Von Augsburg nach Rom

Pfunds - Prad

Etappe 5: 64,3 km

Speedy Jacki
Speedy Jacki

Frühes Frühstück mit leckerem Joghurt und dem bisher unterirdischsten Kaffee. Beim Auschecken erzählte uns der Gastgeber, dass Hotels heutzutage Bettwäsche und Handtücher chippen könnten, die damit zum Gast zurückverfolgbar seien. Schlecht, wenn man z.B. seine schmutzigen Bikerstiefel mit dem weißen Handtuch geputzt habe, was durchaus vorkomme.

Beim Beladen trafen wir auf zwei Radlerinnen, die schon gestern im selben Hotel übernachtet hatten, und nach einen kleinen Plausch ging es los. Nach einer kurzen Ehrenrunde durchs Dorf, um den richtigen Weg zu suchen, fuhren wir am Inn entlang an der Grenze zwischen Tirol und Graubünden. Wir passierten die Finstermünzschlucht, radelten kurzzeitig in der Schweiz und sahen eine mittelalterliche Feste, die zum Schutz der Via Claudia Augusta und zwecks Zolleinnahmen errichtet worden war.

Der Brückenturm von 1472 steht mitten im Fluss auf halber Länge einer Holzbrücke, die auf österreichischer Seite gedeckt, auf Schweizer Seite offen ist.” (Wikipedia)

Wir näherten uns nun zügig, weil der Straßenbelag erstklassig war, dem Reschenpass, auf dem die Wasserscheide „zwischen Donau (Schwarzes Meer) und Etsch (Mittelmeer)” (Wikipedia) verläuft. Motorradfahrer, fast immer in Gruppen unterwegs, rasten an uns vorbei und ließen sich auch von roten Ampeln nicht stoppen, die an einer Baustelle installiert waren.

Es war wenig Verkehr auf der ansteigenden Strecke, die gut und gleichmäßig zu radeln war. Dabei überholten wir Radler, die mit Kindern auf eigenem Rad unterwegs waren. Hut ab, Kinder

Kurz vor Nauders, dessen Bettenzahl fast dreimal so hoch ist wie die Einwohnerzahl, erreichten wir 1.415 m, stiegen vom Rad und bewunderten die grandiose Aussicht. Anschließend ging es hinab in den geschäftigen Ort und weiter auf von Radlern und Läufern bevölkerten guten Wegen, die auf Terrassen angelegt waren. Wegen des starken Gegenwindes und stetigen Anstiegs war das schon anstrengend. Die Grenze nach Italien überquerend passierten wir den eigentlichen Pass auf 1.517 m. Tolles Gefühl!

Kirchturm
Kirchturm

In einiger Entfernung sahen wir bereits Wasser glitzern. Wir fuhren zum Reschensee auf gut 1.500 m hinab, ein künstlicher See, in dem unter anderen auch das Wasser der Etsch gespeichert wird, an deren Ufer wir in den nächsten Tagen radeln würden. Den See entlang radelten wir auf dem östlichen Ufer. An der Südseite, an der der Kirchturm des versunkenen Alt-Graun aus dem See herausragt, legten wir eine schöpferische Pause ein.

Weiter ging es zum Haidersee. Kurz bevor wir ihn erreichten, lockte in San Valentino ein Eissalon. Während Martin Eis kaufte, wurde Ute von einer Berlinerin angesprochen, die meinte: „Heute alles easy going mit den Rädern!” Sie war sehr erstaunt über unsere heutige Etappe.

Den Haidersee radelten wir am westlichen Ufer entlang, und es gab ein paar fiese Anstiege, denen eine sagenhafte Abfahrt auf vorzüglichen und schmalen Wegen folgte. Es sauste sich einfach fantastisch, und mit gut 54 km/h toppten wir unseren Altersrekord. Dabei ging es nicht nur stur geradeaus bergab, nein, es war durchaus kurvig, nur die Steilkurve fehlte. Sehr lange führte der Weg an der Etsch entlang, durch kleine Dörfer. Ski, Rodel und Rad gut.

Wir zwei
From here to eternity

An Burgeis und Schleis vorbei, der Etsch folgend und von den mächtigen Gebirgsgruppen des oberen Vinschgaus eingerahmt, sollte nun eigentlich unser Quartier in Laatsch ganz nah sein. In Prad fragten wir irritiert nach dem Weg, und man schickte uns zurück. Wir hätten noch rund 16 km fahren müssen, was uns nach den Anstrengungen des Tages zu viel erschien. Wir überprüften die Lage, checkten Google Maps und unsere Buchung auf Booking und erkannten, dass wir nicht nach Laatsch, sondern nach Latsch zu fahren hatten. Das wären rund 25 km gewesen. Das ging gar nicht mehr. Wir hatten die beiden Orte Laatsch und Latsch verwechselt. So stornierten wir die Buchung - vielen Dank für das Entgegenkommen, liebe Pension Karpoforus - und suchten eine Übernachtungsmöglichkeit in Prato alla Stelvio. Wir quartierten uns im B&B Hof Montoni ein, von dem aus wir einen großartigen Blick auf den höchsten Gebirgspass Italiens, das Stilfser Joch, hatten.

Der Hunger trieb uns ins Dorf, und am späten Nachmittag aßen wir im Restaurant A la Posta"Salat und Penne all’arrabbiata bzw. Spaghetti al ragù zum kühlen Weißwein. Der gesprächige Wirt beklagte sich über die Fliegenplage. So viele Fliegen habe es noch nie gegeben. Diese Klage kam uns aus Imst bekannt vor.

Übernachtung

  • B&B Hof Montoni
    80,00 EUR mF

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