Von Augsburg nach Rom

Prad - Bozen

Etappe 6: 83,1 km

Steilstufe bei Töll
Steilstufe bei Töll

An diesem sonnigen Samstag erwartete uns ein karges Frühstück mit weichen Semmeln und einem Minimalangebot von Beilagen.

In einem Lebensmittelgeschäft, in dem es nahezu alles zu geben schien, kauften wir einige Vorräte. Zahlreiche Rennradler waren schon auf den Beinen und starteten wohl von hier aus zu Touren in die Region. Wir fuhren zwischen dem Nationalpark Stilfser Joch im Westen und den Ötztaler Alpen im Osten fast ausnahmslos an der Etsch entlang, dem zweitlängsten italienischen Fluss. Die Beschilderung war vorzüglich, der Asphalt erstklassig, die Waldwege prima, und es handelte sich nahezu ausnahmslos um Radwege, auf denen wir unterwegs waren. Apfelbäume über Apfelbäume säumten die Wege, gelegentlich von Weinstöcken, Wiesen und Gemüsegärten unterbrochen. Und es wurde bewässert, was das Zeug hielt. Aus der Ferne wirkten die Bewässerungsanlagen im Sonnenschein wie silberne Feuerwerksfontänen.

Am Platzl in Goldrain stärkten wir uns in einer Bäckerei mit Kuchen und Kaffee. Einige schöne Kilometer später erreichten wir das Wasserkraftwerk von Töll, wo sich während der Römerzeit eine Zollstation der Via Claudia Augusta befunden hatte und heute eine spektakuläre Steilstufe des Etschtals zu bestaunen ist. Die Etsch überwindet hier kurz vor Meran einen Höhenunterschied von fast 200 Metern. Die Gischtspritzer des tosenden Wassers erfrischten uns.

Fahrradstadt Bozen
Fahrradstadt Bozen

Wenig später wartete die nächste Attraktion, das Hochkreuz in Algund, unterhalb der Texelgruppe. Bei dieser Attraktion handelte es sich nicht um die größte Südtiroler Brauerei Forst, sondern um den Trauttmansdorffer Thronsessel. Das ist eine Plattform, die tolle Blicke auf das Meraner Land bietet und von der aus der Radweg in steilen Serpentinen wie eine Achterbahn ohne Looping hinabführt. Großartig!

Genug der Sensationen. Im Anschluss an die Abfahrt radelten wir durch Vororte von Meran, wenig attraktive Wohnanlagen und Kleingewerbe, aber der Weg blieb ausreichend beschildert. Danach begann ein eher langatmiger Abschnitt. Links Eisenbahn und Zaun, rechts die Etsch, dazwischen der Radweg. Die Sonne brannte heiß und es wurde, obwohl das Streckenprofil eben war, kräftezehrend. In einer kleinen Bar am Wegrand erfrischten wir uns mit kaltem Wasser und Eiscafé.

Fast schon in Bozen mussten wir noch einmal nach dem Weg ins Zentrum fragen. Ein pausierender Radrennfahrer wies uns den Weg. Wir wechselten den Fluss, radelten am rechten Ufer der Eisack vier Brücken weiter und schon war die Via Roma erreicht. Und siehe da, 30 m entfernt erblickten wir das gebuchte Hotel, inmitten eines kleinen russischen Viertels, so schien es uns.

Hoch hinaus in Bozen
Hoch hinaus in Bozen

Nachmittags spazierten wir zum Siegesplatz und über die Talferbrücke in das belebte Gassengewirr, mit Laubengängen, engen Passagen und großzügigen Arkaden. Es war Samstag und es brummte gleichsam im Zentrum. In einer Pizzeria aßen wir sehr leckere Nudelgerichte und wurden von rheinischen und hessischen Touristen lautstark unterhalten. Diese Reisebustruppe tankte Aperol Spritz für den weiteren Reiseverlauf.

Wir bummelten, wir schlenderten, denn nur im Schlendern steht die Zeit, hinüber zum Walther-Platz und verweilten einige Minuten dort ûf eime steine. An der Eisack entlang kehrten wir schließlich zurück und bestaunten dabei das ausgeklügelte Rad-Fußgänger-System, bei dem die Flaneure allerdings leicht benachteiligt werden. Das freie Hin- und Hergehen hat seine durch Linien signalisierten Grenzen.

In dem klimatisierten, aber hellhörigen Zimmer schlummerten wir dem Sonntag entgegen.

Übernachtung

  • Hotel Ariston
    111,40 EUR oF

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