Von Augsburg nach Rom

Montemarciano - Arezzo

Etappe 15: 34,8 km

Piazza Grande
Piazza Grande

Das Haus lag direkt an der Straße, aber auf zauberhafte Weise inkommodierte das nicht.
Am Morgen, es war Montag, schliefen wir aus, rüsteten die Räder, verabschiedeten uns und fuhren zu dem uns bekannten Café, in dem wir frühstückten.

Da Utes Radriemen seit zwei, drei Tagen knarrte wie eine gespenstische Schlosstür, bestand der Verdacht, dass sich dort nach Durchfahren einer Pfütze vor Ostiglia Ölreste abgesetzt hatten. Eine nahe gelegene Autowerkstatt wusste Rat: Power Max sprühte der Mechanicus auf den Riemen, und die Knarzgeräusche waren verschwunden.

So radelten wir weiter durch die toskanische Bilderbuchlandschaft der Pratomagno-Bergkette. Leider verschlechterte sich der Straßenzustand. Waren wir gestern noch auf insgesamt gut befahrbaren Straßen unterwegs, wurden sie nun grottenschlecht, nahe daran, ein Rütteltrauma zu verursachen. Da half es wenig, dass wir fast allein auf den Straßen unterwegs waren.

Nach rund 30 km hatten wir Arezzo, wo wir zwei Tage bleiben wollten, erreicht. Im Wikipedia lasen wir:

Mit seinen Kaufherrenpalästen, Patrizierhäusern und Sakralbauten ist Arezzo ein Juwel mittelalterlicher Architektur und Kultur.” (Wikipedia)

Das Zentrum gefiel uns sofort, und wir lernten es gut kennen. Das kam so:

Suchend in Arezzo
Suchend in Arezzo

Von der Porta San Lorentino aus mussten wir zunächst die Oberstadt erklimmen, vornehmlich schiebend, weil wir gegen die Fahrtrichtung unterwegs waren. Immerhin gestattete dieser Anstieg die ersten Einblicke auf den mächtigen Dom San Donato, die Statue an der Via Ricasoli und die schräg abfallende Piazza Grande mit malerischen Zeugnissen alter Baukultur. Nach einigem Suchen glaubten wir, die gebuchte Unterkunft gefunden zu haben, ein stolzes großes Haus in einer kleinen Seitengasse, dessen Besitzer allerdings nichts von unserer Ankunft wusste. Er ließ uns ein, zeigte uns alles, bestätigte den Preis und wusste sehr ausführliche Erklärungen zu geben über Booking, Computer, die IT-Probleme usw. Eine leichte Ähnlichkeit mit Peter o’Toole war unverkennbar. Als nun alles geregelt schien, stellten wir beim Abgleich der Daten fest, dass Booking eine andere Unterkunft bestätigt hatte, und zwar in der Unterstadt. Wie das zustande gekommen war, konnten wir nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls entschieden wir uns, alles zusammenzupacken, dem verständnisvollen und höflichen Gastgeber zu erklären, dass eine Stornierung nicht mehr möglich sei, und dann in die andere Unterkunft in der Via Michelangelo umzuziehen. So ging es also abwärts, wenn auch nicht auf kürzestem Wege. Nun ja.

Rathaus
Rathaus

Schließlich war das neue Quartier bezogen, und am frühen Nachmittag, die Räder waren in einem Raum neben der Rezeption abgestellt, machten wir uns auf den Weg über den Corso Italia in das historische Zentrum zurück. Großartige Gebäude und geheimnisvolle Gassen säumten den Weg und sorgten für nachhaltige Eindrücke.

Spätnachmittags aßen wir in der einladenden La Bottega Di Gnicche am großen Platz einen gewaltigen Antipasti–Teller de la casa und Penne, dazu tranken wir einen Rosé mit Eis. Oh, das war lecker. So ging der erste schöne Tag in Arezzo zu Ende.

Arezzo - Tag 2

Das Frühstück hing in einem blauen Plastikbeutel an der Türklinke: Croissants, Marmelade, Honig - alles in Folie eingeschweißt. Wir verzichteten darauf und aßen stattdessen Panini in der Café-Bar Carlo, nahe am Corso Italia. Bevor wir die Stadt durchstreiften, kauften wir im Supermarkt Conad allerlei für morgen ein, brachten es ins Zimmer, in dem sich auch ein Kühlschrank befand, und bummelten danach erneut auf dem Corso Italia Richtung Piazza Grande. Wir nahmen uns Zeit zu schauen, bestaunten die große romanische Kirche Santa Maria della Pieve, die älteste Arezzos, die leider nur von außen besichtigt werden konnte, und begaben uns auf die Suche nach der Chiesa San Francesco, einer schlichten Kirche, die wir am gleichnamigen Platz fanden.

Im luftigen Park neben dem Dom tranken wir etwas und ließen die Zeit verstreichen. Am frühen Nachmittag aßen wir erneut in der Bottega Di Gnicche, lautstark willkommen geheißen von allen Mitarbeitern. Fenchel-Orangen-Salat, Melone und Schinken, Penne all’arrabbiata und Tortellini al Ragu, dazu der eiskalte Rosé. Wieder köstlich.

Daraufhin bummelten wir in die Unterstadt, kauften im Conad Wein, Eiswürfel, Wurst, Fischsalat und machten uns einen gemütlichen Abend im Zimmer, an dem wir unsere Kenntnisse über die mannigfachen Konflikte und Zerwürfnisse zwischen den oberitalienischen Städten, Welfen und Ghibellinen auffrischten.

Übernachtung

  • Residence Le Corniole
    106,00 EUR oF (2 Übernachtungen)

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