerhallen bis nach Perugia hin, was natürlich gleichzeitig bedeutete, dass die Landschaft an Reiz verlor. In einem EuroSpin kauften wir Eis für die notwendige Kalorienzufuhr und machten etwas später noch eine längere Futterpause. Gut erholt schafften wir den serpentinenhaften Anstieg in die Altstadt von Perugia problemlos. Das war vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass das Fleischgericht am Abend vorher uns deutlich mehr Energie für den nächsten Tag verliehen hatte.

In einer kleinen Gelateria legten wir eine kurze Caféeis- und Wasserpause ein und radelten anschließend zum Hotel Bonazzi. Die Fahrräder wurden seitens des Hotels vor dem Aufzug im Treppenhaus untergebracht. Wir bezogen das Zimmer und widmeten uns dem üblichen Ablauf.

Ein wenig irritierte uns Klaviermusik von oben. Durchaus virtuos wurden Teile aus der Appassionata gespielt. Aber es war zugleich recht laut in unserem Zimmer, und die Passagen, deren Vorspiel nicht zur Zufriedenheit des Übenden ausfiel, wurden erneut gespielt. Der Wirt merkte auf unsere Nachfrage an, wegen des Musikfestivals werde eben geübt, und zwar noch 10 Tage lang von 8.30 bis 20.00 Uhr. Ob wir keine Musik mögen würden. Hmm! Wir ließen dies so stehen und spazierten in das sehenswerte mittelalterliche Zentrum rund um den Corso Vannucci und die Piazza IV Novembre, erst über enge Gassen, dann über breite Boulevards an Bekleidungsgeschäften und Restaurants vorbei zum Dom, dessen Außenwände bis heute unvollendet sind.

Hier rasteten wir in einer Bar, um das Ensemble aus Sakral- und Profanbauten zu bewundern. Zu letzteren gehört auch die schöne Fontana Maggiore aus dem 13. Jahrhundert.
Dieses Panoramabild auf Wikipedia vermittelt einen schönen Eindruck.

Als uns die Aussicht von der Müllabfuhr verstellt wurde, besichtigten wir den Dom, in dem für ein Orgelkonzert Mozarts Phantasie KV 475 geprobt wurde, die sich auf dem Klavier unserer Ansicht nach deutlich besser anhört.

Greif und Welf
Greif und Welf

Weiter ging es zu einem Abstecher in die Galleria Nazionale dell’Umbria, die sich im mittelalterlichen Palazzo dei Priori aus dem 13. Jahrhundert befindet, wo gleich in der Eingangshalle die beiden Wahrzeichen der Stadt als Bronzefiguren aufgestellt sind: der Greif, das Wappen Perugias, und der Löwe als Symbol der Verbundenheit mit den Welfen, also der päpstlichen Partei als ghibellinischer Widerpart.

Im Anschluss daran spazierten wir zurück zur Piazza Italia und den Giardini Carducci. Von dort aus hat man einen großartigen Ausblick auf Stadt, Ebene und Berge. Für eine Verschnaufpause kehrten wir ins Hotel zurück, wo In unserem Zimmer nach wie vor die Klaviermusik zu hören war.

Zum Essen gingen wir in ein Lokal auf der Piazza Italia. Tintenfisch- und Thunfischsalat lautete unsere Wahl, dazu ein frischer Weißwein. Viertel nach acht waren wir wieder im Zimmer, das Klavier war nach wie vor zu hören. Wir informierten die Rezeption, in der übrigens von oben nichts zu hören war, und baten um Ruhe. Der Wirt telefonierte und meinte, nun werde es ruhig. Zehn Minuten vergingen - immer noch Musik. Verärgert gingen wir erneut zur Rezeption und kontaktierten gleichzeitig Booking. Die Warteschleife war zwar irre lang, aber mit dem Smartphone in der Hand und der Einladung in unser Zimmer begriff der Vermieter, dass etwas geschehen müsse. Die nötigen Anrufe in die Nachbarschaft überließen wir ihm. Booking, das sich endlich gemeldet hatte, nahm wohl auch noch Kontakt zum Hotel auf. Uns reichte es allemal. Da wir uns entschlossen hatten, noch einen Tag in der Schokoladenhauptstadt Umbriens zu bleiben, wollten wir ein anderes Hotel für morgen buchen.

So gingen wir noch zum 100 m entfernten Albergo Fortuna, wo uns die freundliche Dame für morgen ein Zimmer und die Unterbringung der Räder zusicherte. Bei der Rückkehr ins Hotel Bonazzi vernahmen wir, dass lautstark telefoniert wurde, die Musik aber zum Ende gekommen war. Das Hotel Bonazzi war ein Reinfall. Aber morgen würde es besser werden.

Über den Dächern 2
Über den Dächern 2

Perugia - Tag 2

Die Nacht verlief ruhig, außer dass es gedonnert und geregnet hatte. Nun schien die Sonne, wir packten die Sachen. Gute Entscheidung, denn um halb neun begannen die Übungen wieder. Man mag sich gar nicht vorstellen, wenn es sich um Tonleitern oder Czerny-Etüden gehandelt hätte. Auf das Frühstück in dieser Bleibe verzichteten wir, checkten aus und frühstückten mit einem Gefühl der Erleichterung in einer Bar an der Piazza Italia. Die vornehmlich älteren Herren dort, die viel Wert auf ihr Äußeres legten, beredeten engagiert die Neuigkeiten des Morgens, auch über mehrere Tische hinweg. Nebenbei beschäftigten sie sich damit, wie die Töne ihrer Smartphones zum Schweigen gebracht werden konnten.

Anschließend zogen wir um in den Park vor dem Hotel Bufani und der Präfektur und beobachteten Tauben, die Pfützen als Einladung zur Ganzkörpermassage nutzten und entschlossen gegen Artgenossen verteidigten.

Kurz nach 11 Uhr konnten wir endlich im Albergo Fortuna einchecken, alle sehr freundlich, sehr hilfsbereit, und lösten noch rechtzeitig zwei Karten für die City-Tour, die um 12 Uhr vor der Präfektur begann.

Caffè Dal Perugino
Caffè Dal Perugino

Ausgestattet mit deutschem Text vom Tonband, in einem offenen Kleinbus sitzend, wurden wir rund eine Stunde lang durch Perugia kutschiert und lernten mancherlei aus der Geschichte und über die Zeitläufte der Stadt auf den Hügeln kennen, die mutmaßlich von den Etruskern erbaut worden war. Sehr interessante, sehr bündige und kurzweilig Darstellungen, die uns zu Gehör kamen. Nebenbei war es überaus spannend zu beobachten, wie millimetergenau die eine oder andere Gasse oder Kurve vom Fahrer gemeistert wurde. Diese Rundfahrt hatte Spaß gemacht.

Im Anschluss daran ließ Martin einen Scherenschnitt von sich anfertigen. Wir aßen ein köstliches Eis, bedient von einem Herren, der eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Silvio Dante, dem Consigliere der Sopranos aufwies, und schlenderten erneut durchs Zentrum, das wir überwältigend fanden. Nur das Grün fehlte ein wenig. Zu Mittag aßen wir leidlich gegrilltes Huhn, vertrieben uns die Zeit und kehrten spätnachmittags im gemütlichen, engen und belebten Caffè Dal Perugino an der Piazza Matteotti ein, wo wir ein Plätzchen auf dem schmalen Bürgersteig ergatterten und uns zu kühlem Wein einer sehr guten Schinken- und Käseplatte widmeten. Dies inmitten einer stetig größer werdenden Schar von Einheimischen, die sich zum Wochenschluss am Freitag mit Freunden und Bekannten trafen und redeten, lachten, Freude hatten. Das Stimmengewirr war kakophonisch, vermittelte aber eine ungeheure Lebendigkeit.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

Vorbei an einer Filiale des Cannabis-Stores Amsterdam kehrten wir ins Hotel zurück und ließen uns mit einer Flasche Wein auf der fabelhaften Dachterrasse nieder, auf der wir ein besinnliches Stündchen verbrachten, auf das Wohl unserer Kinder tranken, den sichelförmigen Mond beobachteten und in der Ferne ein Wetterleuchten bemerkten.

Auch Perugia ist eine Stadt, die eine Reise wert ist. Ob wir noch einmal dorthin kommen?

Übernachtung

  • Hotel Bonazzi
    51,50 EUR oF
    nie wieder

  • Albergo Fortuna
    65,00 EUR mF
    jederzeit wieder

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