Von Augsburg nach Rom

Torrito Tiberina - Rom

Etappe 22: 56,5 km

Am Morgen bekamen wir Colazione italiana. Der Orangensaft schmeckte prima.
Die freundliche Crew der Unterkunft winkte zum Abschied und drückte uns noch eine Broschüre in die Hand.

Nun also auf nach Rom.

Dazu radelten wir zunächst hinunter, dann hinauf auf einen anderen Hügel - dieses Muster war uns sattsam bekannt -, bevor wir auf die SP15a das Tibertal erreichten. Diese Straße war grauenhaft, und zwar nicht wegen des dichten Verkehrs, der ununterbrochen Aufmerksamkeit erforderte.

Das Schlimmste war der Straßenzustand. Wir mussten so oft Rillen, Löchern, Rissen und anderen Unebenheiten ausweichen, dass wir uns wie auf einem Slalomparcours fühlten. Grottenschlecht - auch die vorgeblichen Radwege am Straßenrand, die nicht befahrbar waren. An dieser Stelle müssen wir relativierend hinzufügen, dass solche Radwege in Deutschland ganz und gar nicht ungewöhnlich sind.

In Labaro, einem Vorort Roms an der Via Flaminia, hatten wir große Probleme, dem geplanten Verlauf zu folgen. Zu viele Wege, die nach Rom führen, kamen hier zusammen, und auf die Autobahn wollten wir auf keinen Fall.

Was tun? Ein Rennradler, der unsere Unschlüssigkeit bemerkt hatte, führte uns auf den richtigen Auf- und Abfahrten zum Radweg auf dem Tiberdamm, den wir dann recht komfortabel bis ins Zentrum weiterfuhren. Grazie mille, Signore.

Wir passierten das riesige Foro Italico und radelten auf dem Radweg der Viale Angelico fast schnurgerade bis zum Dom auf dem Petersplatz, auf dem wir uns schließlich fotografieren ließen. Basta - tutto finito, um mit Mario zu reden. Ben fatto, voi due! Tolles Gefühl!

Auf dem Petersplatz
Zwei in Rom

Ausgezeichnet, nun mussten wir ja nur noch die Unterkunft in der Nähe des Pantheons finden. Dazu brauchten wir eine gute Stunde, in der wir die Räder meist schoben, da wir umgeben von Menschenmassen ans Fahren gar nicht zu denken wagten. Wir hätten das Hotel schneller finden können, wenn uns bewusst gewesen wäre, dass 9Hotel Cesari identisch war mit Albergo Cesari. Pustekuchen, das war uns nicht bewusst. So marschierten wir einige Male um das Hotel herum. Im wahren Sinne des Wortes: dumm gelaufen.

Das einzig Gute daran war, dass wir einige Sehenswürdigkeiten, z.B. die Marc-Aurel-Säule, das wunderbare Hadrianeum und das Pantheon jetzt schon zu sehen bekamen.

Hinein ins Gewühl
Hinein ins Gewühl

Das Hotel war gefunden, und es folgte das Übliche. Die Räder wurde im Aufenthaltsraum abgestellt und wir gingen in unser auf 19 Grad gefrorenes Zimmer. Nach den routiniert erfolgenden Restaurierungsmaßnahmen spazierten wir eine kleine Runde, um uns bereits Bekanntes anzuschauen und in einem Supermarkt einzukaufen.

Wir hatten Hunger und zum Glück haben in Rom viele Lokale den ganzen Tag geöffnet, so auch die Hostaria di Brunello a Rosa Rosae. Es gab Penne Arrabiata und Fusilli mit Pesto, anschließend Tintenfisch und Salat. Dazu natürlich Weißwein und italienische Schlager aus den 50er und 60er Jahren als Hintergrundmusik, die der originelle Kellner mitsang. Dieses Lied befindet sich heute noch im Gehörgang.

Im Anschluss an die kulinarische und kulturelle Aufrüstung besuchten wir den Trevi-Brunnen. Es war unglaublich voll dort und kein Vergnügen, dort inmitten der Massen zu verweilen.

Zurück im Zimmer planten wir für morgen eine Stadtrundfahrt und gönnten uns zum Ausklang Chips und Wein.

Rom - Tag 2

Das Albergo Cesari liegt hervorragend, ist kostengünstig, aber auch hellhörig. Des Nachts musste man sich mitunter schon vergewissern, ob die Nachbarn gerade in unser Zimmer eingedrungen waren oder tatsächlich ihr eigenes gefunden hatten. Das gute Frühstück nahmen wir auf der sonnigen Dachterrasse ein. Überraschung: Der Americano schmeckte vorzüglich.

Für den Tag heute hatten wir uns eine Stadtrundfahrt vorgenommen. So machten wir uns recht schnell fertig, plauderten noch ein wenig mit dem nahe Nürnberg aufgewachsenen Portier, der rennradelte, über die wechselseitigen Raderfahrungen und fanden an der Piazza Venezia eine Hop-on-Hop off-Station der Big-Bus-Company. Wir entschieden uns für die rote Route, erhielten einen Stadtplan und Kopfhörer, suchten uns einen Platz auf dem Oberdeck und genossen zunächst eine komplette Runde, die an ausgewählten und populären Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeiführte. Der über die Lautsprecher zu empfangende Kanal versorgte uns in deutscher Sprache mit den notwendigen Informationen.

Während der zweiten Runde stiegen wir an der Spanischen Treppe aus. Wir kannten sie, wie manches andere, von einem Besuch, der rund 20 Jahre zurückliegt. Selbst das Parkhaus, das wir damals an einem verkehrsarmen Sonntag benutzt hatten, existierte noch. Was sich verändert hatte, war die schier unfassbare Anzahl der Touristen von überall her, oft in Gruppen, die hinter dem Feldzeichen ihres Leiters marschierten. Hatte Rom einst die halbe bekannte Welt erobert, schien sich das Universum heute an Rom zu rächen.

Von der Spanischen Treppe aus bummelten wir über die Via del Babuino. An einer Hauswand erinnert eine Platte an die 2002 beschlossene Partnerschaft mit der Madison Avenue. Wir gelangten zur schönen großen Piazza del Popolo. Auf den Treppenstufen des ägyptischen Obelisken ruhten wir aus, um diesen mächtigen Platz auf uns wirken zu lassen. Die Via del Corso, wie die Via del Babuino eine Einkaufsstraße, führte uns an einem Christmas Store, dem Disney-Store und verschiedenen anderen großen Namen aus der Mode- und Schmuckbranche vorbei, bis wir wieder in „unserer“ Gasse, der Via di Pietra, gelandet waren.

Wir erfrischten uns mit einem kühlen Bier, schlenderten noch einmal am schönen Hadrian-Tempel und am Pantheon vorbei und entschlossen uns, den Kapitolshügel am Ende der Corso zu ersteigen, um uns auf dem von Michelangelo entworfenen Kapitolsplatz die Kopie der Reiterstatue Mark Aurels anzusehen. Dort saßen wir dann eine Weile und ließen diesen zauberhaften Ort auf uns wirken, wobei wir die etwas missmutig dreinschauenden Statuen ignorierten.

Zu Abend aßen und tranken wir erneut im sangeslustigen und bekannten Lokal, gingen anschließend abermals zum Trevi-Brunnen, vor dem gut ein Dutzend eng geschlossener Besucherreihen standen, schauten aus der Ferne, freuten uns und zogen auf die Hotelterrasse, um uns mit einem Prosecco über den Dächern von Rom zu verabschieden.

Sempre Roma!

Übernachtung

  • 9Hotel Cesari
    201,50 EUR mF (2 Übernachtungen)

Zurück